http://www.faz.net/-gqe-74v5h

Gestiegene Wohnkosten : Mieterbund: „Wir steuern auf echte Wohnungsnot zu“

  • Aktualisiert am

Nichts zu finden: Deutschland steuert auf eine Wohnungsnot zu, sagt der Präsident des Mieterbunds. Bild: obs

Mit drastischen Worten hat der Präsident des Deutschen Mieterbunds am Donnerstag Bilanz hinsichtlich des Mangels an bezahlbarem Wohnraum gezogen. Es fehlten aktuell rund 250.000 Mietwohnungen, sagte er.

          In Deutschland fehlen nach Einschätzung des Deutschen Mieterbunds rund 250.000 Mietwohnungen. „Wir steuern geradewegs auf eine echte Wohnungsnot zu“, sagte Verbandspräsident Franz-Georg Rips am Donnerstag in Berlin laut einer Mitteilung. Die Folgen sind demnach Wohnkosten auf Rekordniveau, der Verlust preiswerten Wohnraums in den Zentren, was Normalverdiener wie sozial Schwache gleichermaßen treffe. Mietpreissprünge von bis zu 10 Prozent innerhalb eines Jahres seien keine Seltenheit.

          Viele Haushalte müssten rund ein Drittel ihrer Konsumausgaben für Wohnung und Betriebskosten ausgeben, einkommensschwächere über 45 Prozent. Rips forderte, den Wohnungsneubau anzukurbeln und Mieterrechte zu stärken.

          Senkung der Kappungsgrenze bei Mieterhöhungen gefordert

          Das Mietrechtsänderungsgesetz, das in der kommenden Woche abermals im Bundestag beraten wird, beschneide Mieterrechte und begünstige zusätzliche Mietsteigerungen, sagte Rips. Die darin enthaltenen Nachteile für Mieter reichten von der zeitlich begrenzten Abschaffung des Mietminderungsrechts bis hin zur Aufweichung des Kündigungsschutzes. „Die geplanten Änderungen dürfen nicht Gesetz werden“, sagte Rips. Stattdessen fordert der Mieterbund unter anderem eine Obergrenze auch für Neuvertragsmieten und eine Senkung der Kappungsgrenze bei Mieterhöhungen.

          Als ungerecht bezeichnete Rips die gesetzliche Mieterhöhungsregelung bei Wohnungsmodernisierungen. Eine energetische Sanierung könne zu drastischen Mieterhöhungen führen, die nicht über niedrigere Heizkosten auszugleichen seien. „Im Ergebnis zahlt allein der Mieter die Kosten.“ Maßstab für die Höhe der zu zahlenden Mieterhöhung müsse stattdessen der Umfang der Energieeinsparung sein.

          Um den Wohnungsbau zu beleben, schlägt der Mieterbund unter anderem vor, steuerliche Verbesserungen und Anreize zu schaffen, die öffentliche Förderung für energetische Sanierung auszubauen und die soziale Wohnraumförderung auszubauen. Zudem müsse der Verkauf öffentlicher Wohnungsbestände verhindert werden.

          Quelle: DPA/DAPD

          Weitere Themen

          Mit Hang zum Wasser Video-Seite öffnen

          Neue Häuser : Mit Hang zum Wasser

          Ein Paar will Arbeiten und Wohnen unter einem Dach verbinden. Das Grundstück zu finden ist nicht schwierig. Es zu bebauen schon.

          Topmeldungen

          Merkel vor vierter Amtszeit : Die ewige Kanzlerin

          An diesem Sonntag wird Angela Merkel aller Voraussicht nach für ihre vierte Legislaturperiode gewählt. Und spätestens am Montag beginnt die Nachfolgedebatte und die CDU hat ein Problem.
          Stürmische Zeiten: Theresa May muss in Florenz versuchen, ihre Partei und die EU zufrieden zu stellen.

          Brexit-Rede : Theresa Mays italienischer Spagat

          Die britische Premierministerin Theresa May will in einer Rede in Florenz ihre Brexit-Politik erklären. Darin muss sie sowohl die EU als auch ihre Basis zufriedenstellen, um die Partei zu beruhigen.
          Im Eiltempo durch zwei Monate Elternzeit und dann schnell wieder ins Büro: So planen derzeit die meisten Väter.

          Planung der Elternzeit : Weg mit den Zwei-Monats-Vätern!

          Zwei Monate, das ist ein verlängerter Urlaub. Warum nehmen so wenige Väter länger Elternzeit? Wir brauchen eine Reform des Elterngeldgesetzes – auch wenn es teuer wird.

          Bundestagswahl : Russland rechnet mit Merkel

          In Moskau wird über die Bundestagswahl in viel milderem Ton gesprochen, als über die Präsidentenwahlen in Amerika und Frankreich. Man will Berlin schließlich wieder als Partner gewinnen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.