Home
http://www.faz.net/-gqe-76bp8
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
CIO View

Frühjahrsgutachten Der Immobilienboom dürfte sich fortsetzen

Die günstige Finanzierung treibt Geldanleger weiter in Sachwerte. Die Gefahr einer Preisblase sehen Fachleute aber bislang noch nicht.

© dpa Keine Schnäppchen: Die Immobilienpreise in Berlin steigen

Die Deutschen investieren weiter fleißig in Wohnimmobilien. Das dürfte auch in diesem Jahr die Preise weiter treiben. Eine Immobilienpreisblase bestehe aber nicht. Das ist eines der Ergebnisse des Frühjahrsgutachtens der Immobilienwirtschaft, das der Zentrale Immobilienausschuss (ZIA) am Dienstag dem Bundesbauministerium übergeben hat. Dieses Jahr nähmen die Mietpreise voraussichtlich um 3Prozent zu, die Kaufpreise um 5 Prozent. „Die Kaufpreise haben aber noch Nachholbedarf, weil die Mieten früher angestiegen sind“, sagte Mitautor Harald Simons, Vorstand des Beratungsinstituts Empirica. 2012 sind die Mietpreise durchschnittlich um 2,4 Prozent und damit etwas stärker als die Verbraucherpreise gestiegen.

Philipp Krohn Folgen:

Für eine Blasenbildung gebe es dennoch keine Anzeichen, sagte Simons. Das belege ein Vergleich mit den Vereinigten Staaten. Dort hatten sich in den sechs Jahren vor Ausbruch der Finanzkrise die Häuserpreise fast verdoppelt, während die verfügbaren Einkommen nur um etwa ein Viertel zunahmen. Selbst in München, einer der gefragtesten deutschen Städte, entwickelten sich zwischen 2003 und 2010 die Einkommen stärker als die Kaufpreise für eine Eigentumswohnung. Erst seit zwei Jahren steigen diese stärker an. „Es gibt keine Finanzblase“, sagte ZIA-Präsident Andreas Mattner und verwies auf die konservative Baufinanzierung hierzulande. Das Volumen an Baukrediten sei konstant geblieben, zudem würden kaum Kredite oberhalb des Beleihungswerts vergeben. Für 70 Prozent der vergebenen Baukredite bestehe außerdem eine stabile Zinsbindung von mehr als fünf Jahren, heißt es in dem Gutachten.

Infografik / Mietpreisentwicklung © F.A.Z. Bilderstrecke 

In Metropolen wie Berlin, Hamburg und München sind die Mieten real in den vergangenen sieben Jahren um 10 bis 24 Prozent gestiegen. In Deutschland insgesamt sind die Preise dagegen in dieser Zeit für 63 Prozent der Wohnungen sogar gefallen (siehe Grafik). Die Metropolen seien Ausnahmen von der Regel, sagte Simons. Zudem stünden dahinter fundamentale und nicht spekulative Marktentwicklungen. So hat die Zahl der Haushalte etwa in Berlin und Hamburg in den vergangenen vier Jahren jeweils mehr als dreimal so stark zugenommen wie die Zahl der Wohnungen. Die Diskussion über eine angebliche Blase aber könne künftig die Projektfinanzierung erschweren, sagte Simons. „Wir befürchten, dass das Gerede darüber dazu führt, dass sich Investoren nicht trauen.“ Vor allem in Städten dürften die Preise weiter steigen, erwartet Mitautor Michael Kiefer vom Internetportal Immobilienscout 24. Hier sei die Nachfrage nach Wohnungen 14-mal so hoch wie im ländlichen Raum.

Eine stabile Entwicklung beobachtet das Gutachten auf dem Markt für Büroimmobilien. Das Investitionsvolumen ist im vergangenen Jahr um 8,8 Prozent auf 24,5 Milliarden Euro gestiegen. So viel Geld wurde seit 2006 nicht mehr bereitgestellt. Die Neubautätigkeit bezeichnen die Gutachter dennoch als zurückhaltend. In München war die Bürofläche sogar geringer als im Vorjahr. Die Zurückhaltung führt dazu, dass der Leerstand abnimmt. In Berlin beträgt er 6 Prozent, in Frankfurt reduzierte er sich seit 2005 von 19 auf 14 Prozent.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Bedarf bis 2020 In Berlin fehlen Zehntausende Wohnungen

Wohnungen sind in den Großstädten zunehmend Mangelware. Doch während in Berlin, München und Hamburg zu wenig Immobilien entstehen, wird auf dem Land sogar zu viel gebaut. Mehr Von Anne-Christin Sievers

19.08.2015, 10:31 Uhr | Finanzen
Immobilienmarkt Berlin Explodierende Mieten, steigende Wohnungspreise

Nirgendwo in Deutschland sind die Mieten so stark gestiegen wie in Berlin. Auch Eigentumswohnungen sind in nur einem Jahr um bis zu 35 Prozent teurer geworden. Und mehr als 200 Bewerber um eine einzige Mietwohnung sind keine Seltenheit. Mehr

13.08.2015, 12:22 Uhr | Wirtschaft
Demographischer Wandel Wenn Orte wachsen oder schrumpfen

Deutschland driftet auseinander, wie Hiddenhausen und Ilvesheim. Hier verwaisen Häuser, dort fehlen sie. Doch der Wandel lässt sich gestalten. Ein Besuch in Ostwestfalen und Baden. Mehr Von Judith Lembke

29.08.2015, 09:15 Uhr | Finanzen
Berlin Wirtschaftsexperten fordern Steuersenkungen

Nach den Fortschritten bei der Sanierung der deutschen Staatsfinanzen sehen die wichtigsten Wirtschaftsforschungs-Institute den Zeitpunkt für eine Entlastung der Bürger gekommen. In ihrem am Donnerstag vorgelegten Frühjahrsgutachten erwarten die Ökonomen in diesem und im nächsten Jahr deutliche Überschüsse in den öffentlichen Etats. Mehr

16.04.2015, 16:36 Uhr | Wirtschaft
Wohnhochhäuser in Frankfurt Wohnungen für viele oder Luxus für die happy few

Manche sind im Bau, andere werden vorbereitet: In den nächsten Jahren sollen in Frankfurt rund ein Dutzend Wohnhochhäuser mit mehr als 1000 Eigentumswohnungen entstehen. Doch wie groß ist die Nachfrage überhaupt? Mehr Von Rainer Schulze

19.08.2015, 10:17 Uhr | Rhein-Main

Veröffentlicht: 06.02.2013, 06:48 Uhr

Kein gutes Geschäft

Von Manfred Schäfers, Berlin

Frankreich wirbt für eine Transferunion im Euroraum. Leider hat es das Land mit eigenen Reformzusagen nie so genau genommen. Mehr 39 102


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden

Grafik des Tages In Moskau gründen mehr Frauen Start-ups als in Berlin

In kaum einer Start-Up-Metropole liegt der Anteil der Frauen an den Gründern so niedrig wie in Berlin. Er ist höher auch in vielen Städten, wo das ganz und gar nicht zu erwarten ist. Mehr 4