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Baumkauf : Charakterdarsteller im Garten

Weiße Pracht: Magnolien zählen im Frühling zu den Stars im Garten Bild: Baumschule Bruns

Ob Buche, Eiche oder Obstgehölz - im Garten sind stattliche Bäume gefragt. Sie sollen Format haben, ausdrucksstark sein und dicke Früchte tragen. Doch solche Exemplare sind keine Massenware.

          Der Kunde aus Prag kam mit klaren Vorstellungen. Der Baum, den er suchte, sollte nicht nur der perfekte Kletterbaum sein, sondern obendrein stabil genug, um ein Baumhaus tragen zu können. Die Wahl fiel auf eine Buche: 11 Meter hoch, mit einem Stammumfang von mehr als 130 Zentimetern am unteren Ende und einem Kronendurchmesser von fast 10 Metern. Um die 30 000 Euro zahlte der Käufer. Die Baumschule Lorberg bei Berlin, in deren Bestand er fündig geworden war, lieferte ihm das stattliche Exemplar nach Hause - per Tieflader.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          “Wir haben dem Mann nicht nur einen Baum verkauft, sondern auch Zeit“, sagt Johannes Grothaus, der die Geschäfte von Lorberg mit leitet. Rund 50 Jahre hat der Baum gebraucht, um zu werden, wie er ist. So lange kann nicht warten, wer seinem Sohn noch zur Kinderzeit ein Baumhaus schenken will.

          Doch nicht nur Baumhausbauherren haben ein begrenztes Zeitfenster. Auch sonst scheinen immer mehr private Gartenbesitzer die Freude am langsamen Wachsen und Gedeihen zu verlieren. Die Hainbuchenhecke soll möglichst hoch und blickdicht sein, der Apfelbaum garantiert dicke Früchte tragen und die Eiche unter ihrer mächtigen Krone zum Verweilen einladen. Nicht erst eines fernen Tages, sondern sofort.

          Trend zum Instant-Garten

          Zudem herrscht mittlerweile bei vielen die Vorstellung, dass jeder Baum und jede Heckenpflanze in der gewünschten Größe das ganze Jahr über erhältlich seien - so wie Zahnpasta oder Brot. Der Trend geht zum Instant-Garten. „Die Leute nehmen sich immer weniger Zeit“, stellt Grothaus fest.

          Anders als es das Sprichwort nahelegt, ist es kein Problem, einen alten Baumschulbaum zu verpflanzen. Denn diese werden im Schnitt aller vier Jahre umgesetzt. Durch das Verschulen, wie der Fachterminus heißt, bilden sich sehr feine Wurzeln. Dadurch kann die Pflanze problemlos an einen neuen Standort umziehen. Manche Bäume werden von mehreren Generationen von Baumschulern gepflegt, ehe sie einen Käufer finden. Dann allerdings haben sie einen entsprechend hohen Preis, der deutlich höher liegen kann als der, den der Käufer aus Prag für die Buche zahlte.

          Einen alten Baum verpflanzt man nicht? Von wegen. Die Baumschulbäume werden alle vier Jahre umgesetzt. Daher bilden sie nur feine Wurzeln. Bilderstrecke
          Einen alten Baum verpflanzt man nicht? Von wegen. Die Baumschulbäume werden alle vier Jahre umgesetzt. Daher bilden sie nur feine Wurzeln. :

          Wer die nötigen finanziellen Mittel besitzt, investiert in ein Gehölz von Format, das dem eigenen Garten eine besondere Note verleiht. Nicht von ungefähr heißt denn auch die Parzelle, auf der die Baumschule Lorberg ihre Baum-Unikate präsentiert, „Theater“. Dessen Charakterdarsteller sind Katharina von Ehren bestens vertraut. Als Spross der Hamburger Baumschuldynastie von Ehren kennt die Gartenbauingenieurin nicht nur den Familienbetrieb, sondern auch den Bestand der Konkurrenz. Seit die 46 Jahre alte Baum-Expertin vor gut zwei Jahren nach einem Zwist aus der Baumschule von Ehren ausschied und sich selbständig machte, spürt sie für ihre Kunden ganz besondere Bäume auf.

          Kreativität der Baumschulen

          Die Idee dazu brachte sie aus den Vereinigten Staaten mit. Tree-Broker nennen sich dort die Pflanzenhändler, die sich in der Regel nahe der großen Baumschulen ansiedeln, im Auftrag von Kunden oder auch spekulativ Bäume erwerben, die sie weiterverkaufen. Auch in Nordamerika ist das ein Ausnahmeberuf. In Deutschland sind Katharina von Ehren und ihre Geschäftspartnerin Maike Rohde die einzigen Tree-Broker. Nicht nur am heimischen Markt, sondern auch in Dänemark und den Beneluxstaaten reisen sie regelmäßig von Plantage zu Plantage, um auf dem Laufenden zu sein.

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