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Veröffentlicht: 15.04.2012, 08:00 Uhr

Historische Adelssitze Schlossherr werden ist nicht schwer

Schlösser, Wasserburgen und andere historische Herrensitze gelten als die Traumimmobilien schlechthin. Doch ohne ein sinnvolles Nutzungskonzept sind sie nur ein Klotz am Bein.

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© imago Bevorzugte Nutzung: Der Eigentümer des Wasserschlosses Gartrop am Niederrhein hat das historische Gemäuer zu einem Hotel umbauen lassen

Zu Hause im Schloss - es gibt wohl niemanden, der nicht irgendwann schon einmal davon geträumt hat, in einem herrschaftlichen Anwesen zu residieren. Vor allem im fortgeschrittenen Kindergartenalter phantasiert sich der Mensch gerne in ein märchenhaftes Zuhause. Für die kleinen Ritter darf es die Burg mit Wehrturm und Kerker sein, für die Prinzessinnen der Spiegelsaal und das Turmzimmer mit Himmelbett.

Birgit Ochs Folgen:

In der Welt der Erwachsen angekommen, bewahren und verwirklichen sich interessanterweise mehr Männer als Frauen den Traum vom Adelssitz. Bei einer näheren Betrachtung ist das Phänomen allerdings leicht zu erklären. Schließlich haben Männer bekanntermaßen eher eine Schwäche für Statussymbole und verfügen zudem im Durchschnitt über mehr Kapital.

Richtigen Prunk gibt es eher in Frankreichs Schlössern

Um jedoch gleich mit einer verbreiteten Vorstellung aufzuräumen: Schlösser werden nur selten gekauft, um sie zu bewohnen. Auch ist der Käuferkreis insgesamt betrachtet alles andere als schillernd. Nachrichten, dass sich Prominente von A wie Angelina Jolie bis S wie Michael Schumacher eine solche Residenz als wer weiß wievielten Nebenwohnsitz zulegen, mögen das Gegenteil beweisen. Doch fragt man Makler, die sich auf den Handel mit Schlössern spezialisiert haben, sieht die Wirklichkeit meist anders aus.

19313972 © imago Vergrößern Kein tragfähiges Geschäftsmodell: Ursprünglich sollten in Schloss Gartrop exklusive Eigentumswohnungen entstehen

Zwar gibt es diese Fälle, aber sie sind die Ausnahme. Ebenso wenig stehen reiche Araber oder Russen Schlange, um im Land der Romantik Schlösser und Wasserburgen aufzukaufen. „Das ist denen gar nicht prächtig genug“, stellt Bodo Graf von Hardenberg klar. Er ist quasi von Haus aus Fachmann für das Thema und obendrein beim Münchner Maklerhaus Auer, Springer & Partner Immobilien für die Vermittlung solcher Anwesen zuständig. Seine Kindheit hat der Graf selbst in einem Schloss verbracht, weshalb er für sich in Anspruch nimmt, das herrschaftliche Wohngefühl aus eigener Erfahrung zu kennen.

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Auch sein Kollege Dirk Mackscheidt aus dem nordrhein-westfälischen Ort Hünxe, ebenfalls auf historische Immobilien spezialisiert, hat noch keinen russischen Interessenten für einen Adelssitz gewinnen können. „Diese Klientel sucht mehr das Moderne - oder aber richtigen Prunk.“ Den finden Schlossliebhaber eher bei historischen Bauten im Ausland, vor allem in Frankreich. In der Schweiz wiederum investieren gelegentlich auch asiatische Käufer in eine Prachtimmobilie, wie der auf diesem Markt tätige Vermittler Peter Fischer von Sightseeing Immobilien berichtet.

Stück für Stück vom Traum verabschiedet

Hierzulande kauft ab und an eine adlige Familie einen kleinen Herrensitz, um standesgemäß zu residieren. Öfter aber sind es Unternehmer, die ein Refugium auf dem Land wünschen und über das nötige Kapital verfügen, um diese sehr diskret gehandelten Immobilien zu erwerben und zu bewahren. „Ein größeres Objekt als reines Wohnschloss zu unterhalten sprengt dagegen in der Regel den finanziellen Rahmen der Käufer - auch der sehr vermögenden“, sagt Mackscheidt.

Diese Erfahrung hat zum Beispiel Peter Blumrath gemacht. Als der Unternehmer im September vor acht Jahren auf einer Zwangsversteigerung die Hand hob und den Zuschlag für Schloss Gartrop im Kreis Wesel erhielt, schien er zunächst ein Schnäppchen gemacht zu haben. Für 900000 Euro ging das barocke Anwesen samt Nebengebäuden und sieben Hektar großem Park an den einstigen Versicherungsmakler. Im gerichtlichen Sachwertgutachten waren 6,5 Millionen Euro für das Barockschloss veranschlagt.

Blumrath, der sein Versicherungsunternehmen zuvor an AWD-Chef Carsten Maschmeyer verkauft und damit finanziell ausgesorgt hatte, trat mit dem Plan an, auf dem Areal nicht nur ein gehobenes Restaurant zu eröffnen. Vor allem wollte er aus Schloss Gartrop eine exklusive Eigentumswohnungsanlage machen, die auch für ihn und seine Familie zum Zuhause werden sollte.

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