Home
http://www.faz.net/-gqe-70f0g
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
CIO View

Gagfah Die Perle im Gagfah-Portfolio

Die Milliardenklage der Stadt Dresden hat den Blick darauf verstellt, wie gut die einstige Woba aufgestellt ist. Der Streit ist nun beigelegt - und die Gagfah will sich von ihrem wertvollsten Bestand trennen.

© Unternehmen Nicht nur Platte: Gagfah-Wohnungen im Dresdener Stadtteil Neidersedlitz

Von einem Kulturschock mag Martina Pansa nicht reden. Die Regionalleiterin des Wohnungskonzerns Gagfah spricht lieber von Kulturwandel, wenn sie auf die Jahre seit 2006 zurückblickt. Damals verkaufte die Stadt Dresden ihre kommunale Wohnungsgesellschaft Woba an die Gagfah, hinter der der angelsächsische Finanzinvestor Fortress steht. 48 000 kommunale Wohnungen wechselten für rund 1,7 Milliarden Euro den Besitzer - ein bis heute einmaliger Vorgang. Oft wird auch von einem Experiment gesprochen. Ob es gelungen ist, lässt sich auch sechs Jahre nach dem Verkauf noch nicht sagen. Auf jeden Fall spielt der Dresdner Wohnungsbestand heute eine herausragende Rolle im Gagfah-Konzern.

Mehr zum Thema

Zwar ist die Anzahl der Wohneinheiten inzwischen auf 37 500 abgeschmolzen - teils durch Abriss, im Wesentlichen aber durch den Verkauf. In den Büchern steht die einstige Woba nun aber mit einem Marktwert von 1,82 Milliarden Euro. Das ist mit weitem Abstand der wertvollste Bestand im Gesamtportfolio. Die Berliner Immobilien auf dem nächsten Rang bringen mit 0,87 Milliarden Euro nicht einmal die Hälfte auf die Waage. Zu Mieterprotesten wegen einer vernachlässigten Instandhaltung der Wohnungen gab es in der sächsischen Hauptstadt im Gegensatz zu manch westdeutschem Gagfah-Standort keinen Anlass. Der Woba-Bestand, der zum großen Teil aus Plattenbauten besteht, kam schon weitgehend saniert in den Besitz des Konzerns. Dresden spielt diesbezüglich eine positive Sonderrolle.

Der Ruf ist nicht selbstverständlich

Obwohl das zur Verfügung stehende Geld für Modernisierungen auch in Sachsen drastisch zurückgefahren wurde, geht die Geschäftsleitung vor Ort offenbar so geschickt vor, dass die Wohnungen im Vergleich zu den anderen Beständen heute als Perle im Gagfah-Portfolio gelten. Dieser Ruf ist nicht selbstverständlich - gehörte es doch auch zu den Unwägbarkeiten des Experiments, die in der kommunalen Wohnungswirtschaft geprägte Belegschaft auf die Anforderungen eines Finanzinvestors einzustellen. Sie seien zunächst die „Exoten aus dem Osten“ gewesen, blickt der Dresdner Betriebsrat Detlef Claus auf die Anfangszeit unter dem neuen Eigentümer zurück. „Unser Engagement wird im Konzern inzwischen aber anerkannt.“

Der Kulturwandel, von dem Regionalleiterin Pansa spricht, die mit der Woba zur Gagfah wechselte, schlug sich zunächst vor allem in den erhöhten Anforderungen an das Berichtswesen nieder. Die neue Gangart war für manche Kollegen nicht das, was sie sich vorgestellt hatten. Ohne betriebsbedingte Kündigung schmolz die Woba-Belegschaft nach der Übernahme von 300 auf heute 222 Mitarbeiter zusammen. „Wir haben gelernt, nach Kennzahlen zu leben“, erzählt Pansa. „Leerstand, Vermietung, Mieterhöhung - und das im Wochenrhythmus.“ Zu Beginn habe man dies als Belastung empfunden. Inzwischen hätten aber alle Beteiligten gelernt, damit umzugehen. „Die Gangart ist zu schaffen“, sagt Betriebsrat Claus heute. Die Anpassungsdauer beziffert er auf zwei bis drei Jahre.

