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Gewerbepark-Architektur Das Center als Dorf

 ·  Lokalkolorit ist Trumpf, wenn es um die Architektur der Outlet-Center geht. Die Kulissenstädte auf der grünen Wiese können den Anbietern nicht putzig genug sein.

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© McArthurGlen Designernoutlets Nicht ohne Turm: Weil die Kirche ins Dorf gehört, gibt es auch im Outlet Center ein erhabenes Gebäude

Überall in Deutschland herrscht nur noch - Landlust. Heimelig muss es sein. Das gilt jetzt selbst für Gewerbeparks. Dort, wo Designermode verkauft wird, sind moderne, nüchterne Fassaden für die Geschäfte passé. Die Kleinstadt mit Fachwerk und gepflasterten Gassen ist als Shopping-Kulisse in. Sie kann kaum klein genug wirken mit ihren Türmchen und der Bürgermeisterei.

Gleich drei neue Designer Outlet Center (DOC) eröffnen allein in den nächsten Wochen im Norden und im Westen Deutschlands (F.A.S. vom 13.Mai). Sie alle setzen auf diesen speziellen, neuen Heimat-Stil: einmal nördlich von Hamburg (mit viel Backstein), einmal südlich der Hansestadt (mit Fachwerk-Bauernhöfen) und einmal im Münsterland (als Erweiterung des Einkaufsparks Ochtrup, jetzt mit barock-animierten schwungvollen Giebeln).

Dörflich, lokal und doch mondän

Was darf dabei nie fehlen? Erst einmal die Markenbekleidung, sie ist laut Eigenwerbung der Parks etwa um die Hälfte günstiger als im Handel. Das zieht die Massen an. Sechzig, siebzig oder auch hundert Boutiquen gibt es je Center, das gestaltet sein will wie ein Dorf. Die Anbieter sprechen vom „Village-Stil“, von kleinteiliger Struktur, von Plätzen und lokaler Architektur. „Das perfektionieren wir immer weiter“, erläutert Henning Balzer vom Branchenriesen McArthur Glen. Das britische Unternehmen betreibt in Europa 21 Outlet Center; und Balzer ist für die deutschen Standorte zuständig.

Im schleswig-holsteinischen Neumünster steht die jüngste Kulissenstadt des Unternehmens, eine dreiviertel Autostunde nördlich von Hamburg. 3000 Parkplätze gibt es. Im Marketingjargon könnte man sagen: Alles läuft strikt nach XXL-Muster, aber das Alleinstellungsmerkmal ist lieblicher. Dörflich, lokal und doch mondän soll der Ort sein. Nach dem Baukastenprinzip wechseln sich verschieden dekorierte Fassadenteile in den Ladenzeilen, die unter freiem Himmel liegen, ab. Das Grundgerüst ist aus Stahl und Beton, die Häuserfronten sind angeschraubt. Fertig.

Neumünster-Village ist gewissermaßen eine Paradesiedlung, ihrer drei Fassadentypen wegen, wie Stratege Balzer hervorhebt: Fachwerk und Putz, Putz und Klinker und Klinker pur. Einige Häuser machen auf Holsteiner Dorf, andere auf Hansestadt. Die Treppengiebel hat man sich wohl in Lübeck abgeguckt. Am größten Platz steht eine Art Rathaus mit doppeltem Giebel und einem Uhrenturm, so ein markanter Bau ist für ein Center dieser Art ein Muss: Dort sind Cafés und Restaurants.

Eine Gasse weiter hat ein Eckhaus einen ähnlichen Turm, der grün schimmert und ein Kupferdach vortäuscht. Die Assoziation ist klar: Eine Kirche, natürlich, sie darf nicht fehlen im Ensemble. Doch Hennig Balzer wiegelt ab: „Einen Kirchturm gibt es im Center nicht, das würden viele Menschen wohl nicht gutheißen.“ Gläubige könnten meinen, das passe nicht zum Kommerz. Wer die Turm-Attrappe sieht, weiß sich allerdings seinen Reim darauf zu machen. Die Kirche gehört schließlich ins Dorf.

Mehr Schnörkel statt „Allweltsstil“

Wie viele andere Obergeschosse ist dieser kirchenartige Aufbau allerdings nichts weiter als leere Hülle. Was über den Läden im Erdgeschoss liegt, dient fast durchweg ausschließlich der Dekoration. Nur am zentralen Platz sind die Dachetagen genutzt: als Büros und Lagerflächen der Geschäfte.

Ein Planungsbüro aus Potsdam hat das Dorf entworfen, McArthur Glen investierte 120 Millionen am Standort Neumünster. Die gleichen Architekten haben schon vor kurzem ein seit Jahren bestehendes Outlet-Center vor den Toren Berlins erweitert und nach neuen Richtlinien umbauen lassen. Die Fassaden zeigen dort märkische Häuser und Giebel. Zuvor war es im „internationalen Stil“ gehalten, wie man in Betreiberkreisen sagt. Andere nennen es „Allerweltsstil“, wenn Shopping-Center so aussehen. Aber diese Mode ist vorbei, stattdessen werden mehr Schnörkel gewagt.

Was im nördlichen Teils Deutschlands gilt, daran hält man sich auch im Süden. Die Outlets im saarländischen Zweibrücken, in Wertheim südöstlich von Frankfurt oder in Ingolstadt sind allesamt Dörfer mit Heimatkulisse. Nur ein Center dieser Spezies in Deutschland macht eine Ausnahme. Das liegt in Wolfsburg, und es macht inmitten der Industriestadt beharrlich auf cool. Es ist eher auf Flughafenarchitektur getrimmt.

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17.05.2013 17:45 Uhr
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