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Einrichtung Das Bad ist der Star

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts hat das Badezimmer seine Nische im Grundriss verlassen. Auf der Liste der Wohnwünsche steht es ganz oben. Allerdings hat der neue Luxus seinen Preis: Eine Sanierung kostet leicht 20.000 Euro, ein ganz neues Bad auch schon mal 50.000 Euro.

© Hansgrohe Vergrößern Luxus in blassen Farben: Starck Ambiente

Als Kind ihrer Zeit liebte Madame des Genlis es gesellig, und das auch im Bade. Wenn die adlige Französin (1746 bis 1830) sich von den Strapazen eines langen Tages erholen wollte, stieg sie in eine jener damals hochmodernen Wannen aus verzinntem Kupfer. Die müden Glieder ins heiße Wasser getaucht, erfrischte die Comtesse ihren Geist durch anregende Gespräche über Gott und die Welt: „1779 badete ich in Rom oft jeden Abend. Sobald ich mich im Bad befand, rief man den Kardinal de Bernis herbei, der mit seinem Neffen kam. Dann unterhielten wir uns eine Dreiviertelstunde“, schreibt die Adlige in ihren Memoiren.

Birgit Ochs Folgen:      

Hofhalten von der Badewanne aus war unter ihresgleichen durchaus üblich. Damals waren die Wannen noch mobil und das eigene Badezimmer eine Vision von morgen. Der bürgerliche Haushalt, der fein säuberlich zwischen öffentlich und privat, Arbeit, Wohnen und Freizeit unterscheidet, begann sich im 18. Jahrhundert gerade erst zu entwickeln.

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Es herrscht ein ausgesprochener Körperkult

Mehr als 200 Jahre und etliche kulturgeschichtliche Entwicklungsschritte später werden die Räume nun abermals durchlässig. Durch die neuen Medien rücken Wohn- und Geschäftswelten zusammen: zum Beispiel beim Check der Dienst-E-Mails vom heimischen Schreibtisch aus, beim Erledigen von Bankgeschäften oder Einkäufen über das Internet. Es kommt nicht von ungefähr, dass, da die Grenzen zwischen Raum und Zeit schwinden, gleichzeitig ein ausgesprochener Körperkult herrscht, ein Verlangen nach Entspannung, Erholung und Stärkung im Hier und Jetzt, gerne Wellness genannt.

Und so verlässt auch das Bad seine Nische im Grundriss. In den Neubauten der Moderne war es Standard geworden, im Geist jener Zeit rein funktional gehalten. Möglichst wenig Platz für eine schlichte Notwendigkeit verschwenden, lautete die Devise der Planer, die sich bis in die neunziger Jahre hinein fortsetzte. Das Ergebnis waren vier bis sechs Quadratmeter Nasszelle, meist fensterlos als Transitstation der Bewohner auf ihrem Weg zwischen Schlafen und Wachen.

Das Bad entwickelt sich zum Zimmer

„Diese Bäder sehen heute in jeder Hinsicht alt aus“, sagt Karin Rabausch, Innenarchitektin und Autorin des Buchs „Bäder - Handbuch zur Planung“. Als entsprechend groß gilt der Sanierungsbedarf der Badezimmer. „Wer eine Immobilie kauft, investiert immer ins Bad“, hat Maklerin Renate Setzer, Geschäftsführerin des Immobilienvermittlers Eschner und Partner, beobachtet. Die Ausstattung des Vorbesitzers wird ihrer Erfahrung nach heute so gut wie nie akzeptiert. Wenn es geht, wird der Raum vergrößert. Mindestens acht Quadratmeter verlangten die Bewohner.

Wenn keine begrenzte Quadratmeterzahl die Planungsfreiheit hemmt, entwickeln sich die Bäder zu Zimmern. Fertighausanbieter wie Schwörer, die ein gutes Gespür für Trends besitzen, zeigen mittlerweile Musterhäuser, in denen ein Bad mit angeschlossenem Fitnessraum weite Flächen des ersten Stocks einnimmt, dort, wo einst ein Kinderzimmer vorgesehen war. Auch Bad und Schlafzimmer werden zunehmend verbunden. „Doch man sollte sie mit einer Tür trennen können, denn im Bad herrscht ein anderes Raumklima“, rät Planungsexpertin Rabausch.

Großzügige Arrangements statt Gedränge

In den großzügigen Bädern liegt die Ausstattung nicht mehr dicht gedrängt nebeneinander, um in den letzten Winkel vielleicht noch die Waschmaschine quetschen zu können. Hier ist alles großzügig arrangiert. Das WC, wenn es nicht gleich anderen Orts untergebracht wird, verschwindet oft in einer Nische. Dafür rücken Designer wie Philip Starck oder der Mailänder Antonio Citterio, die Badelinien für die Marke Axor von Hansgrohe entworfen haben, die Wanne gerne in den Raum und plazieren sie am liebsten so, dass der Badende aus dem Fenster hinaus ins Grüne oder den Abendhimmel schauen kann.

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