http://www.faz.net/-gz7-93g1h

Das Konzept der Gartenschau : Mehr als nur Blümchen für einen Sommer

  • -Aktualisiert am

Eher Infrastrukturmaßnahme als Schau: Mit Weitsicht betrachtet, kann eine Gartenschau viel Gutes zur Stadtentwicklung beitragen. Bild: ZB

Gartenschauen kämpfen gegen Besucherschwund und Rentnerimage. Lohnt sich der Aufwand? Aber ja! Jedenfalls, wenn Städte die neugestalteten Flächen langfristig nutzen.

          Schwungvoll steigt die Seilbahn nach oben, schwebt über das Flüsschen Wuhle auf den Kienberg zu. Der Blick öffnet sich weit auf Marzahn-Hellersdorf, auf Plattenbauten und adrette Einfamilienhäuser am Park. Nach einem Stopp auf dem Berg senkt sich die Bahn sanft talwärts, über ein Wiesenmeer hinweg in Richtung Gärten der Welt. Diese Fahrt konnten Besucher den Sommer über genießen, aber auch in den kommenden Jahren wird das möglich sein. Die Bahn, für die Internationale Gartenschau (Iga) in Berlin gebaut, soll erhalten bleiben – zumindest für drei Jahre. Rentiert sie sich, dann auch langfristig.

          Viel hatte man sich versprochen von der Iga im Osten der Hauptstadt, vor allem einen regen Zulauf an Besuchern. Ob es am Wetter lag, an zu vielen anderen Events, die gleichzeitig stattfanden – die Verantwortlichen betreiben derzeit noch Ursachenforschung –, die Erwartungen haben sich nicht erfüllt. Anstatt der erhofften zwei Millionen Besucher wurden nur 1,6 Millionen gezählt, damit fehlen Eintrittsgelder, und die Stadt bleibt auf einem satten Defizit von mehr als zehnMillionen Euro sitzen. Schlimmer war es bisher nur in Hamburg 2013, als die Internationale Gartenschau ein Minus von 37 Millionen brachte, und in der Havelregion 2015, wo am Schluss zwölf Millionen fehlten.

          Iga 1983: Chinesischer Garten in München.
          Iga 1983: Chinesischer Garten in München. : Bild: SZ Photo

          Nimmt das Interesse an bundesweiten Gartenschauen ab? Besucherzahlen lassen diesen Schluss zu, seit Jahrzehnten verzeichnen die Veranstalter einen Rückgang. Beinahe ungläubig schaut man heute auf die Zahlen in der Geschichte: Acht Millionen Besucher sollen es 1975 in Mannheim gewesen sein, sogar elf Millionen 1983 in München. Hoffnungsvoll war 1951 die erste Bundesgartenschau (Buga) in Hannover gestartet. Es gab viel zu tun nach dem Krieg, Städte mussten wieder aufgebaut, Grünflächen restauriert oder neu geschaffen werden. Die Schau diente als gutes Mittel zum Zweck. Zur nächsten, einer internationalen 1953 in Hamburg, kamen schon fünf Millionen Besucher. In Kassel, 1955, wurde das Event zur Initialzündung für die Documenta, die eigentlich als Begleitprogramm gedacht war. Bis in die achtziger Jahre hinein waren die Gartenschauen Selbstläufer. Dann nahm das Interesse, gemessen an den Besucherzahlen, allmählich ab. Gut möglich, dass es an der Konkurrenz lag: In dieser Zeit kamen Landesgartenschauen zu den alle zwei Jahre stattfindenden Bundesgartenschauen hinzu, was möglicherweise auch Publikum abzog.

          Bleibt in Berlin: Der Aussichtsturm „Wolkenhain“.
          Bleibt in Berlin: Der Aussichtsturm „Wolkenhain“. : Bild: dpa

          Die Buga in Koblenz 2011 zählt mit 3,56 Millionen Besuchern zu den erfolgreichsten Schauen der vergangenen Jahre. Zur dezentralen Veranstaltung an der Havel kamen gerade mal eine Million Besucher. Angesichts solcher Zahlen ist Kritik schnell zur Hand: Zu viel koste die Schau, die zudem eine reine Werbeveranstaltung für die grüne Branche sei, zu groß falle das Defizit für die Städte aus. Lohnt der Aufwand überhaupt?

          Weitere Themen

          Das Guggenheim-Museum in Bilbao Video-Seite öffnen

          Kulturmarke 2017 : Das Guggenheim-Museum in Bilbao

          Das Guggenheim-Museum Bilbao ist als „Europäische Kulturmarke des Jahres 2017“ ausgezeichnet. Mit seiner Architektur prägt es das Stadtbild und die Stadtkultur. Jährlich zieht es mehr als eine Millionen Besucher an.

          Mahlstrom der Bilder

          Paris Photo : Mahlstrom der Bilder

          Koma-Schauen auf der Messe „Paris Photo“: dichte Hängungen in zahlreichen Kojen fordern die Konzentrationsfähigkeit heraus, die Besucher kommen dennoch in Scharen.

          Topmeldungen

          Gescheiterte Sondierungen : Merkels Niederlage

          Durch die gescheiterten Sondierungen hat die Kanzlerin mehr verloren als die FDP. Und vor allem: Die CDU hat noch mehr zu verlieren. Der Knackpunkt ist die Willkommenspolitik – von der sich Angela Merkel partout nicht distanzieren mag. Ein Kommentar.

          Die FDP und Jamaika : Lindner fehlt das Vertrauen

          Die FDP war, was den Erfolg der Jamaika-Sondierungen angeht, nie besonders zuversichtlich. Da sie fürchteten, keine ihrer Projekte verwirklichen zu können, haben sie ein Versprechen platzen lassen.

          Wie geht es jetzt weiter? : So verschlungen ist der Weg zu Neuwahlen

          Steinmeier kündigt Gespräche mit allen Parteien an und fordert mehr Verantwortung. Doch Neuwahlen sind nicht mehr auszuschließen. Reinhard Müller, F.A.Z.-Ressortleiter für Staat und Recht, erklärt, welche Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.