Konzern prüft kompletten Weiterverkauf der einstigen Woba

Inzwischen geht es in der strategischen Ausrichtung der einstigen Woba vor allem darum, die Immobilien zu einem bezahlbaren Preis bewohnbar zu halten. Nach dem intensiven Wohnungsverkauf in den vergangenen Jahren muss das Unternehmen ohnehin auf die langfristige Bestandspflege umschalten. Mit der Stadt Dresden als früherem Eigentümer ist vereinbart, dass bis 2021 mindestens 35 000 Wohnungen im Bestand gehalten werden müssen. Immerhin schlummern noch Sanierungspotentiale im Dresdener Wohnungsbestand. So ist im Stadtteil Prohlis ein zweigeteilter Plattenbau zu besichtigen - eine Hälfte saniert, die andere Hälfte unsaniert. Im sanierten Teil wird nach Angaben der Gagfah-Kundencenter-Leiterin Dresden-Südwest, Silke Eulitz, eine Miete von 5,40 Euro je Quadratmeter erzielt, in der unsanierten Platte 3,80 Euro.

Dass der Konzern nun einen kompletten Weiterverkauf der einstigen Woba prüft, erscheint letztlich sinnvoll, wenn sich der Buchwert tatsächlich erzielen lässt. Der milliardenschwere Rechtsstreit mit der Stadt Dresden, der sich über ein Jahr hinzog, hat Wunden geschlagen. 40 Millionen Euro muss die Gagfah für den vereinbarten Vergleich aufwenden. Sie hat sich verpflichtet, die Instandhaltungsinvestitionen um 50 Prozent auf brutto 9 Euro pro Quadratmeter nach oben zu schrauben sowie der Stadt ein Belegungsrecht für 2000 zusätzliche Wohnungen einzuräumen. Mit dem Bestand würden dann auch die Verpflichtungen an den neuen Eigentümer übergehen.

Quelle: F.A.Z.

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Fußball-Transferticker 49 Millionen Pfund Sterling

Schiri Peter Gagelmann als Experte bei Sky ++ Der Rekordtransfer des Sommers ist perfekt ++ HSV gibt Jonathan Tah frei ++ Raheem Sterling bei Manchester City ++ Robin van Persie wechselt zum Fenerbahce Istanbul ++ Alle Infos im Transferticker. Mehr

15.07.2015, 12:09 Uhr | Sport
Quiz Kennen Sie Volkswagen?

Volkswagen ist eine Klasse für sich: 600 000 Mitarbeiter, 200 Milliarden Euro Umsatz, 13 Milliarden Gewinn – und Spitzengagen für den Chef. Was wissen Sie über Deutschlands wichtigsten Konzern? Ein Quiz, nicht nur für Leute mit Benzin im Blut. Mehr Von Georg Meck

28.03.2015, 11:52 Uhr | Wirtschaft
Skrupellose Berliner Vermieter Im Schöneberger Horrorhaus

In Berlin leben in einem Haus Hunderte Roma unter unmenschlichen Bedingungen. Das bringt dem Vermieter viel Geld - und hilft, andere Mieter loszuwerden. Nun soll es die Politik richten. Mehr Von Mechthild Küpper, Berlin

24.07.2015, 22:12 Uhr | Politik
Expo-Stadt Mailand Der Countdown läuft

Willkommen im neuen Mailand! Pünktlich zur Weltausstellung präsentiert sich die Stadt so naturnah wie nie zuvor: Aus der einstigen grauen Industriezone ist eine grüne Metropole geworden. Der Landschaftsarchitekt Andreas Kipar zeigt uns, wie seine Wahlheimatstadt sich für die Expo schick gemacht hat. Mehr

08.04.2015, 17:20 Uhr | Reise
Heute in der F.A,Z. Bye, bye, Herdprämie!

Was Sie nicht verpassen sollten: die wichtigsten Themen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung von morgen – ab jetzt im E-Paper. Mehr

16.07.2015, 20:03 Uhr | Wirtschaft

Veröffentlicht: 14.06.2012, 09:07 Uhr

Das Billigöl

Von Marcus Theurer

Mit dem steten Preisverfall steigt der Leidensdruck der Ölkonzerne. Doch geht es hier nicht nur um eine Branchenkrise. Mehr 8 3


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden

Grafik des Tages Hände weg vom Steuer

Einsteigen, das Ziel eingeben und sich vom Auto ans Ziel bringen lassen – ein Drittel der Deutschen kann sich das vorstellen. Vor allem junge Menschen sind offen für selbstfahrende Autos. Mehr 0