Home
http://www.faz.net/-gz7-73tjx
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Hauspreise Sparkassen: Immobilienmarkt bereits über Zenit

 ·  Seit längerem boomt der deutsche Immobilienmarkt, Warnungen vor einer Überhitzung verbreiteten sich. Eine aktuelle Umfrage signalisiert anderes.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (0)

Wer Merkmale einer Immobilienblase sucht, wird schnell fündig. In München brechen Wohnungspreise Jahr für Jahr Rekorde. In die Mieterstadt Berlin fallen wohlsituierte Aufkäufer aus Skandinavien oder Südeuropa ein und verängstigen Mieter. Der Markt boomt, weil vielen Menschen in der Schuldenkrise ein Haus sicherer erscheint als Aktien oder Anleihen. Doch nun winken erste Experten ab: Der Zenit sei erreicht, der Markt stabilisiere sich, bevor sich eine echte Blase bilde.

„Wir erwarten, dass der Höhepunkt beim Erwerb selbst genutzter
Immobilien überschritten ist“, sagt der Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes, Georg Fahrenschon, am Dienstag bei der Präsentation der jährlichen Umfrage „Vermögensbarometer“ und fügt hinzu: „Die Lage an den Immobilienmärkten ist nicht mehr so, dass jedes Engagement ein Gutes ist.“ Das hätten auch die Käufer erkannt.

Zwar sind Immobilien demnach weiterhin angesehen. 45 Prozent der befragten Menschen sehen Häuser und Wohnungen als idealen Beitrag zum Aufbau eigenen Vermögens. Dann erst folgen Lebensversicherungen (35 Prozent) und Bausparverträge (28 Prozent). Die Nachfrage könnte trotz dieses guten Images aber sinken.

Viele Käufer haben schon zugeschlagen

Viele potentielle Käufer sind schon in den Markt eingestiegen. 48 Prozent der Befragten sagen, sie würden bereits eine selbst genutzte
Immobilie zur Vermögenssicherung in Anspruch nehmen. Vor einem Jahr waren es erst 41 Prozent. Gleichzeitig sinkt die Zahl der
Interessenten: 30 Prozent der Menschen gaben an, einen Hauskauf zu planen. Ein Rückgang von sechs Prozentpunkten.

Diese Zurückhaltung würde Mahner wie den neuen Finanzchef der
Allianz, Maximilian Zimmerer, widerlegen. Der warnte am Montag: „Die Blase wäre nicht von Großanlegern getrieben, sondern eher von Privatanlegern, die Inflation und einen Kollaps des Euro fürchten und in Sachwerte flüchten.“ Niedrige Zinsen führten zu einer Fehlsteuerung von Investments. „Das haben die Immobilienblasen in den Vereinigten Staaten, Spanien oder Irland gezeigt.“

Unzulässiger Vergleich mit USA und Spanien

Der Vergleich sei nicht zulässig, hält der Chefvolkswirt des
Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, Patrick Steinpaß, entgegen. „In Irland und Spanien stieg das Kreditvolumen für Immobilienkäufe um bis zu 20 Prozent - Jahr für Jahr.“ In Deutschland gebe es Steigerungen von drei bis vier Prozent. Und für die Hauptstadt gelte das schon gar nicht: „Berlin bewegt sich erst allmählich in Richtung Normalität.“

Der Maklerverband IVD mag schon aus eigenem Interesse weder Blase noch Stagnation erkennen. Es gehe um einen „lebendigen Markt“ mit einer „linearen Preisentwicklung“ und Preis- und Mietsteigerungen von drei bis vier Prozent pro Jahr, sagt Jürgen Michael Schick vom Immobilienverband Deutschland. Auch die Landesbausparkassen sehen trotz aktuell noch hoher Nachfrage eine leicht nachlassende Begeisterung. Das Angebot werde knapper und teurer, so Ivonn Kappel von der Bundesgeschäftsstelle der Landesbausparkassen. Daher würden „die Interessenten ihre Kaufabsichten mittelfristig jetzt nicht mehr ganz so euphorisch sehen
wie 2011“.

  Weitersagen Kommentieren (19) Merken Drucken
Weitere Empfehlungen
Immobilien-Verkauf Licht und Luft für einen besseren Preis

Mit wenig Aufwand können Immobilien so präsentiert werden, dass die Phantasie der potentiellen Käufer angeregt wird. Home Staging - eine Idee von Maklern zum Tarnen und Täuschen oder eine sinnvolle neue Dienstleistung? Mehr

12.04.2014, 14:19 Uhr | Wirtschaft
Deka-Bank-Analyse Der Schweiz droht eine Immobilienblase

In der Schweiz, in Norwegen und in Kanada ist der Immobilienmarkt heiß gelaufen, haben Ökonomen der Deka-Bank ausgerechnet. Dabei dienten gerade diese Länder während der Hochphase der Finanzkrise als Fluchtorte. Mehr

12.04.2014, 16:07 Uhr | Finanzen
Weitere Nachrichten RWE verhandelt mit Ukraine über Gaslieferungen

Der DIHK sieht bessere Wachstumsaussichten für die Eurozone, Glencore verkauft eine Kupfermine in Peru für 5,85 Milliarden Dollar. Mehr

14.04.2014, 07:23 Uhr | Wirtschaft

23.10.2012, 17:02 Uhr

Weitersagen