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Bootshäuser Häuser zum Ablegen

 ·  Wenn Terrasse und See ineinanderfließen: Bootshäuser sind Plätze im amphibischen Reich. Sie taugen aber für mehr als nur zum Ein- und Ausparken von Sportbooten.

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© Pein, Andreas Wie aufgefädelt: Bootshäuser am „Granzower Moeschen“ in Mecklenburg-Vorpommern

Was für eine Idylle, und das auf einer Garageneinfahrt. Das Schilf wiegt leise im Wind, direkt unter dem Steg plätschert das Wasser. Ab und an springt eine Ente hinauf auf die Holzbohlen. Ruderer ziehen vorbei. Nur ein Holztor muss die Hausbesitzerin Sabine Jentsch öffnen, dann kann auch sie ihr Boot aus der Garage ziehen und los rudern. Oder sie nimmt die andere Tür, gleich nebenan, die direkt vom Steg ins Wohnzimmer führt. Denn Sabine Jentschs Wochenendhaus und Bootsbox sind eins.

Die reetgedeckte Kate steht auf Holzpfählen im Granzower See in Mecklenburg, zwischen der Stadt Neustrelitz und der Müritz gelegen. Es ist ein amphibischer Bau. See und Terrasse, Schilf und Reetdach, drinnen, draußen - alles fließt scheinbar ineinander. „Ein Logenplatz ist das.“ So schwärmt die Eigentümerin von ihrem Steg. Wenn sie aus Berlin hierher kommt, sitzt sie oft erst mal eine Stunde lang einfach nur da.

Eigentlich ist das Haus zunächst nichts weiter als eine Garage. Am Anfang stand der Zwang, einen Kahn zum Angeln oder ein Sportboot unterzubringen. Es immer startbereit zu haben und vor dem Wetter zu schützen. So entstanden früher Bootshäuser an vielen deutschen Seen und Flüssen, immer da, wo die Pegelstände nicht zu sehr schwanken. Manche sind bis heute nur einfache Hütten, die allenfalls eine Schlafkammer haben, andere sind ausgebaut mit Sonnendecks und Salons. Sie dienen nicht nur zum Ablegen, sondern auch zum Abheben: Man schwebt hier über dem Ufer.

Perlenschnur im Schilf

Eine Mecklenburger Spezialität sind ganze Häuserreihen. Die Katen sind dabei an den Seeufern aufgefädelt wie die Perlen auf der Schnur. Datschen auf Stelzen sind es, meist stammen sie aus DDR-Zeiten. Doch so uniform, wie sie einmal waren, sehen diese Schuppen heute nur noch auf den ersten Blick aus - die Besitzer haben sie oft zu komfortablen Ferienhäusern ausgebaut. Im Inneren sind alle verschieden.

Die Hütte von Sabine Jentsch am See in Granzow gehört auch zu einer Siedlung, hier sind es acht reetgedeckte Häuser, die im Schilf Spalier stehen. Im vergangenen Winter haben sie und ihr Mann Bernhard Schefzig das Holzhaus gekauft. Berlin ist etwa 150 Kilometer entfernt, jetzt kommt das Paar, so oft es geht, her. Die Suche war nicht ganz einfach. Mehrere Sommer lang zogen sie von See zu See, bis sie ihr Bootshaus fanden. Über den Winter baute es ein örtlicher Tischler nach ihren Vorstellungen um. Das Gebäude ist sechs Meter breit und zehn Meter lang, die Türschwelle liegt an Land, der restliche Bau ragt in den See - so wie bei den Nachbarn auch. Seit vierzig Jahren stehen die Häuser mit den spitzen Dächern hier.

