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Union-Investment-Hochhaus : Prominenz für die Frankfurter Skyline

Riverside Tower: Ausnahmeerscheinung abseits der Skyline. Bild: Büro Ole Scheeren

In Frankfurt herrscht Hochhaus-Bauboom. Mal wieder. Dabei geht es nicht mehr nur um große Gebäude, sondern auch um große Namen. Nun tritt auch der „Herr der Türme“ an.

          Der Turm ist keine 100 Meter hoch, steht abseits des Bankenviertels zwischen Hauptbahnhof und Main, und wirklich neu ist er auch nicht. Trotzdem spricht Ulrich Höller selbstbewusst von landmark. Es ist früher Mittwochmorgen. Im Büro der GEG German Estate Group in der Frankfurter Innenstadt ist der Vorstandsvorsitzende ganz in seinem Element, als er im branchenüblichen Denglish von dem Vorhaben des Immobilienkonzerns erzählt. Es geht um ein Bürohochhaus, Baujahr 1977, Marke Betonkoloss. Bis Ende nächsten Jahres ist der Bau noch Sitz der Fondsgesellschaft, der er seinen bisherigen Namen verdankt: Union-Investment-Hochhaus. Schon heute kann man ihn nicht übersehen. Schon gar nicht nachts, wenn er in kräftigem Blau strahlt. Vor allem aber geht es an diesem Morgen um den Riverpark Tower, jenen exklusiven Wohnturm, in den sich das Trumm aus den Siebzigern durch Umbau verwandeln soll, auf dass er zur Landmarke, zum Wahrzeichen, wird.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ganz schön ehrgeizig. Zumal in der Stadt gerade mal wieder Hochhaus-Bauboom herrscht. Dass Anleger im In- und Ausland händeringend nach Immobilieninvestments suchen, hat dem Turmbau am Main Auftrieb gegeben. Dass Frankfurt keine zehn Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise bestens dasteht und auf Wachstumskurs ist, auch. Zudem tut der erwartete Umzug zahlreicher Banker nach der Brexit-Entscheidung das Übrige. Längst ist auch der dahindümpelnde Bau von Büros wieder angesprungen. Insgesamt mehr als 40 Türme – im Werden oder geplant – hat das Portal Skyline Atlas registriert, das das Baugeschehen in Frankfurt akribisch verfolgt. Beim Planungsamt geht man davon aus, dass die Stadt in nächster Zeit fast zwanzig neue Wohnhochhäuser zählen wird, darunter der schon im Bau befindliche Grand Tower – mit geplanten 173 Metern der höchste Wohnturm Deutschlands. Lange wird er diesen Titel nicht tragen. Vor Ort wächst schon ebenbürtige Konkurrenz mit dem Ensemble „Four“ heran, einem für hiesige Maßstäbe Mega-Vorhaben im Herzen der Bankenstadt. Projektvolumen eine Milliarde Euro.

          Weg von reinen Gewerbeflächen, hin zur Mischnutzung: Im neuen Projekt-Four-Areal sollen auch Cafés und Sportmöglichkeiten entstehen.
          Weg von reinen Gewerbeflächen, hin zur Mischnutzung: Im neuen Projekt-Four-Areal sollen auch Cafés und Sportmöglichkeiten entstehen. : Bild: Wolfgang Eilmes

          Das Hochhausquartett hat mächtig für Furore gesorgt. Der Größe wegen und auch, weil die Pläne dafür vom niederländischen Architekturbüro UN Studio stammen. Es ist der bisher zweite große internationale Name, der für eines der neuen Vorhaben steht. Der andere ist Bjarke Ingels, Tausendsassa des internationalen Architekturbetriebs und brillantes Marketinggenie in eigener Sache. Dessen Büro BIG hat für das amerikanische Immobilienunternehmen Tishman Speyer den ebenfalls im Bau befindlichen Omniturm entworfen, der sowohl Wohnraum als auch Gewerbeflächen vereint. Das ist im hiesigen Hochhausbau anders als in Städten wie New York, Schanghai oder Singapur noch ungewöhnlich.

          Ole Scheeren
          Ole Scheeren : Bild: Helmut Fricke

          Wider die Hierarchie?

          Mit einem innovativen Konzept dieser Art kann und will Höller an diesem Morgen nicht aufwarten. Das alte Union-Investment-Hochhaus mit seinen 95 Metern wäre dafür ohnehin das falsche Objekt, weil zu klein. Der Riverpark Tower soll auf 23 Etagen ein Boardinghaus und um die 130 Eigentumswohnungen beherbergen. Einen großen Namen aber, den man im Ausland mit architektonischen Ausrufezeichen verbindet, hat der Immobilienprofi sehr wohl zur Hand: Ole Scheeren.

          Der ist vor 46 Jahre in Karlsruhe geboren und hat unter den Fittichen von Rem Koolhaas und in dessen Büro O.M.A. eine steile Karriere in Asien hingelegt, bevor er sich vor einigen Jahren selbständig gemacht hat. Seit 2015 auch mit Büro in Berlin. An diesem Morgen sitzt Scheeren mit am Besprechungstisch im Büro der GEG. Aus dem einst von Albert Speer jr. im Stil des Brutalismus entworfenen Bau ein Wohnhochhaus mit Ausstrahlung zu machen ist sein erstes Vorhaben in Deutschland.

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