http://www.faz.net/-gz7-93ohq

Insektensterben : Eine Bühne für das große Summen

  • -Aktualisiert am

Niemand muss in seinem Garten auf Ästhetik verzichten, um zahlreichen Insekten einen Lebensraum zu bieten. Bild: ddp Images

Das Insektensterben schockiert Experten und Naturfreunde. Gärtner können etwas tun, damit es wieder brummt und krabbelt.

          Nein, als privater Gartenbesitzer kann man nicht die komplette Umwelt retten, die von einem Vogel- und Insekten-Sterben gigantischen Ausmaßes bedroht ist. Einen persönlichen Beitrag aber kann man schon leisten. Denn der Garten lässt sich so gestalten, dass er ein Refugium bietet für die vielen, für die Welt so wichtigen Insekten. Jeder Quadratmeter Garten mehr, jeder Blumenkasten vor dem Fenster, jeder Kübel auf Balkon oder Terrasse, der mit insektenfreundlichen Pflanzen bereichert wird, rettet sie, die Schmetterlinge, Bienen, Hummeln, Schwebfliegen sowie alle weiteren nützlichen Insekten.

          Die Meldungen über ihren starken Rückgang (75 Prozent sogar in Naturschutzgebieten seit 27 Jahren), die in den vergangenen Wochen selbst die Titelseiten von überregionalen Zeitungen und Nachrichtenportalen beherrschten, sind kein überzogenes Schreckens-Szenario, sondern – leider – wissenschaftlich fundierte Realität. Dass das große Krabbeln, Summen und Brummen seit Jahren viel kleiner wird, ist für Fachleute und Umweltverbände längst nichts Neues – jetzt ist die Botschaft auch in weiten Teilen der Öffentlichkeit angekommen.

          Hummel, Schmetterling und Co. sind Teil des wichtigen ökologischen Kreislaufs: Diese winzigen Insekten, die man oft gar nicht sieht, sind „lebensnotwendig für das Funktionieren fast aller Ökosysteme“, so der Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Er listet in zehn Punkten auf, wie essentiell Insekten für uns sind. Vor allem zählen sie zu den wichtigsten Pflanzenbestäubern, sind damit unentbehrlich für einen großen Teil unserer Ernährung, abgesehen vielleicht von Fertigpizza: ohne Bienen und Hummeln kein Gemüse, kein frisches Obst. Und – ein tödlicher Kreislauf – ohne die Vielfalt der Insekten haben unsere Vögel nicht mehr genug Nahrung. In zwölf Jahren gab es fast 13 Millionen weniger Vogel-Brutpaare, der „stumme Frühling“ droht – eine Horror-Vision.

          Die neue digitale Zeitung F.A.Z. PLUS
          Die neue digitale Zeitung F.A.Z. PLUS

          Die ganze F.A.Z. jetzt auch im Web, mit zusätzlichen Bildern, Videos, Grafiken. Hier geht’s zum Test.

          Mehr erfahren

          Was kann man also konkret tun? Kerstin Hakenbeck, Gartenbesitzerin in Emmerich am Niederrhein, liebt Natur, Pflanzen und Tiere. Sie ist Gartenbau-Technikerin, aber trotzdem oder gerade deswegen auch privat noch süchtig nach Blumen. Im ein Hektar großen Garten sind 3500 Quadratmeter durchdacht gestaltet, der Rest ist Wiese. „Zu viel Wiese“, fand die Gärtnerin schon vor fünf Jahren, griff zur Schaufel und pflanzte. Mitten in der Wiese legte die Naturfreundin einen – übrigens für den Menschen bildschön anzuschauenden – Landeplatz für Insekten, Bienen und Schmetterlinge aller Art an. Im 20 Meter langen und sechs Meter breiten Beet bieten spezielle Stauden den Tieren ein besonders köstliches Buffet: lila wogen die Kerzen des Lanzen-Eisenkrauts (Verbena hastata), gerahmt von feinstrahligen weißgelben Blüten der Sternwolkenaster (Boltonia), dahinter die dicken schirmförmigen Doldenblüten des Roten Wasserdosts (Eupatorium atropurpureum). In der Mitte leuchten rote Blüten des Kerzen-Knöterich (Persicaria amplexicaule), dahinter die herbstlich leicht rosé überhauchten, schaumigen Blüten des Bergknöterich ’Johanniswolke‘ (Aconogonon speciosum), überragt von den zwei Meter hohen Schirmblüten des Weißen Wasserdosts (Eupatorium fistulosum). „Wasserdost ist wirklich toll für alle Insekten“, hat Hakenbeck beobachtet, „diese großen Blütenschirme voller Pollen, da haben sie richtig was zu futtern!“ Aber der Bestseller, stellte sie fest, ist eher unscheinbar, das Echte Herzgespann (Leonurus cardiaca). Eine uralte Heilpflanze mit flaumigen mauvefarbenen Blütenkerzen, auf die alles, was sechs Beine hat, bevorzugt Bienen, im wahrsten Sinne des Wortes fliegt, „ein Lippenblütler, den lieben Insekten“.

          Weitere Themen

          Ein 60er-Jahre-Bungalow in modern Video-Seite öffnen

          Architektur : Ein 60er-Jahre-Bungalow in modern

          Bei Rejkjavik hat Anna Gunnarsdóttir ihren Bungalow ganz individuell umgestaltet. Die Betonoptik an der Außenfassade blieb erhalten. Der Garten bietet eine schöne Überraschung.

          Topmeldungen

          Die französische Philosophin Elisabeth Badinter und die deutsche Publizistin Alice Schwarzer diskutieren in der Pariser Wohung Badinters.

          Islam und Antisemitismus : „In Cafés sitzen keine Frauen mehr“

          Kommt es durch die Einwanderung von Muslimen zum Erstarken des Antisemitismus? Und was bedeutet diese Diskussion für Feministinnen? Ein Gespräch zwischen der französischen Philosophin Elisabeth Badinter und der deutschen Journalistin Alice Schwarzer.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.