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Energieversorgung Stromanschluss der neuen Art

 ·  Mit der Energiewende müssen Bauträger und Energieversorger ein neues Verhältnis zueinander finden. Das zeigt ein Pilotprojekt in Hessen.

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Für die Immobilienwirtschaft ist die vorgesehene Energiewende in Deutschland auch zwei Jahre nach ihrer Verabschiedung noch ein abstraktes Gebilde. Klar ist, dass bis 2022 der Ausstieg aus der Kernenergie vollzogen sein soll. Parallel wird der Ausbau der erneuerbaren Energien so weit vorangetrieben, dass mit ihnen Mitte des Jahrhunderts 80 Prozent des Strombedarfs gedeckt werden können. Doch es gibt immer noch kein einheitliches Meinungsbild, welche konkreten Auswirkungen diese Vorgaben auf die einzelnen Geschäftsmodelle haben.

Die Anbindung an das Stromnetz ist bislang als Selbstverständlichkeit wahrgenommen worden. Die Erkenntnis, dass nun mit der Energiewende völlig neue Konzepte notwendig sind, um den elektrischen Strom auch in Zukunft zuverlässig in die Immobilien fließen zu lassen, setzt sich erst allmählich durch. Für Bauträger wird nun zum Beispiel die Überlegung relevant, verstärkt von der zentralen auf eine dezentrale Versorgungsstruktur umzustellen, die etwa ein neues Wohnviertel weitgehend energieautark macht.

„Wir zeigen wie Energieautarkie in der Praxis funktioniert“

Wie das aussehen könnte, lässt sich demnächst in einem Pilotprojekt besichtigen, bei dem die Deutsche Reihenhaus AG als Bauträger und die regionale Süwag-Gruppe als Energieversorger zusammenarbeiten. Auf einem ehemaligen Industrieareal in Kelsterbach bei Frankfurt entsteht gerade ein neues Wohngebiet mit insgesamt 180 Wohneinheiten. Für die Süwag war das die ideale Größenordnung, um einen neuen Ansatz in der Praxis auszuprobieren: eine Kombination aus Blockheizkraftwerk, Photovoltaik-Anlage sowie Strom- und Wärmespeicher, die die Siedlung unabhängig von auswärtigen Stromlieferungen machen soll. „Wir zeigen, wie Energieautarkie in der Praxis funktioniert - und wir zeigen, wie man den exorbitanten Anforderungen an den Netzausbau durch lokale Projekte entgegentreten kann“, sagt der Süwag-Vorstandsvorsitzende Knut Zschiedrich.

Dem Bauträger wiederum gefiel dieses Modell, weil es einen Stromübergabepunkt gibt, von dem aus er selbst die kundeneigenen Anschlüsse verlegen konnte. „Wir haben dadurch geringere Investitionskosten“, stellt der Deutsche-Reihenhaus-Vorstandsvorsitzende Daniel Arnold fest. Das Entgegenkommen des Energieversorgers sei in diesem Punkt keineswegs selbstverständlich. Die Käufer der Reihenhäuser dürften wiederum nichts gegen die neuartige Form der Stromversorgung haben, weil damit nach Süwag-Angaben keine erhöhten Strom- und Wärmepreise verbunden sind - „obwohl es sich um ein Premiumprodukt handelt“, wie Süwag-Chef Zschiedrich hinzufügt.

Nicht mehr nur in Kilowattstunden denken

Ob das Konzept funktioniert, wird sich zeigen, wenn die Bauarbeiten abgeschlossen sind. Das soll Mitte 2013 der Fall sein. Sollten Strom und Wärme trotz des vorhandenen Speichers knapp werden, ist sicherheitshalber noch ein Zugang zum allgemeinen Stromnetz gegeben. Was sich die Süwag mit dem Pilotprojekt in Kelsterbach auf jeden Fall sichert, ist ein Erfahrungsvorsprung gegenüber der Konkurrenz, wie sich eine dezentrale Energieversorgung einrichten lässt und was dabei zu beachten ist. Das kommt der Strategie von Süwag-Chef Zschiedrich entgegen, der sein Unternehmen vom klassischen Energielieferanten zum Energiedienstleister umbauen möchte. Er verwendet dafür gern den Begriff „Energiewende-Realo“. Die Versorger müssten lernen, nicht nur in Kilowattstunden zu denken, sondern die Energiewende als neuen Markt zu betrachten. Über die Größenordnung, von der an sich die Kombination Blockheizkraftwerk/Photovoltaik/Speicher lohnt, gibt es derzeit noch keine feste Regel. Zschiedrich sieht sechs Wohneinheiten als untere Grenze an, fügt aber gleich hinzu, dass 180 Wohneinheiten wie in Kelsterbach eindeutig die bessere Variante seien.

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22.05.2013 17:45 Uhr
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