http://www.faz.net/-gqe-73tjx
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 23.10.2012, 17:02 Uhr

Hauspreise Sparkassen: Immobilienmarkt bereits über Zenit

Seit längerem boomt der deutsche Immobilienmarkt, Warnungen vor einer Überhitzung verbreiteten sich. Eine aktuelle Umfrage signalisiert anderes.

© dpa Eigentumswohnungen am Volkspark Friedrichshain in Berlin

Wer Merkmale einer Immobilienblase sucht, wird schnell fündig. In München brechen Wohnungspreise Jahr für Jahr Rekorde. In die Mieterstadt Berlin fallen wohlsituierte Aufkäufer aus Skandinavien oder Südeuropa ein und verängstigen Mieter. Der Markt boomt, weil vielen Menschen in der Schuldenkrise ein Haus sicherer erscheint als Aktien oder Anleihen. Doch nun winken erste Experten ab: Der Zenit sei erreicht, der Markt stabilisiere sich, bevor sich eine echte Blase bilde.

Mehr zum Thema

„Wir erwarten, dass der Höhepunkt beim Erwerb selbst genutzter
Immobilien überschritten ist“, sagt der Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes, Georg Fahrenschon, am Dienstag bei der Präsentation der jährlichen Umfrage „Vermögensbarometer“ und fügt hinzu: „Die Lage an den Immobilienmärkten ist nicht mehr so, dass jedes Engagement ein Gutes ist.“ Das hätten auch die Käufer erkannt.

Infografik / Die finanzielle Lage der Deutschen © F.A.Z. Vergrößern

Zwar sind Immobilien demnach weiterhin angesehen. 45 Prozent der befragten Menschen sehen Häuser und Wohnungen als idealen Beitrag zum Aufbau eigenen Vermögens. Dann erst folgen Lebensversicherungen (35 Prozent) und Bausparverträge (28 Prozent). Die Nachfrage könnte trotz dieses guten Images aber sinken.

Viele Käufer haben schon zugeschlagen

Viele potentielle Käufer sind schon in den Markt eingestiegen. 48 Prozent der Befragten sagen, sie würden bereits eine selbst genutzte
Immobilie zur Vermögenssicherung in Anspruch nehmen. Vor einem Jahr waren es erst 41 Prozent. Gleichzeitig sinkt die Zahl der
Interessenten: 30 Prozent der Menschen gaben an, einen Hauskauf zu planen. Ein Rückgang von sechs Prozentpunkten.

Diese Zurückhaltung würde Mahner wie den neuen Finanzchef der
Allianz, Maximilian Zimmerer, widerlegen. Der warnte am Montag: „Die Blase wäre nicht von Großanlegern getrieben, sondern eher von Privatanlegern, die Inflation und einen Kollaps des Euro fürchten und in Sachwerte flüchten.“ Niedrige Zinsen führten zu einer Fehlsteuerung von Investments. „Das haben die Immobilienblasen in den Vereinigten Staaten, Spanien oder Irland gezeigt.“

Unzulässiger Vergleich mit USA und Spanien

Der Vergleich sei nicht zulässig, hält der Chefvolkswirt des
Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, Patrick Steinpaß, entgegen. „In Irland und Spanien stieg das Kreditvolumen für Immobilienkäufe um bis zu 20 Prozent - Jahr für Jahr.“ In Deutschland gebe es Steigerungen von drei bis vier Prozent. Und für die Hauptstadt gelte das schon gar nicht: „Berlin bewegt sich erst allmählich in Richtung Normalität.“

Der Maklerverband IVD mag schon aus eigenem Interesse weder Blase noch Stagnation erkennen. Es gehe um einen „lebendigen Markt“ mit einer „linearen Preisentwicklung“ und Preis- und Mietsteigerungen von drei bis vier Prozent pro Jahr, sagt Jürgen Michael Schick vom Immobilienverband Deutschland. Auch die Landesbausparkassen sehen trotz aktuell noch hoher Nachfrage eine leicht nachlassende Begeisterung. Das Angebot werde knapper und teurer, so Ivonn Kappel von der Bundesgeschäftsstelle der Landesbausparkassen. Daher würden „die Interessenten ihre Kaufabsichten mittelfristig jetzt nicht mehr ganz so euphorisch sehen
wie 2011“.

Quelle: FAZ.NET/dpa

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Neue EU-Richtlinie Ältere Kunden kommen schwerer an Baukredite

In Zeiten der Niedrigzinsen bietet es sich an, in die eigenen vier Wände zu investieren. Ein neues Gesetz macht aber vielen älteren Kunden und jungen Familien einen Strich durch die Rechnung. Mehr Von Tim Kanning und Daniel Mohr

21.07.2016, 15:41 Uhr | Finanzen
Ein Land auf Droge Kath lähmt Dschibuti

In Dschibuti kaut jeder zweite Mann die Blätter der Kath-Pflanze, bei den Frauen ist es rund jede sechste. Es ist ein Millionengeschäft. Laut der Weltbank gibt ein durchschnittlicher Käufer jeden Monat die Hälfte seines Gehalts für die Pflanze aus. An einem Verbot hat kaum jemand ernsthaft Interesse. 15 Prozent seiner Steuern nimmt der Staat durch den Kathverkauf ein. Mehr

07.07.2016, 02:00 Uhr | Gesellschaft
Second-Hand-Maschinen Ein Marktplatz für Kreissägen und Traktoren

Das junge Unternehmen Trade Machines hat eine Marktlücke entdeckt und vermarktet gebrauchte Gabelstapler, Traktoren und ähnliches Gerät. Der Gründer ist Ingenieur - und sehr internetaffin. Mehr Von Ulla Fölsing

12.07.2016, 05:48 Uhr | Beruf-Chance
Erfolglose Auktion Rekord-Diamant bleibt ohne Käufer

Der 1109 Karat schwere Rohdiamant Lesedi la Rona konnte bei einer Sotheby’s-Auktion am Mittwoch den Mindestpreis von 70 Millionen Dollar nicht erreichen. Erst im vergangenen November war der Riesendiamant in einer Mine in Botswana gefunden worden. Experten schätzen, dass er zweieinhalb bis drei Milliarden Jahre alt ist. Mehr

30.06.2016, 11:53 Uhr | Gesellschaft
BGH-Urteil Sparkassen gewinnen Streit ums Banken-Rot

Das Rot ist in Deutschland für die Sparkassen reserviert. Das hat der Bundesgerichtshof entschieden. Eine ausländische Bank muss sich nun eine neue Farbe aussuchen. Mehr

21.07.2016, 10:04 Uhr | Finanzen

Frankfurter Träume

Von Gerald Braunberger

Frankfurt braucht Realismus: London ist eine globale Finanzmetropole und wird es bleiben. Das hat nicht nur historische Gründe. Mehr 1

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden