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Wohnungsbau : Berliner Luxus ohne Ende

Teurer geht’s in Berlin derzeit nicht: Ein Quadratmeter Penthouse im Beisheim Center am Potsdamer Platz kostet 22 000 Euro. Bild: F1online

Wohnungen in der Hauptstadt sind bei reichen Ausländern so beliebt wie noch nie. Wo bleibt der Berliner?

          Wer verstehen will, was auf dem Berliner Immobilienmarkt los ist, muss ins Ausland blicken. Zum Beispiel nach Schanghai: Es ist ein milder Herbsttag, die Familie aus Kanada ist frisch eingezogen und hat die Nachbarn zur Grillparty eingeladen - alles Ausländer wie sie selbst, von großen Unternehmen nach China entsandt. Es gibt deutsche Würstchen, neuseeländischen Wein und chinesisches Bier. „Ihr seid aus Deutschland?“, fragt die Kanadierin ihre neue Nachbarin. „Cool, wir haben gerade in Berlin eine Wohnung gekauft. Als Kapitalanlage.“ Das Paar aus Israel schließt sich an. „Haben wir auch kürzlich gemacht. Wir wollen sie allerdings auch selbst nutzen.“ Auch die Gäste aus Italien erzählen, dass sie planen, eine Wohnung in Berlin zu kaufen - für die Kinder, wenn sie dort einmal studieren wollen, und natürlich als Investment. „Wir waren die Einzigen, die noch nicht mit dem Gedanken gespielt haben, uns Eigentum in der deutschen Hauptstadt zuzulegen“, erzählt die Deutsche immer noch verwundert.

          Judith Lembke

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ein paar Wochen später steht Alexander Harnisch mitten in Berlin vor einem leeren Grundstück. Unrat stapelt sich zwischen den kahlen Baumstämmen, der Boden ist von Blättern und blauen Müllsäcken bedeckt. Gegenüber liegt der Parkplatz eines Möbelgeschäfts, auf dem Kirchplatz haben sich ein paar Obdachlose niedergelassen. Das schmucke schwarze Büdchen des Immobilienentwicklers Diamona und Harnisch wirkt in dieser Umgebung an der Kurfürstenstraße, bekannt für ihren nächtlichen Drogenstrich, ziemlich verloren. „Hier wäre selbst eine Frittenbude eine Aufwertung“, sagt Harnisch selbst.

          Frittenbude als Aufwertung

          Dabei plant er deutlich Größeres als einen Stehimbiss: 12 000 Quadratmeter Wohnfläche, aufgeteilt in 127 Eigentumswohnungen plus eine Gewerbeeinheit von 200 Quadratmetern. Bei 4400 Euro geht der Preis im „Carré Voltaire“ los, knapp 7000 Euro je Quadratmeter soll das Penthouse kosten. Die Baugenehmigung wurde erst vor ein paar Tagen erteilt, doch der Vertrieb läuft schon auf vollen Touren - in China. „Wir haben 40 Reservierungen, alle aus dem Ausland“, sagt Harnisch. Den deutschen Markt habe man „zunächst gar nicht erst angesprochen“. Vielleicht weil Ausländer in dieser Gegend von Schöneberg, ziemlich genau zwischen Potsdamer Platz und Kurfürstendamm gelegen, eher das Potential sehen, von dem die Immobilienleute schwärmen, und nicht so sehr die Tristesse. „Von Chicago oder Abu Dhabi aus gesehen hört sich Kurfürstenstraße ja auch an wie Kurfürstendamm“, unkt ein Anwohner. Vielleicht aber auch, weil sich im Moment in Berlin alles verkauft - an Chinesen, Russen, Amerikaner, Israelis und zunehmend auch Araber aus dem Mittleren Osten.

          „Es ist hip, in Berlin eine Wohnung zu haben“, sagt Thomas Zabel von der Zabel Property Group, einem Maklerhaus, das sich auf den Verkauf von luxuriösen Berliner Wohnungen an Ausländer spezialisiert hat. Eigentum in der deutschen Hauptstadt zu besitzen gilt in der internationalen Geldelite als ähnlich erstrebenswert wie ein Tesla-Elektroauto oder eine 40 000-Dollar-Uhr. Vor allem lassen sich die solventen Ausländer von Zahlen überzeugen: Für 5500 Euro je Quadratmeter, die eine Luxusimmobilie bei Zabel im Durchschnitt kostet, bekommt man im Zentrum von London oder New York noch nicht mal einen Quadratmeter Tiefgaragenstellplatz. Dass die Kaufkraft in der deutschen Hauptstadt deutlich niedriger ist und der Berliner Immobilienmarkt ganz anders funktioniert als in den angelsächsischen Metropolen, die politische Regulierungen wie Mietpreisbremse, Kapppungsgrenzen und Umwandlungsverbote nicht kennen - sei’s drum.

          Was wissen ausländische Käufer schon von der Mietpreisbremse?

          Zabel verkauft mehr als 70 Prozent seiner Immobilien an Ausländer. Die Chinesen mögen es lieber kleinteilig, Zweizimmerwohnungen für 350 000 Euro, dafür aber gleich mehrere. Engländer kaufen lieber im alten Westen, in Charlottenburg und Wilmersdorf, denn „das erinnert sie irgendwie an zu Hause“. Die Russen bleiben wegen des Rubelverfalls weg, werden aber durch Käufer aus dem Mittleren Osten ersetzt. „Die wollen alle nach Mitte“, sagt Zabel. Zum Beispiel in den „High Park“ am Potsdamer Platz. Bisher steht von dem exklusiven Wohnhaus erst der Rohbau. Ende 2017 soll das Gebäude fertig sein, das direkt über einer U-Bahn-Station liegt, von der man aber „dank der Meisterleistungen der Ingenieurskunst“ nichts mitbekommen wird, verspricht zumindest der Makler.

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