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Veröffentlicht: 10.06.2017, 13:42 Uhr

Pfingstrosen Oh, du Flüchtige!

Die Pfingstrose war schon immer ein Star. Das liegt nicht nur daran, dass sie den großen Auftritt beherrscht.

von Christa Hasselhorst
© Getty Die Königin ohne Dornen blüht betörend schön, aber flüchtig.

In den Höllberg-Gärten ist in diesen Wochen wieder die Hölle los. Mit Bussen – diesmal haben sich 16 angemeldet – kommen die Fans angereist, um der Königin ihre Aufwartung zu machen. Der Königin ohne Dornen, der Pfingstrose (Paeonia). Deren Blütezeit ist ein überwältigender, aber flüchtigsinnlicher Rausch. Und die Höllberg-Gärten von Johanna und Werner Müller im winzigen Weiler Kammlach im Unterallgäu, auf 640 Meter Höhe gelegen, sind nun mal eines der schönsten, wenn nicht gar das schönste private Pfingstrosen-Paradies in Deutschland.

Werner Müllers Päonien-Sammlung hat längst überregionalen Ruhm erlangt. An der mit Spalierobst geschmückten Hausfassade vorbei geht es durch den bäuerlichen Vorgarten sowie den in Weiß, Silbergrau und Grün gehaltenen Schattengarten – beides von Johanna Müller angelegt. Nach der femininen Ouvertüre kommt die eigentliche Attraktion, Ziel der zahlreichen Pfingstrosen-Pilger, die jedoch alles andere als maskulin wirkt. In geschickter Dramaturgie öffnet sich nach schmalem Durchgang als Entree eine grüne Rasenfläche. Dahinter breitet sie sich vor dem Besucher aus, die blühende Schatzkammer des Hausherrn (zwei Gärten, fein getrennt nach ihr und ihm). In einem großen Rechteck wogt, leuchtet und schimmert es. Ein Spektakel in satten kraftvollen wie sanften Pastellfarben. Die Palette reicht von reinem Weiß über Rosa, Violett und Rot in allen Nuancen bis Apricot und cremefarbenem oder frischem Gelb. Tellergroße Blütenkelche recken sich hier empor, dort mächtige puschelige Pompons, manche leuchten im Herz mit dichten gelben Staubgefäßen. Gefüllte, halbgefüllte oder ungefüllte Päonien wippen und neigen sich beim leichtesten Windhauch, über allem schwebt eine sanfte süßliche Duftwolke. Das prachtvolle Patchwork hat als Passepartout einen knorrigen, wettergegerbten Staketenzaun, der unterstreicht den ländlichen Charakter.

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„Ein Perserteppich“, kommentiert Johanna Müller treffend das dreidimensionale Bild blühender Pretiosen, das ihr Mann virtuos gestaltet hat. Dabei ist eigentlich sie die Verursacherin. Denn vor mehr als 30 Jahren war nur Frau Müller vom Gartenvirus befallen. Damals wuchsen rund ein Dutzend klassischer Edelpfingstrosen, Paeonia lactiflora, in ihrem vorderen Bauerngarten. Als ihr die Pfingstrosen zu viel Platz einnahmen, entfernte sie die aus ihrem Reich. „Was, die willst du wegwerfen?“, empörte sich ihr Mann. Er stapfte zur hinteren Schafweide, zäunte ein Eckchen ab und pflanzte die Verbannten dort ein. Das war der Beginn seiner heute legendären Sammlung und seiner heftigen Passion für Päonien. Zumal der Lehmboden auf dem Höllberg sich bestens eignet.

Blühorgie von Ende April bis Mitte Juni

Alsbald zockelte der Zahnarzt am Wochenende über die Dörfer. Lugte auf der Suche nach alten Schönheiten über Gartenzäune, erbettelte und überredete Bäuerinnen zum Tausch. Zwei weitere Gründe nennt Müller für seine Pfingstrosen-Liebe: „Ich wollte ein fauler Gärtner sein. Diese Pflanzen gedeihen ewig am gleichen Standort, müssen nicht versetzt werden.“ Obendrein – er lächelt fein unter seinem Strohhut – „gefallen sie Frauen gut!“

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