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Mode im Garten : Der Bonsai liegt im Trend

  • -Aktualisiert am

Hohes Alter, bizarre Formen: Bonsai sind kleine Kunstwerke, die ihre Natürlichkeit bewahren. Bild: Jörn Neumann

Dieser Minibaum ist gerade angesagt: Er ist ein kleines Abbild der Natur, ein stilisiertes Kunstwerk. Und seine Pflege ist eine Übung in einer ganz wichtigen Sache.

          Knorrige Wurzeln halten den Baum fest in der Erde. Der Stamm wächst schräg, neigt sich, als wäre er vom Wind gebeugt. Die Borke ist zum Teil aufgesprungen und gibt das Holz frei. Die Nadeln bilden luftige Kissen. Wenn sie im Winter abfallen, kommt die Struktur zum Vorschein: feine, malerisch geformte Zweige. 80 Jahre ist diese charaktervolle Lärche alt und kaum einen Meter hoch. Stünde sie in der freien Natur, würde sie wegen ihrer Schönheit auffallen. Doch dieser Baum lebt in einer Schale. Ein Bonsai.

          Wer einen Blick für Pflanzen hat, kann kaum anders, als die Lärche zu bestaunen. Die Rinde zu betrachten, die Form der Zweige, die Nadeln, die unten auf dem Moos liegen. Das tote Holz, das seitlich herausragt und mal ein Ast war. Im Wald würde man so etwas erwarten, nur in anderen Dimensionen. Immerhin kann eine Lärche 30 Meter hoch werden. Wurzelschnitt und behutsames Zurücknehmen der Krone über Jahrzehnte haben dieses Bäumchen in einer Schale von wenigen Zentimetern Tiefe gedeihen lassen.

          Windschief: die Bonsai-Lärche
          Windschief: die Bonsai-Lärche : Bild: Jörn Neumann

          Der Bonsai ist ein kleines Abbild der Natur. Er ist stilisiert, ein Kunstwerk, das aber die Natürlichkeit bewahrt. Totes Holz oder auch einige trockene Nadeln gehören zum perfekten Bild dazu – sie zeigen, dass der Baum lebt. Diese Kunst der Pflanzengestaltung kommt aus Japan, wörtlich übersetzt heißt Bonsai „Baum in einer Schale“. Entstanden ist sie aber in China, wo seit dem sechsten Jahrhundert Pflanzen, sogar kleine Landschaften, in flachen Töpfen arrangiert wurden. In Japan wurde sie später weiterentwickelt, der Schwerpunkt auf einzelne Bäume gelegt. Zunächst Mönchen, dann der Oberschicht vorbehalten, ist Bonsai seit dem 19. Jahrhundert ein weitverbreitetes Hobby. Die Namen der Gestalter sind bekannt in Japan, Künstler wie Masahiko Kimura oder Shinji Suzuki Stars der Szene. Ihre Gärten – sorgfältig arrangierte Töpfe auf Tischen – sind Pilgerort von Bonsai-Interessierten aus aller Welt.

          In Westdeutschland werden seit etwa 40 Jahren Bonsai gezogen, im Osten schon etwas länger aufgrund der engen Verbindung der DDR zu ihren asiatischen Bruderstaaten. In Düsseldorf gibt es mittlerweile ein kleines Museum, in dem Bäume wie die alte Lärche unter freiem Himmel ausgestellt sind. Koreanische Hainbuchen, Feldulmen und Ahorne sind hier zu finden, auch Wacholder und Wildapfelbäume – alle im Kleinformat, viele kaum mehr als einen halben Meter hoch.

          Sie stehen allein oder als kleine Gruppen im Topf, haben einen geraden oder geschwungenen Stamm. Manche sind das winzige Abbild eines ausgewachsenen Baums, andere haben bizarre Formen, etwa die langen, dünnen „Literaten“, oder die „Kaskaden“, bei denen Bäumchen über den Rand des Pflanzgefäßes hängen. In der japanischen Gestaltung trägt jede dieser Formen einen eigenen Namen.

          Obwohl sie klein sind, sieht man den Bäumen ihr Alter an. Die meisten leben schon 40, 50 Jahre in der Schale, und je älter sie sind, desto wertvoller werden sie. Mit den Pflänzchen aus dem Gartencenter, die oft unter dem Label „Bonsai“ angeboten werden, haben sie kaum etwas gemeinsam. Wo dort meist schnell gekappt und wenig auf Entwicklungspotential geachtet wird, haben diese Bonsai über Jahrzehnte hinweg Zuwendung der Gärtner erfahren. Das macht sie so wertvoll, mehrere tausend Euro für einen Baum sind keine Seltenheit.

          Im Bonsai-Museum in Düsseldorf finden die Minibäume ein Zuhause.
          Im Bonsai-Museum in Düsseldorf finden die Minibäume ein Zuhause. : Bild: Jörn Neumann

          „Bonsai ist eine Lebensart“, sagt Bastian Busch, dessen Vater Werner Busch einer der Pioniere der deutschen Szene ist und heute neben seiner Werkstatt das Bonsai-Museum betreibt. „Um einen Bonsai muss man sich täglich kümmern.“ Denn es sind keine Pflanzen, die man im Sommerurlaub getrost den Nachbarn überlassen kann. Viel Wissen und Fingerspitzengefühl sind nötig, um einen uralten Baum in einer flachen Schale so zu pflegen, dass es ihm gutgeht. Allein das Gießen ist eine Kunst für sich, in Japan ist ihr die erste Hälfte der Ausbildung zum Bonsai-Gestalter, die sechs bis sieben Jahre dauert, gewidmet.

          Einen Bonsai zu ziehen ist gewissermaßen auch eine spirituelle Übung, eine Übung in Langsamkeit und ein Schulen der Wahrnehmung. Denn er braucht Zeit, der Mensch viel Geduld. Möglich, dass es genau deshalb derzeit ein großes Interesse an den kleinen Pflanzen gibt – auch von jüngeren Menschen, wie Bastian Busch beobachtet. Ursache mag die Sehnsucht nach einem ruhigen Gegenpol sein oder nach dem, was derzeit unter Entschleunigung verstanden wird. Ein Bonsai erfordert große, ungeteilte Aufmerksamkeit, ein Vertiefen.

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