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Einzelhandel : Die Luxusmarken drängen in die Innenstädte

Louis Vuitton in Frankfurt Bild: Franziska Gill

Gucci, Hermès, Louis Vuitton oder Breitling: Internationale Luxusmarken zieht es immer stärker in die deutschen Städte - aber nur in ausgesuchte. In den Bestlagen können Einzelhändler sogar ein Vermögen verdienen, wenn sie Luxusmarken vorzeitig Platz machen.

          Handtäschchen von Louis Vuitton sind schon länger in Frankfurt und München erhältlich. Doch seine deutsche Präsenz hat der französische Luxuskonzern jetzt deutlich ausgeweitet: Aus den zuvor recht übersichtlichen Taschenläden wurden zwei große Flaggschiffgeschäfte unter dem Namen „Maison de Louis Vuitton“ - die zwei einzigen Häuser dieser Art außerhalb Frankreichs.

          Michael Psotta

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Immobilienteil.

          Louis Vuitton gehört wie Prada oder Hermès zu den in Deutschland schon etablierten Luxusmarken, die jetzt ihre Präsenz noch einmal teils spektakulär erweitert haben. Erst seit kurzem vertreten sind die schweizerischen Uhrmacher Hublot oder Jaeger Lecoultre, der italienische Herrenausstatter Brioni oder der Mailänder Modekonzern Prada mit der Marke Miu Miu. Aktuell auf Standortsuche sind nach den Angaben von Maklerhäusern Marken wie Harry Winston, John Lobb, Versace oder Moschino. Ihre Standorte erweitern wollen Moncler, Bottega Veneta, Brunello Cucinelli oder Dolce Gabbana.

          Deutschland hat eine Sonderstellung

          All diese Marken vereint eine Reihe von Gemeinsamkeiten: Sie stammen aus dem Ausland, meist aus dem europäischen, sie setzen zunehmend auf den deutschen Markt mit seiner überdurchschnittlichen Wirtschaftskraft - und sie sind höchst wählerisch im Hinblick auf die Standorte. In Frage kommen für sie eigentlich nur fünf deutsche Städte, berichtet Karsten Burbach vom internationalen Immobiliendienstleister CBRE: München, Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt und Berlin. Nur dort finden sie ausreichend Kundschaft für besonders teure Uhren oder Anzüge - Käufer mit einem besonders hohen Einkommen, das in den Metropolen eher verdient wird als in anderen Gegenden; oder Touristen etwa aus China, Japan oder Russland, die sich lieber Luxusartikel nach Hause mitbringen, als das Urlaubsgeld in teure Hotels zu stecken.

          Mit immerhin fünf Städten, in denen sich die Luxusmarken niederlassen, hat Deutschland sogar eine Sonderstellung, schreibt CBRE in einer noch unveröffentlichten Studie, die dieser Zeitung vorliegt: In Großbritannien und Frankreich konzentriert sich der Luxusgütermarkt allein auf London und Paris, in anderen Ländern verteilt er sich allenfalls auf zwei Metropolen: In der Schweiz auf Zürich und Genf, in Italien auf Rom und Mailand und in Spanien auf Madrid und Barcelona. Doch mit den fünf großen deutschen Städten endet der Auswahlprozess der Luxusmarken keineswegs: Dort sollte es jeweils eine spezielle Lage sein: In München die Maximilianstraße, in Hamburg der Neue Wall, in Düsseldorf die Königsallee, in Berlin der Kurfürstendamm und in Frankfurt die Goethestraße.

          Die Nachbarschaft entscheidet

          Diese räumliche Konzentration hängt mit einer Besonderheit des Luxusgütergeschäfts zusammen: Die Nachbarschaft ist entscheidend. Ein Hermès-Laden am Stadtrand allein funktioniert nicht, sondern fünf, besser zehn ähnliche Geschäfte sollten schon in Sichtweite sein, sagt Burbach. Das erklärt, warum sich in der nur 300 Meter langen Goethestraße ein Laden mit teurer Ware neben dem anderen tummelt - und es erklärt auch, warum Luxusmarken in Frankfurt, München oder Hamburg inzwischen auch in anliegende Straßen drängen. Die unmittelbare Nachbarschaft zu den Luxuskernlagen aber bleibt Bedingung.

          Dass immer mehr Luxusmarken nach Deutschland drängen oder hier ihre Präsenz ausweiten, hat nach den Erkenntnissen von Angelus Bernreuther von der BBE Handelsberatung eine Reihe von Gründen. An erster Stelle nennt er den stark wachsenden Städtetourismus. So ist die Zahl der Übernachtungen in Berlin 2013 um gut 8 Prozent auf 27 Millionen gestiegen, gefolgt von München (plus 4 auf 13 Millionen) und Hamburg (plus 9 auf 11,6 Millionen). Als größten Ausgabenposten der Touristen nennt der Deutsche Touristenverband: Shopping. Dafür werden immerhin 63 Milliarden Euro des Reisebudgets von 278 Milliarden Euro verwendet. Davon profitiert auch Frankfurt, wenngleich dort weniger Touristen länger Station machen. Wegen des großen Flughafens schließen aber viele Gäste etwa aus China oder Japan ihre Deutschland-Reise mit einem Einkaufsbummel in Deutschland ab.

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