Home
http://www.faz.net/-gz7-74653
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Dauerhafter Preisanstieg Schweizer Immobilien werden zum Risiko

Der Preis für Schweizer Immobilien wächst stetig - Dank niedriger Zinsen und hoher Nachfrage. Die Großbank UBS schlägt nun Alarm: Der „Immobilienblasenindex“ hat erstmals wieder die Risikozone erreicht.

© Mobimo AG Vergrößern Wohnluxus in Zürich: Das Mobimo-Hochhaus

Immobilienmakler rund um den Zürichsee berichten seit einiger Zeit, dass Luxusobjekte von umgerechnet 2,5 Millionen Euro aufwärts schwerer verkäuflich werden. Dasselbe zeigt sich in diversen Online-Portalen. Der Markt als ganzes kennt aber weiterhin nur eine Richtung - nach oben. Preise von mehr als 9000 Euro je Quadratmeter Wohnfläche sind inzwischen gang und gäbe.

Jürgen  Dunsch Folgen:    

Die Großbank UBS schlägt Alarm: Ihr viel beachteter „Immobilienblasenindex“ hat erstmals seit dem Zusammenbruch des Marktes Anfang der neunziger Jahre wieder die Risikozone erreicht. Der Wert von 1,02 bedeute einen starken Anstieg von 0,20 Indexpunkten gegenüber dem Vorquartal, heißt es in der Mitteilung der Bank. Entspannung ist nicht in Sicht. „Auch wenn der Index die Schwelle zur Risikozone nur knapp überschritt, sollten weitere Preissteigerungen zunehmend als Überbewertung betrachtet werden“, betonen die UBS-Fachleute.

Ungebrochener Preisanstieg

In gewisser Weise erstaunt der ungebrochene Preisanstieg für Eigentumswohnungen und Häuser. Das allgemeine Preisniveau in der Schweiz sinkt nämlich leicht, und die Einkommen wachsen derzeit kaum. Darüber hinaus bleibt die Stimmung der Verbraucher verhalten, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft am Dienstag meldete. Sie verharrt demnach auf einem leicht unterdurchschnittlichen Niveau.

Aber die niedrigen Hypothekenzinsen als Folge der Nullzins-Politik, die in Europa auch die Schweizerische Nationalbank verfolgt, wirken wie eine Droge. Für eine Laufzeit von fünf Jahren festgeschrieben sind für Jahreszinsen zwischen 1,3 und 1,6 Prozent zu haben. Inzwischen investieren nach den Beobachtungen der UBS Privatleute vermehrt in Mietobjekte. Sie hoffen auf diese Weise, eine sichere Geldanlage mit Vermietungsrenditen von 2 Prozent und mehr zu verbinden.

Infografik / UBS-Immobilienblasen-Index © F.A.Z. Vergrößern Indexverlauf seit 1984

Unter den „Hot Spots“ des Schweizer Immobilienmarkts beruhigte sich laut UBS-Index im zurückliegenden Halbjahr die Lage in Genf, wo sich der Anstieg auf 1,8 Prozent beschränkte. Dies sei angesichts des hohen Preisniveaus aber immer noch beachtlich, urteilen die Verfasser des „Swiss Real Estate Bubble Index“. In anderen Regionen blieb der Boom ungebrochen, so in Zürich und Lausanne mit plus 3,8 Prozent in einem halben Jahr und Zug mit plus 5,1 Prozent. Spitzenreiter war das Ferien- und Zweitwohnungsziel Davos mit einem Zuwachs von 7,6 Prozent.

In ihrem im Oktober veröffentlichten „Immo-Monitoring“ nennen die Fachleute der Immobilienberatung Wüest & Partner dort für Eigentumswohnungen mit vier Zimmern eine Preis-Spanne zwischen 656 000 und 1,5 Millionen Franken (1,25 Millionen Euro). Der Medianwert liegt bei gut einer Million Franken. In Zürich und Basel, beliebten Zielen deutscher Einwanderer, liegen die Preisbänder zwischen 714 000 und 1,9 Millionen Franken beziehungsweise 583 000 und 1,1 Millionen Franken.

