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Häusermarkt Australien Nervosität in Australien steigt

Jahrelang stiegen die Häuserpreise in Australien so regelmäßig, wie ein Uhrwerk tickt. Damit ist es vorbei. Nun hoffen alle auf kaufkräftige Asiaten.

© Peter Frischmuth / argus Vergrößern Sydney: beliebte Stadt mit derzeit zähem Immobiliengeschäft

 Die Makler von One Agency wissen, wie man Kunden fängt: Natürlich, so erklären sie, stünde das schöne Haus in Austinmer, eine Stunde vor Sydneys Stadtrand, für 640 000 Australische Dollar (503 461 Euro) zum Verkauf. „Aber wir haben viele Interessenten. Sogar aus Thailand fliegt ein potentieller Käufer ein.“ Diese Botschaft versteht jeder australische Hauskäufer - der Markt zumindest im oberen Segment hängt an der Nabelschnur ausländischer Käufer. Und die kommen bisher vor allem aus Asien, aus China, Japan und immer öfter aus Südostasien.

Im vergangenen Fiskaljahr (30. Juni) floss erstmals der größte Teil der Auslandsinvestitionen, die nach Australien gingen, in dessen Immobilienmarkt. Canberra genehmigte Investitionsprojekte im Gesamtwert von gut 170 Milliarden Australischen Dollar. Davon gingen 59,1 Milliarden Australische Dollar in den Immobilienmarkt, zwei Drittel der Summe ging in Gewerbeimmobilien. Besonders interessiert zeigten sich Asiaten und weltweit tätige Pensionsfonds. Die Nase vorn hat dabei weiterhin der Bundesstaat New South Wales mit der Metropole Sydney, vor Victoria (Melbourne) und Queensland (Brisbane). Damit interessierten sich ausländische Geldgeber zum ersten Mal mehr für den Häusermarkt in Australien als für dessen Rohstoffsektor, in den sie „nur“ 51,7 Milliarden Dollar pumpten.

Asiatische Käufer werden hofiert

So hängt die Hoffnung der Makler nun besonders an den Investoren aus Asien. Gegenüber dem schwachen Euro notiert der Australische Dollar auf Rekordstand, er pendelt um den Wert eines amerikanischen Dollars. Das macht „down-under“ für alle Investoren (und Touristen) aus dem Westen so teuer wie nie zuvor. Die Währungen der Asiaten, der Singapur Dollar etwa oder auch der chinesische Yuan, haben selbst einen steigenden Außenwert; mit ihnen lässt sich in Australien noch einkaufen. Und verspricht der Fünfte Kontinent nicht Sicherheit, Lebensfreude und dank seiner Bodenschätze dauerhaften Wohlstand?

Die Asiaten werden hofiert, denn der Häusermarkt Australiens, der Preissteigerungen jahrelang als ehernes Gesetz begriff, hat sich festgefahren. Während die Welt neidisch auf die wirtschaftliche Entwicklung des Eisenerzlandes blickt mit immer noch 3 Prozent Wachstum und einer hitzigen Debatte darüber, ob sich die Nation den Ausrutscher eines Haushaltsdefizites werde erlauben können, fühlen sich die Australier in einer Krise. Die Haushaltsfragen, die nahenden Wahlen, schwache politische Alternativen und der hohe Dollar, der das Geschäft mit Touristen verhagelt, sind ihre Gründe. So beginnen auch sie, ihren Dollar zweimal umzudrehen. Und die frühere Regel zu hinterfragen, nach der ein Australier 14mal im Leben umzieht und sich dabei von der Vorstadtwohnung zur Villa mit Meerblick hochhangelt.

Im vergangenen Jahr fielen die Hauspreise in Australien aber um 0,4 Prozent gegenüber 2011, hat RP Data-Rismark ermittelt. Im Jahr zuvor hatte der Rückgang noch bei 3,8 Prozent gelegen. Die Folgen sind in der gesamten Branche zu spüren, die wohl auch zu naiv die hervorragende Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte fortschrieb. Gerade erst brach das Bauunternehmen Procorp Group of Companies zusammen, zu dem auch der Hausentwickler Holmwood gehörte. Er hatte noch 150 Privathäuser in den Büchern stehen. „Der immer engere Markt zwingt viele Baufirmen, Angebote unterhalb der Kosten abzugeben. Das wirkt sich dann bis in die Subunternehmen aus“, sagt Kim Hawtrey vom Analyseunternehmen BIS.

Branchenriesen lassen sich nicht beirren

In diesem Jahr hoffen nun alle auf einen Anstieg der Preise, der in etwa der Inflationsrate von 2 bis 3 Prozent entsprechen könnte. Der Grund liegt in der Spekulation auf weitere Zinssenkungen auf ein historisches Tief unterhalb der Marke von 3 Prozent. Die Profis aber warnen vor zu hohen Erwartungen: „Es ist ganz klar, dass die früheren Wertsteigerungen, an die sich Immobilienkäufer gewöhnt hatten, nun ein für alle Mal hinter uns liegen“, orakelt Cameron Kusher, Leiter der Marktforscher bei RP Data. „Der Markt sucht noch seinen Boden. Er hält sich, stolpert aber nur so vor sich hin“, sagt sein Kollege Andrew Wilson von der Immobiliengruppe APM.

Allerdings gibt es auch in einem schwachen Markt Ausreißer: Taren Point, eine Halbinsel, die den Blick über das Wasser auf die Skyline von Sydney ermöglicht, verbucht heftige Preissprünge von mehr als 20 Prozent jährlich. Und in Städten, die vom Geschäft mit den Bodenschätzen bestimmt werden, reißt die Spekulation nicht ab: Während die Preise im ehrwürdigen Melbourne um 2,9 Prozent nachgaben, legten sie im nordaustralischen Darwin mit seinen Gasvorkommen um 8,9 Prozent zu.

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Auch lassen sich die Riesen der Branche nicht beirren: In diesen Tagen werden die ersten Appartements des Entwicklungsprojektes Barangaroo vorgestellt, des alten Innenstadthafens von Sydney. Ihn entwickelt der Baukonzern Lend Lease für 5,8 Milliarden Australische Dollar. Die Wohnungen - alle mit Blick auf das strahlend blaue Wasser und nur Schritte vom Banken- und Geschäftsviertel entfernt - werden für 20 000 Dollar je Quadratmeter und damit für Preise von 1,2 Millionen Dollar und mehr angeboten. Lend Lease ist zuversichtlich, auch dank der Asiaten; die neu gebauten Appartements in Pacific Bondi konnte das Unternehmen gerade für Preise zwischen 26 000 und 40 000 Australische Dollar je Quadratmeter verkaufen.

Lend Lease sitzt auch im Fahrersitz des zweiten Entwicklungsprojektes, nur einen Steinwurf von Barangaroo entfernt, an derselben Bucht gelegen. In Darling Harbour baut ein Konsortium für rund 2,5 Milliarden Dollar das größte australische Ausstellungszentrum mit 40 000 Quadratmetern, ein Theater mit 8000 Plätzen und ein Veranstaltungszentrum für 12 250 Menschen. Auf einem angrenzenden Bezirk wird der Konzern für weitere 1,5 Milliarden Dollar ein Hotel mit 900 Betten und 1400 Appartements bauen. Sie sollen 2016 zum Verkauf stehen.

Quelle: F.A.Z.

 
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