Jetzt ist im Ferienhaus die Bootsbox etwas geschrumpft, eine Art Zwischenetage wurde eingezogen. Der Bug des Kahns wird zum Parken daruntergeschoben. Hinter diesem Einbau befinden sich Sauna, Bad und eine neue Küche. Unten liegt das große Wohnzimmer, draußen vor der Terrassentür der acht Meter lange Steg. Unterm Dach sind zwei Schlafzimmer untergebracht. Über etwa 70 Quadratmeter Wohnfläche verfügt das Bootshaus, das dank der neuen, größeren Fenster lichtdurchflutet ist. „Sonst wollten wir aber nicht viel am Äußeren verändern“, berichtet die Hausherrin. Das Haus sollte schlicht sein wie zuvor. Auch die einfache Eingangstür behielten sie. Nur ein Bullauge kam hinein.

Bootshäuser ab 30.000 Euro

Die Siedlung ist sowohl ans Stromnetz als auch an die Kanalisation angeschlossen. „Das ist natürlich komfortabel“, sagt Hans-Joachim Hasenfuß, ein Nachbar, dessen Hütte zwei Stege entfernt liegt. Man grüßt und unterhält sich über das Schilf und die vertäuten Boote hinweg. Hasenfuß stammt eigentlich aus Niedersachsen, er besitzt seit fast zehn Jahren sein Bootshaus inklusive Uferstreifen und einem Stückchen See. Bei ihm im Haus sieht es rustikaler aus. Ein „Hechtstübchen“ hat er eingerichtet, das ist eine Bar mit Binnenschifferromantik. Gleich daneben liegt das rote DDR-Motorboot im Schuppen, durch das Tor sieht man den See. Oft vermietet Hasenfuß das Haus an Feriengäste.

Interessenten, die am liebsten gleich den ganzen Pfahlbau kaufen wollen, gibt es ebenso. Denn jeder, der am See entlangkommt, entdeckt den Charme der Siedlung: Sie ist bunt gemischt, und doch sind sich die Besitzer offenbar untereinander eins. Ein paar kommen aus der Umgebung, andere von weiter her. Ein Haus hat eine schicke Loggia und elektrisch betriebene Garagentore bekommen. Am anderen hat seit Jahrzehnten die simple „Ruderjolle Rügen“ festgemacht. Die Lage ist unangefochten, das hat seinen Preis. Sanierte Mecklenburger Bootshäuser dieser Art kosten derzeit zwischen 160.000 und 180.000 Euro. Unsaniert kann man sie schon für 30.000 bis 40.000 Euro bekommen.

Erste-Klasse-Salon am Wannsee

Ein teures Hobby leisten sich derzeit auch viele Besitzer von Villen und Ufergrundstücken in Berlin und Potsdam: Sie bauen Bootshäuser, und wie es scheint, bauen sie um die Wette. Was da an der Wasserkante geboten wird, ähnelt einer Architekturausstellung in Sachen „Sonderbauten“. Am Großen Wannsee, Kleinen Wannsee, Griebnitzsee, überall bietet sich das gleiche Bild. Erst werden Pfähle tief in den See gerammt, dann wird ein Raster von Holzbalken darauf gezimmert. Auf dieser Gründung wächst das Bootshaus empor, oft sogar eine Art Bootspalast.

Viele sind Nachbauten historischer Anlagen, die vor einhundert Jahren schon einmal in den reichen Villenkolonien gestanden haben. Diese Bootsgaragen sind meist aus Holzfachwerk, sie haben Reetdächer und im Obergeschos große Terrassen. Der Platz direkt am Wasser zählt zum Schönsten, was ein ohnehin privilegiertes Seegrundstück bieten kann. Damit übernimmt das Bootshaus gleich auch die Rolle des Teepavillons im Villengarten vergangener Tage.

Eine Garage um das Schiff herum

Andere Bootshäuser erinnern dagegen an nordamerikanische Bauten, mit hell lackierten Bretterfassaden und Freisitzen im Obergeschoss. Stattliche Motoryachten finden hier Platz. Oft geben deren Maße die Größe für das Bauvorhaben vor, erklärt der Besitzer einer Villa am Kleinen Wannsee. So war es auch bei ihm: Er hat seine Garage um sein Schiff herum bauen lassen. Es ist um die neun Meter lang und 2,80 Meter hoch, so musste ein ansehnlicher Bau her. Ein Architekt entwarf eine moderne Variante: einen schlichten, steinernen Kubus. Auf dem Dach ist eine Aussichtsterrasse und ein Raum mit riesigen Fensterflächen und einem halbovalen Dach aus Kupfer. Diese Bauform hat auch das neugebaute Schwimmbad, das dahinter im Garten steht. Die Denkmalbehörde genehmigte beides im Paket.