Verschärfte Kreditauflagen

Für den Gesamtmarkt, der schon einiges länger als in Deutschland blüht, sieht Wüest & Partner eine weiterhin rege Nachfrage. Neben den niedrigen Zinsen sorgt die Einwanderung gut verdienender Fachkräfte für die Preissprünge in Schweizer Immobilien. Die Nationalbank zeigt sich darüber seit langem beunruhigt. Die Finanzmarktaufsicht Finma und die Regierung in Bern sind auf derselben Linie. Dies ist nicht ohne Folgen geblieben. Seit dem 1. Juli gelten zwei neue Regeln und zwar sowohl für selbstgenutztes Wohneigentum als auch für Renditeobjekte.

Wer eine Hypothek will, muss erstens mindestens 10 Prozent des Beleihungswertes durch Eigenmittel finanzieren. Sie dürfen nicht aus dem Vorbezug der in der Schweiz verbreiteten Pensionskassengelder stammen. Zweitens muss die Kreditsumme innerhalb von 20 Jahren auf zwei Drittel des Marktwertes zurückgeführt werden. Die beliebten Hypotheken ohne Tilgungsanteil fallen damit weg.

Die Regeln haben sich die Banken unter politischem Druck selbst auferlegt. Ihre Einhaltung soll von einer unabhängigen Stelle überprüft werden. Genaue Prüfungen scheinen nötiger denn je. Die UBS-Immobilienexperten schreiben nämlich, der „gefährliche Trend“ einer weiterhin stark wachsenden Hypothekarverschuldung der Haushalte zeige „keinerlei Anzeichen einer Abschwächung“.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Nach SNB-Negativzinsen UBS führt Negativ-Zinsen ein

Die Schweizer Nationalbank hat Mitte Januar Negativzinsen von 0,75 Prozent auf Einlagen von Banken eingeführt. Obwohl die UBS davon bisher ausgenommen ist, will die Bank nun eine Gebühr auf hohe Guthaben von Großkunden erheben. Mehr

27.01.2015, 12:08 Uhr | Finanzen
Abriss in der Schweiz Europas älteste Häuser

Im Kantonsstädtchen Schwyz sind alte Gebäude nicht vor dem Abriss sicher. Am lukrativen Zürichsee ist Baugrund begehrt und deshalb knapp. Bisher wurden Abrissgenehmigungen schnell erteilt. Mehr

16.10.2014, 14:09 Uhr | Stil
Nach der Freigabe des Franken Nachbeben an der Schweizer Börse

Wer in Schweizer Aktien investiert hat, muss nach der Aufhebung des Mindestkurses große Verluste hinnehmen. Vor allem Bankaktien zählen zu den Verlierern. Mehr

16.01.2015, 10:03 Uhr | Finanzen
Franken Schweizer Ansturm auf deutsche Geschäfte

Für viele Schweizer lohnte sich bisher schon der Einkauf in Deutschland. Nach der Abkopplung des Franken vom Euro erwarten grenznahe deutsche Städte am Wochenende nun einen Ansturm auf ihre Geschäfte. Mehr

19.01.2015, 10:36 Uhr | Finanzen
Nach Franken-Freigabe Erste Hoffnungszeichen aus der Schweiz

Nach der Freigabe des Wechselkurses vor fast zwei Wochen lassen sich erste Anhaltspunkte dafür finden, dass sich die Situation am Schweizer Kapitalmarkt wieder einpendelt. Mehr Von Gerald Braunberger und Markus Frühauf

27.01.2015, 19:28 Uhr | Finanzen
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 06.11.2012, 17:07 Uhr

Die vernachlässigten Steuerzahler

Von Manfred Schäfers, Berlin

Der Finanzminister rechnet die kalte Progression klein. Die Abgeordneten werden schlecht informiert. Mehr 5 5


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Umfrage

Soll Griechenland aus dem Euro ausscheiden?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

Grafik des Tages Schusswaffen holen fast die Autos ein

In Amerika sterben mehr als 33.000 Menschen im Jahr durch Waffen - das sind fast so viele wie Tote im Straßenverkehr. Mehr 3

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden