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Brandschutz Selbstschutz im Schlaf

 ·  Rauchmelder können Leben retten, doch nicht in allen Bundesländern ist ihre Installation Pflicht. Eigentümer sollten daher selbst tätig werden und ihre Wohnimmobilie nachrüsten.

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Hermann Gouverneur gelang im letzten Moment die Flucht. „Ich wäre ansonsten verbrannt oder erstickt“, der Rentner ist sich sicher, und er berichtet von jenem Januarmorgen, an dem sein Leben auf der Kippe stand. In den frühen Morgenstunden wurde der Saarländer aus dem Schlaf gerissen. Aus der Küche schlugen Flammen, Rauch drang in Flur und Schlafzimmer. Geistesgegenwärtig flüchtete Gouverneur im Pyjama über den Keller ins Freie.

Der 76-Jährige hatte Glück, doch er hatte auch vorgesorgt: Vor ein paar Jahren erwarb er drei Rauchmelder, einen für jede Etage seines Wohnhauses. Verpflichtet dazu war er laut Landesbauordnung nicht - und wäre es auch heute noch nicht. Denn lediglich für Neu- und Umbauten schreibt das Saarland die Installation der Geräte vor.

Brief mit sieben Siegeln

Spricht man mit Bauherren und Eigentümern, rangiert das Thema Brandschutz meist unter „ferner liefen“ - anders etwa als Maßnahmen gegen potentielle Einbrecher. „Brandschutz ist ein Brief mit sieben Siegeln, den man erst einmal nicht aufmachen will“, beschreibt Reimund Stewen, Vorstandsmitglied des Verbands Privater Bauherren (VPB), die offenbar weit verbreitete Einstellung. Kommt die Rede auf die unterschiedlichen Regeln zur Rauchmelder-Pflicht, dann flüchtet sich der Architekt und Sachverständige schon mal in Sarkasmus: „Das muss so sein, weil es in jedem Bundesland anders brennt“.

Dabei ist auch Stewen das Thema wichtig. Schließlich sterben in Deutschland jedes Jahr mehrere Hundert Menschen in den eigenen vier Wänden an den Folgen von Brandverletzungen und Rauchvergiftungen. Die Zahl der Verletzten liegt noch um einiges höher, der Sachschaden ist immens. Doch weil vielen Eigentümern und Mietern das Thema abstrakt erscheint, werden gesetzliche Vorschriften schon mal bewusst oder unfreiwillig ignoriert; so auch die zu Rauchmeldern.

Piepsende Frühwarnsysteme

Die kleinen Hightech-Geräte bieten zwar keinen direkten Schutz vor Bränden, können aber Leben retten und dafür sorgen, dass ein Feuer früher bemerkt und schneller eingedämmt werden kann. In mehreren Bundesländern ist die Installation der piepsenden Frühwarnsysteme Pflicht, doch an einer bundesweit einheitlichen Regelung fehlt es bis heute. Die wäre zwar wünschenswert, sagt auch Kathrin Jarosch vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), doch müssten Eigentümer und Mieter nicht erst auf den Gesetzgeber warten, bevor sie tätig werden: „Es geht schließlich um die eigene Sicherheit“, gibt Jarosch zu bedenken.

In Rheinland-Pfalz endete in diesem Sommer die Übergangsfrist, seither müssen auch alle Bestandsbauten mit Rauchmeldern ausgerüstet sein. Das dem so ist, daran hegt nicht nur Antje Kahlheber von der Verbraucherzentrale ernsthaft Zweifel. Es werde auch nicht kontrolliert, doch wenn es zum Schadensfall komme, dann könne es teuer werden, warnt sie; im Extremfall bis hin zum Erlischen des Versicherungsschutzes, warnen Verbraucherschützer.

Auch für Laien machbar

Kahlheber empfiehlt deshalb, in jedem Falle nachzurüsten. Gefordert sind die Haus- und Wohnungseigentümer, doch sollten Mieter im Zweifel nachhaken und auf die Installation drängen. Beim Kauf gilt es einiges zu beachten: Die Rauchmelder sollten der Norm DIN EN 14604 genügen, nur dann erfüllen sie auch die Mindestanforderungen, etwa was die Lautstärke des Alarmtons anbelangt. Ein entsprechender Hinweis findet sich auf den Verpackungen. Ausgestattet werden müssen Schlaf- und Kinderzimmer, außerdem Flure, die auch als Fluchtweg dienen. In Küchen kommen die Geräte jedoch an ihre Grenzen, da hier die Luft vom Kochen oft rauch- und dampfgeschwängert ist.

Die Montage der Rauchmelder ist auch für Laien machbar, weshalb nicht eigens ein Fachbetrieb engagiert werden muss. Allerdings müssen die kleinen weißen Dosen sachgerecht angebracht werden, und hierbei gilt es ein paar Regeln zu beachten. Da Rauch nach oben steigt, müssen die Melder an der Zimmerdecke montiert werden - und zwar in der Raummitte und mit ausreichendem Abstand zu Einrichtungsgegenständen. Immer wieder stelle er fest, dass die Melder aus optischen Gründen an Wänden versteckt oder in Deckenecken verbannt würden, berichtet Christoph Willger, Vertriebsleiter der Securiton GmbH in Trier. „Da wird schon noch einiges falsch gemacht“, weiß er von zahlreichen Hausbesuchen.

Nicht am falschen Ende sparen

Willger warnt davor, bei den Rauchmeldern am falschen Ende zu sparen und zu Billigprodukten zu greifen. Das gilt, auch was die Laufzeit der Batterien anbelangt. Neigt diese sich dem Ende zu, gibt das Gerät frühzeitig Signaltöne ab. Manche Hersteller bieten für ihre Melder zehn Jahre Garantie und versprechen eine ebenso lange Lebensdauer für die Batterien. Derartige Modelle sind schon für Preise zwischen 20 und 30 Euro zu haben.

An einem regelmäßigen Check führt indes auch dann kein Weg vorbei, hebt Antje Kahlheber hervor. Einmal jährlich sollten die Geräte inspiziert und beispielsweise geprüft werden, ob die Raucheintrittsöffnungen frei sind, oder ob sich dort Staub festgesetzt hat. Auch das lässt sich in Eigenregie bewerkstelligen.

Hermann Gouverneur bereitet sich unterdessen auf die Rückkehr in sein wiederhergerichtetes Zuhause vor. Die Ursache für den Küchenbrand im Januar konnte bis heute nicht geklärt werden, doch das Unglück bestätigte ein Phänomen: Feuer brechen häufig in der Nacht aus, dann sind auch die meisten Opfer von Wohnungsbränden zu beklagen. So bieten Rauchmelder auch eine Art Selbstschutz im Schlaf.

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24.05.2013 17:45 Uhr
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