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Energetische Sanierung Gar nicht so übel?

Die Politik klagt über die Trägheit privater Eigentümer, in die energetische Ertüchtigung ihrer Häuser zu investieren. Zu Unrecht, urteilt der Verband Privater Bausparkassen - und nennt den Zustand der Häuser „beeindruckend gut“.

© AP Vergrößern Umstritten: Nicht nur die Frage, in welchem Fall sich diese Dämmung lohnt, wird leidenschaftlich diskutiert.

Stephan Kohler ist irritiert. Kohler ist Geschäftsführer der Deutschen Energie Agentur (Dena), deren Mehrheitsgesellschafter der Bund zusammen mit der staatlichen Bankengruppe KfW ist. Dementsprechend laut trommelt das „Kompetenzzentrum für Energieeffizienz“ für die Ziele der Politik auf dem Feld der energetischen Gebäudesanierung. Die lauten: runter mit dem Energiebedarf von Gebäuden und bis 2050 einen nahezu CO2-neutralen Gebäudebestand. Doch damit wird es nichts werden, wenn Deutschlands Eigenheimbesitzer nicht mehr Ehrgeiz bei der energetischen Optimierung ihrer Eigenheime entwickeln und kräftig in neue Heizungsanlagen, Dächer, dreifach verglaste Fenster und gedämmte Fassaden investieren. Eine jährliche Sanierungsrate von 2 Prozent wäre dafür nötig; tatsächlich liegt sie bei nur 1 Prozent. Entsprechend diagnostiziert Dena-Chef Kohler einen „massiven Sanierungsstau“ - und findet die Botschaft des Verbands der Privaten Bausparkassen (VPB) höchst verwunderlich.

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Dieser war Anfang November mit der Erkenntnis in die Öffentlichkeit getreten, dass der energetische Zustand des älteren Ein- und Zweifamilienhausbestands beeindruckend gut sei. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie, die das Institut Empirica im Auftrag der Baufinanzierer angefertigt hat. Danach sind in Ein- und Zweifamilienhäusern, die vor 1979 errichtet wurden, 81 Prozent der Heizanlagen hoch oder höchst effizient; 96 Prozent aller Fenster sind mindestens zweifach verglast, und bei fast 70 Prozent der Immobilien ist das Dach oder die oberste Geschossdecke gedämmt. Lediglich bei der Dämmung der Außenwand und der Kellerdecken zeigen die Werte von 35 Prozent beziehungsweise 24 Prozent, dass hier die Hauseigentümer bisher weniger investiert haben.

Unverständnis und Ärger

Bei der Dena versteht man nicht, wie Empirica zu dieser Einschätzung kommt, man findet die Veröffentlichung der Studie „ärgerlich“ und weist auf den eigenen Gebäudereport hin, der ein viel schlechteres Bild zeichnet. Beispiel Heizung: Von den 18 Millionen Heizungsanlagen im Bestand seien rund 13 Millionen veraltete Gas- und Ölkessel, die nicht dem Stand der Technik entsprechen. Mit Niedertemperaturkesseln könne man sich nicht zufriedengeben, wenn heute moderne Brennwerttechnik Standard sei, sagt Kohler und schätzt den Sanierungsbedarf entsprechend hoch ein.

Dabei stützt sich die Dena auf das gleiche Zahlenmaterial wie Empirica. Beide bedienen sich eines Datensatzes, den das Institut für Wohnen und Umwelt zusammengestellt hat. Er geht auf die Dokumentation der Schornsteinfeger zurück - und kann damit als belastbares Material gelten. Dass es zu den unterschiedlichen Ergebnissen kommt, liegt an der Interpretation. „Es ist die alte Geschichte: Erscheint mir ein Glas halb voll oder halb leer“, sagt Harald Simons, Professor für Volkswirtschaftslehre und Mitglied des Empirica-Vorstands. Während die Politik sich nur am Stand des technisch Möglichen orientiere und ihre umweltpolitischen Ziele im Auge habe, müssen man fragen, was betriebswirtschaftlich überhaupt notwendig sei und durch welche Maßnahmen sich wirklich nennenswerte Einsparungen erzielen ließen. Eine funktionierende Heizungsanlage vor der Zeit auszutauschen, hält Simons jedenfalls nicht für sinnvoll.

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