Aus seinem Salon kann der Freizeitkapitän durch einen gläsernen Boden hinunter aufs Schiff schauen. Als wäre es die Erste Klasse eines Kreuzfahrtschiffes, stehen da zwei mächtige Ledersessel, die sich weit in Rückenlage bringen lassen. Da lasse man sich abends hineinfallen, erzählt der Hausherr, und schaue weit über die Wasserstraße hinaus, die vor einem liegt. Auch das ist eine Loge. Das Schiff muss man nicht einmal bewegen. Selbst im Winter sind Uferhäuser dieser Kategorie reizvoll - schließlich haben sie Heizungen. Ihre Eigner laden etwa, wenn das Wasser vor der Nase zugefroren ist, zu „Eispartys“ ein.

Der Klassiker

Es geht aber auch bescheidener - zum Beispiel im Berliner Südosten. Wasserflächen gibt es dort genauso im Überfluss, und immerhin: Hier und da hat auf einem Seegrundstück auch einmal eine frühere exklusive Bootsgarage die Jahre überstanden. So besitzt Heike Kolossa noch heute genau das schmucke Häuschen mit Wasserzufahrt, in dem sie als Kind schon gespielt hat. Es gehört zum Familienanwesen am Zeuthener See. Heike Kolossa, heute 67 Jahre alt, lebte immer hier. Mittlerweile sind zwei weitere Generationen hinzugekommen, und alle haben im Sommer einen Lieblingsplatz: der Bootshausbalkon, dort wird gefrühstückt.

Gegenüber, am anderen Seeufer, geht die Sonne auf. Liebevoll schmückt Heike Kolossa die Balkonkästen mit Geranien, sie sind so rot wie die Holzlatten, mit denen der alte Bau verschalt ist. Ein wenig sieht er wie ein Hexenhaus aus. Schwäne ziehen davor ihre Bahnen, unablässig fliegen Schwalben in der Bootsgarage ein und aus, unter dem halb offenen Rolltor hindurch.

Wie Seeterassen

Andere, einfache Bootshäuser gehören in dieser Gegend ebenso zu jedem Ufer. Sie sind nicht viel mehr als hölzerne Unterstände. Doch stilgetreu sind sie mit Reet gedeckt. Bis hinunter zum Spreewald findet man diese schlichten Schuppen. Wie im Dornröschenschlaf sind viele eingewachsen, wenn nicht von Schilf, dann von Weidenbäumen oder Pappeln am Ufer. An alte Fischer-Zeiten erinnern noch Ortsnamen wie „Berlin-Rauchfangswerder“, das ist eine Halbinsel, auf der fast jeder Bewohner Anleger und Steg besitzt. Windschief sind viele Stelzenbauten, aber als Badestelle reichen sie aus.

So kennt man es auch aus einer ganz anderen Region, von den oberbayerischen Seen. Dort stehen viele einfache Holzbuden am Wasser, in die ein Ruderboot oder eine Jolle mit abgeklapptem Mast hineingeschoben werden kann. An einer Seilwinde zieht man die Boote ein Stück weit hinauf unters Dach. Die Ufer von Starnberger See, Ammersee oder auch Chiemsee sind voll davon. Und die eigentliche Perle dabei sind ihre Badestege, die dazugehören. Diese Plätze genau auf dem Wasser, jeder wie eine kleine Seeterrasse. Keiner würde so mehr genehmigt.

Weitere Informationen unter www.bootshaeuser.de

Quelle: F.A.S.
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24.05.2013 11:28 Uhr
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