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Veröffentlicht: 01.01.2011, 17:33 Uhr

Berlin City West Ramsch war gestern

Seit dem Fall der Mauer wirkte die Berliner City West eher blass und ramschig. Doch plötzlich reden in der Hauptstadt wieder alle über den Westteil. Kein Wunder, denn in der Gegend um Ku’damm, Gedächtniskirche und Zoo sind eine ganze Reihe von Großprojekten im Bau.

von Jörg Niendorf
© Andreas Pein Arbeiten, leben, einkaufen: Für Aufbruchstimmung in der City West sorgen spektakuläre Baustellen wie in der Budapester Straße...

Berlins höchster Luxusturm entsteht am Zoo. Dort wird derzeit das Waldorf Astoria Hotel gebaut – genau zwischen Bahnhof Zoologischer Garten und Breitscheidplatz gelegen. Die 32 Stockwerke sind im Rohbau fertig. Nun montieren die Arbeiter in rasantem Tempo die Fassadenteile, unten aus Sandstein, oben aus Glas. „Zoofenster“ nennt der Investor Harvest aus Abu Dhabi den Neubau. Das 180 Millionen Euro teure Hotel, das die Hilton-Gruppe betreiben wird, soll neuer Glanzpunkt im alten Westen sein.

Auch in der Nachbarschaft geht es voran. Dort beginnen die Sanierungsarbeiten am „Zoobogen“, einem langgestreckten Komplex aus der Nachkriegszeit, zu dem zwei Hochhäuser, das Zoopalast-Kino und in der Mitte das sogenannte Bikinihaus gehören. Souvenirläden waren die letzten Mieter. Günstige Massenware und viel hässlicher Beton sorgten für den schlechten Ruf des ganzen Karrees. Nun fahren die Baukräne auf.

Billig-Läden sind die Ausnahme

Dass die Investoren im Westteil das große Rad drehen, erschien vielen in Berlin lange Zeit unmöglich. Nach dem Fall der Mauer durchlief der Ostteil der Stadt eine rasante Entwicklung. Die City West dagegen, insbesondere die Gegend um die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, mit ihren städtebauliches Zeugnissen aus den fünfziger und sechziger Jahren wirkte blass, uninteressant bis ramschig.

Uhlandstraße © Andreas Pein Vergrößern ...für Lebensqualität sorgt eine gute Wohnlage wie in der Uhlandstraße...

Das ändert sich. Am Breitscheidplatz, am Fuße des künftigen Hotelturms, gibt es noch ein einzelnes „Schuh- und Strumpfparadies“. Billig-Läden wie dieser sind mit einem Mal die Ausnahme im Quartier. Auch der „Beste Kebap Berlins“, eine Verkaufsbude an einer alten Parkhausrampe, ist mittlerweile einzigartig. Alle anderen Imbisse drum herum sind geschlossen, seit der Turm im Bau ist. Zuvor lag das Grundstück 15 Jahre hinter einem Bauzaun brach.

Dreck und Lärm zur Reinigung

„Das alles hat schon jetzt eine enorme Wirkung“, erläutert Gottfried Kupsch, der mit seiner Firma auf die Vermittlung von Gewerbeimmobilien spezialisiert ist und von seinem Büro im Europa-Center an der Budapester Straße aus die Entwicklung aus nächster Nähe verfolgen kann. Das Einkaufszentrum ist quasi der Inbegriff der in die Jahre gekommenen City West. Kupsch sagt, er habe diesen Teil der Stadt trotz des eher schlechten Standort-Images immer gemocht. Seit das Viertel im Umbruch ist, ist er umso lieber hier. Aus seinem Bürofenster beobachtet er den Bau des Waldorf Astoria und schaut – genaugenommen – einem paradoxen Schauspiel zu: wie Dreck, Lärm und Baustellenverkehr ein zuvor schmuddeliges Karree bereinigen.

Optimisten wie er gehen davon aus, dass selbst die schrillen Straßenzüge direkt am Bahnhof Zoo von den Veränderungen erfasst werden. Überhaupt senden professionelle Beobachter reihenweise positive Signale aus der City West aus. Sie verweisen etwa auf das „Haus Cumberland“ am Kurfürstendamm – einen riesigen, lange leerstehenden Denkmalkomplex mit etlichen Innenhöfen. 2006 hatte die Orco-Gruppe das Anwesen gekauft, kam aber mit der Entwicklung nicht voran und trennte sich im vergangenen Sommer von dem ursprünglich als „Boarding-House“ geplanten Gebäude. Nun wollen Profi Partner aus Berlin den historischen Bau gemeinsam mit dem Kölner Immobilienentwickler Thomas Bscher für 120 Millionen Euro in ein Wohn- und Geschäftshaus verwandeln. Etwa 210 Wohnungen sind geplant – zu Quadratmeterpreisen von 3500 bis 7500 Euro. Baubeginn soll im Frühjahr sein. Damit nicht genug, entsteht in der Nachbarschaft ein gläserner Neubau für Büros und Geschäfte, außerdem wird gerade ein Sechziger-Jahre-Hochhaus vorbildlich instand gesetzt.

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