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Häuser auf dem Land : Problemfall Eigenheim

Früher begehrt, heute verlassen: Abseits der Ballungsgebiete gehen viele Wohnsiedlungen die Bewohner aus. Bild: J.H. Darchinger/darchinger.com

Das Einfamilienhaus ist Traumziel der Deutschen. Doch viele alte Siedlungen werden für Eigentümer und Kommunen zur Last.

          Marion Dirks ist Bürgermeisterin eines Städtchens, wie es in Deutschland Tausende gibt: Knapp 12.000 Einwohner, ein hübscher alter Kern in der Mitte, mit Einfamilienhausgebieten aus der Nachkriegszeit drumherum. Ländlich im westlichen Münsterland gelegen, kommt vom Glanz der wachsenden Universitätsstadt Münster in Billerbeck, das sich selbst stolz die „Perle der Baumberge“ nennt, nicht mehr viel an.

          Judith Lembke

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Vor ein paar Jahren merkte Dirks, dass Billerbeck nicht nur sein schmuckes Zentrum, sondern auch ein ungelöstes Problem mit Tausenden anderen deutschen Kleinstädten teilt: „In Gesprächen mit Einfamilienhausbesitzern habe ich festgestellt, dass viele von ihnen den Wert ihres Hauses total überschätzen. Es gab kein Bewusstsein dafür, dass viele Gebäude gar nicht mehr den heutigen Ansprüchen genügen und zudem nicht altersgerecht sind“, sagt Dirks.

          Wenn von schrumpfenden Regionen die Rede ist, geht es meistens um die Ortskerne: Verwaiste Zentren, in denen es schon seit Jahren keinen Bäcker oder Metzger mehr gibt und wo in den halbverfallenen Häusern an der Durchgangsstraße schon lange keiner mehr wohnt. Doch seit einiger Zeit blicken immer mehr Kommunen und Planer mit Sorge auf Viertel, die lange Zeit als Selbstläufer galten: Einfamilienhausgebiete der fünfziger bis siebziger Jahre. Viele von ihnen sind gemeinsam mit ihren Erbauern alt geworden, ihnen steht ein Generationswechsel noch bevor. Wenn die Siedlungen in der Nähe eines Ballungszentrums liegen, ist das kein Problem. In München oder Frankfurt wird auch das verbauteste Häuschen noch zu einem guten Preis verkauft. Doch in Regionen wie der Vulkaneifel, dem Hochsauerland oder der Fränkischen Schweiz werden viele Häuser leer bleiben, sobald der Erstbesitzer ausgezogen ist – oder zu Schleuderpreisen verramscht.

          „Für viele Altobjekte wird es in Zukunft keine Nachfrage mehr geben“, sagt Christian Krajewski. Der Geograph aus Münster leitet den Arbeitskreis „Einfamilienhausgebiete im Umbruch“ in Nordrhein-Westfalen. Und Jürgen Aring, Vorstand des VHW Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung, sagt: „Es gibt einen regelrechten Preisverfall für diese Objekte in bestimmten Regionen. Allerdings wird nicht gerne darüber gesprochen, weil man das Niedergangsphänomen lieber nicht benennen will.“ Um die Dimension dessen zu verstehen, was auf viele Hausbesitzer und Kommunen zukommt, hilft ein Blick auf die Zahlen: 15 Millionen Ein- und Zweifamilienhäuser gibt es in Westdeutschland, jede zweite Wohnung befindet sich in diesem Haustyp, der in ländlichen Gebieten mehr als 80 Prozent der Wohngebäude ausmacht.

          Die Immobilie wird zur Lebensfalle

          Viele dieser Häuser stehen in reinen Wohnsiedlungen, die erbaut wurden, als das Land sein Wirtschaftswunder erlebte und auch jenseits der Metropolen gute Industriejobs entstanden. Kaum etwas symbolisierte den wachsenden Wohlstand so sehr wie das Einfamilienhaus: Auf individueller Ebene zeigte es, dass die Eigentümer im Leben etwas erreicht hatten, es galt als Ausweis einer soliden bürgerlichen Existenz, politisch gefördert durch Eigenheimzulage und Pendlerpauschale. Doch die Einfamilienhausgebiete, die seit der Nachkriegszeit in die Landschaft wuchsen, veränderten auch das Bild des Landes: Wie Jahresringe eines Baumstamms legten sie sich um die Kerne der westdeutschen Städte und Gemeinden. Einmal erschlossen und angelegt, scherte sich die Stadtplanung nicht weiter um diese Viertel – man ging schlicht davon aus, dass sich die Hausbesitzer schon um ihr Eigentum kümmern würden.

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