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Veröffentlicht: 30.09.2014, 12:14 Uhr

Ferienimmobilien Traumhaus oder Mogelpackung?

Immobilien in der Türkei scheinen günstig, sind aber dennoch ihr Geld nicht immer wert. Und Vorsicht: Mancher Verkauf ist am Ende gar keiner.

von Sabine Hildebrandt-Woeckel
© LAIF Es kann so schön sein: Ferienwohnung in Kappadokien

Mehr als 300 Sonnentage im Jahr, sauberes Wasser, phantastische Buchten, Gastfreundlichkeit, niedrige Preise - und das alles nur drei Flugstunden von Deutschland entfernt. Es gibt viele gute Gründe, die für einen Immobilienkauf in der Türkei sprechen. Und immer mehr Deutsche lassen sich davon überzeugen. Allein 2013 wechselten mehr als 12 000 Immobilien an deutsche Besitzer. Die Provinz Antalya liegt dabei weiterhin vorn, aber andere Gebiete wie Istanbul, Sakarya, Mugla, Aydin ziehen nach. Neben Russen und Engländern gehören die Deutschen zu den größten ausländischen Käufergruppen - und das aus gutem Grund, findet Servet Pinarak: „Trotz steigender Preise gibt es immer noch gute Objekte.“ Doch Pinarak sagt auch: „Wer in der Türkei kaufen will, sollte sich auf jeden Fall vorher gut informieren.“

Pinarak ist Anwalt deutschen Rechts in Hannover. Seiner türkischen Wurzeln wegen, erläutert er, habe er aber regelmäßig auch mit Immobilienkäufen und Erbrechtsfragen in seinem Heimatland zu tun. Grundsätzlich, betont er, gäbe es in der Türkei durchaus Rechtssicherheit beim Immobilienkauf. Das Problem ist jedoch: Das türkische Recht ist in vielen Punkten vollkommen anders als das deutsche. Daraus resultierende Missverständnisse, „aber auch bewusst konstruierte Betrügereien machen die Sache kompliziert.“

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Von „diversen Fallstricken“ spricht Christian Rumpf. Auch Rumpf, Anwalt in Stuttgart und Autor des Ratgebers „Immobilienrecht in der Türkei“, sieht wie sein Kollege gute Gründe für den Kauf in der Türkei. Wie jener erlebt aber auch er immer wieder kleine und auch größere Katastrophen, die sich durch besonneneres Herangehen vielleicht hätten vermeiden lassen. Das fängt bei der Suche an, bei der immer wieder windige Makler und Bauträger ungute Rollen spielen, und hört beim Kaufvertrag noch nicht auf, bei dem der wohl größte Unterschied zum deutschen Recht liegt.

Kleine und größerer Katastrophen

Kaufverträge werden in der Türkei nicht beim Notar geschlossen (dieser ist dazu nicht einmal berechtigt), sondern ausschließlich direkt auf dem Grundbuchamt (tapu). Eine Prozedur, die an sich vollkommen klar und einfach ist: Käufer und Verkäufer, beschreibt Anwalt Pinarak den Vorgang, verabreden sich und unterzeichnen vor dem zuständigen Beamten den Vertrag. Dann übergibt der Käufer das Geld, meist tatsächlich in bar, und erhält als Besitzbeweis einen Grundbuchauszug (ebenfalls tapu genannt).

So weit die Theorie. In der Praxis jedoch kann es sowohl beim Termin selbst als auch im Vorfeld zu diversen Problemen kommen. Ganz heikel: Der Käufer hat schon im Vorfeld Zahlungen geleistet - beispielsweise aufgrund eines Vorvertrages - und sich den Termin im Grundbuchamt als Formalie verkaufen lassen. Der Verkäufer erscheint dann aber gar nicht oder der Kauf kommt aus anderen Gründen nicht zustande - beispielsweise, weil die Immobilie in einer militärischen Sicherheitszone oder auf forstwirtschaftlichem Gebiet liegt, oder aber, weil sich herausstellt, dass die Immobilie mit Steuerschulden oder Hypotheken belastet ist.

Selbst wenn der geprellte Käufer dann einen Rechtsanspruch auf Rückzahlung hätte (was keineswegs immer sicher ist, etwa weil statt eines Kaufvertrages ein Maklervertrag unterschrieben wurde): Faktisch kann das Geld dennoch weg sein. Einerseits, weil vom Schuldner gar nichts zu holen ist, andererseits, weil durch den Prozess abermals Kosten entstehen, denn auch wer gewinnt, muss in der Türkei zumeist seinen eigenen Anwalt zahlen. Pinarak: „Dann wird schlechtem Geld noch einmal gutes hinterhergeworfen.“

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