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Dahlien : Farbenfrohes Finale

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Den Rekord stellte 1841 die englische Firma Harrison auf, die 1200 Sorten anbot. Im thüringischen Bad Köstritz entstanden ab 1820 später berühmte Zuchtbetriebe, der Ort ist bis heute die deutsche Dahlienstätte schlechthin. 1872 gründete dort Ernst Panzer seinen Betrieb, heute führen ihn Heinz und Sohn Dirk erfolgreich in fünfter Generation. Gerade bekam der Senior auf der Internationalen Gartenschau Berlin die „Große Goldmedaille“ für „faszinierende und farbenprächtige Präsentation von Dahlien in allen Klassen in bester Qualität“. 30 Neuzüchtungen brachte Heinz Panzer in den letzten Jahren auf den Markt, wie ’Anna Panzer‘, die klein und kompakt in Rot-Gelb leuchtet und nach Ansicht des Sohnes „das Zeug zur Jahrhundert-Sorte“ hat. Was sind aktuell die Bestseller? „Die ’Café au lait‘, zarte Pastelltöne in Weiß-Rosa-Bräunlich“. Für Panzer paradox: „Die Dahlie wird doch wegen ihrer satten, kraftvollen Farben geliebt“. Die Züchtung von 1967 ist schon eine Vintage-Dahlie, in der Dahlienwelt gelten Züchtungen mit über 50 Jahren bereits als historisch. Aber wie viele Sorten gibt es denn nun? „Offiziell 30.000, aber davon sind viele schon wieder Karteileichen, wegen der schnellen Verfallszeit und der andauernden Neuzüchtungen. Viele alte Sorten gibt es gar nicht mehr“, erklärt Dirk Panzer, in dessen öffentlichem Garten zur Blütezeit 350 Sorten zu bewundern sind.

Im Auf und Ab der Dahlienmoden wurden sie in Frankreich Mitte des 19. Jahrhunderts geadelt durch den Impressionisten Claude Monet. Dahlien waren – vor den Seerosen – seine Jugendliebe. Damals galten sie als unverzichtbarer Schmuck eines jardin rustique, des Bauerngartens. Monet verwandelte seine ländliche Zuflucht Giverny im Spätsommer mit wogenden Dahlienfeldern in ein funkelndes, leuchtendes Flammenmeer. Zu seinen Lieblingen gehörten die sternförmige ungefüllte Kaktusdahlie ’Étoile Digoinaise‘ und deren Varietäten, „Dahlien mit langen, dünnen Blütenblättern, die einem leichten anmutigen Seestern ähneln und jetzt sehr in Mode sind“, notierte einst ein Besucher. Heute kann man im rekonstruierten Maler-Paradies Exemplare mit zwei Metern Höhe und Blüten so groß wie Fußbälle, bewundern.

Ein Dahlienfan war der Potsdamer Staudenzüchter Karl Foerster: „Über Leute, die vorgeben, Dahlien nicht zu mögen, könnte man einfach nur lachen, wäre die Sache nicht so ernst“, schrieb der verliebte Verfechter. Und pflanzte in seinem Senkgarten ein blühendes Plädoyer. Auch Englands Garten-Queen Vita Sackville-West schätzte die Dahlie in ihrem Refugium in Sissinghurst. Ihre Favoritin war ’Bishop of Llandaff‘. Die Sorte von 1928 ist die berühmteste Botschafterin der päonienblütigen Dahlien und besitzt ein Karmesinrot von unglaublicher Leuchtkraft. Gleiches gilt für ’Bishops Children‘ in warmem Gelb-Orange, ’Bishop of York‘ bezaubert mit bronzegelber Blüte. Überhaupt, neue Züchtungen der „Bischöfe“ wie ’Bishop of Auckland‘ mit schwarzroter Blüte oder die purpurne ’Bishop of Canterbury‘ sind gerade sehr beliebt im Beet: Die klerikalen Exzellenzen wirken extravagant durch dunkle Stiele und blutrotes dunkles Laub, das die Blütenfarben besonders hervorhebt.

Aparte Liaisons bilden Dahlien mit Astern und Sonnenhüten, dazu niedriges Chinaschilf (Miscanthus sinensis) oder rotes Lampenputzergras (Pennisetum setaceum ’Fireworks‘) als Weichzeichner. Wow-Effekt haben weiße oder rote Dahlien mit blauem Herbst-Eisenhut (Aconitum carmichaelii ’Arendsii‘). Rosa und violette Dahlien mit den lila Minidolden von Argentinischem Eisenkraut (Verbena bonariensis) wirken impressionistisch. Die längst perfekt eingebürgerten Exotinnen sind robust, pflegeleicht und blühfreudig – an sonnigen Plätzen. Der Wermutstropfen: Die Schönheit der Dahlien verlangt Demut. Denn sie sind bei uns nicht frosthart. Also muss man, wenn all die Pracht verblüht ist, vor ihnen niederknien und die dunklen Knollen zum Überwintern ausbuddeln, im Frühjahr nach dem Frost wieder einbuddeln. Ein wahrhafter Liebesdienst.

Parks mit sehenswerten Sammlungen

Dahliengarten Bad Köstritz, www.dahlienzentrum.de

Dahliengarten Gera, www.dahliengarten-gera.de

Britzer Garten, Berlin, gruen- berlin.de/node/82/dahlienschau

Dahliengarten Hamburg-Altona, www.dahliengarten-hamburg.de

Grugapark Essen, www.grugapark.de Egapark Erfurt, www.egapark.de

Dahliengarten Baden-Baden, www.dahliengarten-baden-baden.de

Stuttgart-Killesberg, www.stuttgart.de

Dahliengarten Insel Mainau, www.mainau.de

Quelle: F.A.S.

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