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Neue Häuser : Modern, cool, zum Wohlfühlen

Lässig hingestreckt: Das Haus der Familie Rauschenberger Bild: Frank Röth

Ein Grundstück am Hang mit freier Sicht ins Tal. Eine junge Familie hat sich hier ein Terrassenhaus gebaut – wir haben mal einen Blick hinein gewagt.

          Gut möglich, dass man erst mal vorbeifährt an diesem besonderen Haus, allein weil der Verkehrsstrom auf der Durchgangsstraße zu schnell fließt, als dass man den Blick schweifen lassen könnte. Eben hat man den Ortseingang im Norden der baden-württembergischen Kleinstadt Asperg passiert, schon ist man über den Hügel, um die Kurve und auch schon vorbei. Klein scheint der Bau und weitaus zurückhaltender als viele seiner Nachbarn in der angrenzenden ruhigen Seitenstraße. Dort zeigen nicht nur repräsentative Auffahrten, große Autos und stattliche Dächer: Wer hier wohnt, der hat es zu etwas gebracht. So gesehen, sind Felisa und Simon Rauschenberger mit nicht einmal Mitte dreißig schon ganz oben angekommen. Das darf man wörtlich nehmen, denn ihr Grundstück liegt am steilen Südhang des Aspergs, auf dessen Höhe eine Festung thront.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Schon seit einigen Jahren wohnt das junge Unternehmerpaar hier, mittlerweile mit zwei kleinen Kindern; in den nächsten Wochen kommt ein drittes zur Welt. Zunächst waren sie mit ihrem ältesten Sohn in einen in den sechziger Jahren entstandenen Vorgängerbau eingezogen. Doch dieses Haus sahen die beiden immer nur als Übergangslösung. „Von Anfang an war klar, dass man da grundlegend etwas machen muss“, erzählt Simon Rauschenberger. Das Haus zu erhalten und auszubauen stand weder für ihn und seine Frau noch für ihren Architekten Kai Dongus zur Debatte. Ein Neubau sollte es sein. „Und wenn neu, dann richtig“, sagt der Bauherr. Rauschenbergers wünschten sich ein „modernes, cooles Haus, aber zum Wohlfühlen, schließlich ist ein Zuhause ja keine Ausstellungshalle“.

          Helle Vorhänge vor der großen Glasfront

          Gleich der erste Entwurf, den der in Ludwigsburg ansässige Architekt ihnen vorlegte, kam ihrem heutigen Terrassenhaus mit Satteldach sehr nahe. Der Planer hat dafür die Typologie des klassischen Siedlungshauses in eine zeitgemäße Formsprache übertragen: Betrachtet man den Neubau von der Straße aus, fallen zum einen das umlaufende, großzügige Fensterband im Erdgeschoss und zum anderen der geschlossene Dachkörper ohne Überstand auf. Es ist ein Haus von archetypischer Form, abstrahiert und einfach. Das wirkt dezent und schön und täuscht gewaltig über das wahre Ausmaß des Baus hinweg, der immerhin eine Grundfläche von 350 Quadratmetern hat. Mit dem Haus der Rauschenbergers ist es wie mit einem Eisberg, dessen Spitze längst nicht ahnen lässt, wie groß er unter der Wasseroberfläche tatsächlich ist. Erst wenn man das Haus von der Talseite aus betrachtet, erkennt man sein eigentlich stattliches Volumen, das sich so spektakulär wie lässig über den Hang legt.

          Kai Dongus hat den transparenten Wohnbereich im Erdgeschoss als weitgehend offenes Wohnen angelegt. Das gefiel den Bauherren spontan gut. „Aber wie das so ist, man zeigt den Entwurf und hört viele Meinungen“, erinnert sich Rauschenberger. Da viele Freunde und Familienmitglieder eher reserviert auf den geplanten Freiraum reagierten, wurden auch die Bauherren unsicher und baten um eine zweite Version. Die fiel völlig anders aus – und habe letztlich geholfen, ihnen die Vorzüge der ersten Variante vor Augen zu führen, die dann auch weitgehend umgesetzt wurde, erzählen sie.

          Erdgeschoss: Großzügig verglast und durch den Erschließungskern gegliedert, der auch die Küchenzeile und den Kamin beherbergt. Bilderstrecke
          Neue Häuser : Modern, cool, zum Wohlfühlen

          Betrachtet man das Haus genauer, fällt auf, dass die Offenheit nach Innen wie außen nicht grenzenlos ist. Im Gegenteil. Das gilt bereits für das Erdgeschoss, das von der Straßenseite aus durchaus Einblick gewährt, aber keineswegs ungehemmt. Erstens liegt das Haus ein Stück von der Grundstücksgrenze entfernt, so dass man allein deshalb schon keine unmittelbare Einsicht von der Straße aus hat. Zudem schiebt sich von einer Seite eine dichte Bepflanzung ins Blickfeld. Hinzu kommt, dass auf der Straße kaum Passanten flanieren, die neugierig ins Innere spähen. Dort können die Bewohner außerdem bei Bedarf helle Vorhänge vor die große Glasfront ziehen. Zudem bremst der zentrale Erschließungskern den Durchblick. Über ihn gelangen die Bewohner ins Obergeschoss, wo derzeit neben dem Elternschlafzimmer und einem Bad noch ein Kinderzimmer untergebracht ist. Diese Etage ist von drei Seiten geschlossen und öffnet sich nur Richtung Tal. Zudem gelangt man über das Treppenhaus ins Untergeschoss, das unter der 13 mal 5 Meter messenden, großzügigen Erdgeschossterrasse liegt.

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