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Neue Häuser : Ein zweites Zuhause auf dem Land

Doch was unter dem Putz zum Vorschein kam, begeisterte ihn wie die Bauherren. „Das Mauerwerk war ganz hervorragend erhalten“, erzählt Eric Linneweber, Hermes’ Schwager. Der Dachdeckermeister hatte einen nicht unerheblichen Anteil daran, dass die Familiengemeinschaft sich den Umbau zutraute - und viele der Arbeiten selbst übernahm. Gut ein Jahr lang haben die beiden Schwäger jedes Wochenende in Dorsel auf der Baustelle verbracht. „Unsere Familien haben uns da kaum noch zu Gesicht bekommen, aber anders wäre es nicht gegangen“, sagt Hermes.

Georg Poensgen und Andrea Denzer hatten ihnen vorgeschlagen, die Grundrisse des alten Hauses neu zu gliedern und die kleinen Räume und Kammern zugunsten von weniger, dafür größeren Zimmern aufzugeben. Um ausreichend Platz für die elfköpfige Familie zu haben, sollten zusätzlich Stall und Scheune ausgebaut und an das Wohnhaus angeschlossen werden.

Wo alle zusammenkommen

Während das alte Haus so weit wie möglich wieder in sein ursprüngliches Erscheinungsbild zurückversetzt wurde, sollte die Scheune zwar an die lokale Bautradition erinnern, aber doch als neuer Teil erkennbar sein. Da hier anders als beim alten Haus die Bausubstanz deutlich schlechter war, musste eine steinerne Seitenwand komplett abgebrochen werden. Ihr fehlte das Fundament. „Das war dann doch ein Schockmoment“, gesteht Poensgen. Die neue Wand wurde aufgemauert und wie der gesamte neue Wohntrakt mit einer Holzverschalung versehen.

Früher hatte die Familie die Scheune nur als Abstellraum und Garage genutzt. Heute dient ihr Erdgeschoss als Küche und Riesen-Wohnesszimmer, dessen Mittelpunkt der lange Esstisch ist. „Hier kommen alle zusammen“, sagt Stefan Hermes. Den großen Gemeinschaftsraum erreichen die Familienmitglieder sowohl durch das Erdgeschoss des alten Hauses, wo nun neben einem Gästezimmer auch ein neues Bad angesiedelt wurde, als auch über eine Treppe, die vom Obergeschoss des neuen Trakts hinabführt, sowie direkt vom Garten und vom Hof aus. Das alte Tor ließen die Architekten durch eine dreiteilige Glasfront ersetzen, die einerseits an den ursprünglichen Eingang der Scheune erinnert, nun aber Licht in den großen neuen Raum bringt - und Ein- und Ausblick ermöglicht.

Während die Mutter von Stefan Hermes und Katrin Linneweber im alten Haus ihr eigenes großes Zimmer hat, belegen die jungen Familien die Schlafzimmer im neuen Teil. Dort liegen an den Enden der Galerie, die einen schönen Blick über den zweigeschossigen Luftraum hinunter in Küche und Wohnesszimmer erlaubt, zwei Erwachsenenschlafzimmer und ein Kinderzimmer, in dem der Nachwuchs gemeinsam übernachtet. Rückzug für den Einzelnen ist zwar möglich, aber zu den Vereinbarungen, die die beiden Eigentümerpaare getroffen haben, gehört, dass keiner von ihnen ein Zimmer dauerhaft für sich belegt.

Keiner hat Vorrechte

Lange Abende haben die Geschwister mit ihren Ehepartnern zusammen beratschlagt, wie sie das Familieneigentum am besten organisieren könnten. „Da gibt es ja leicht Knatsch“, hat Stefan Hermes in anderen Fällen beobachtet. Vertraglich haben sie festgelegt, dass keine Partei aussteigen kann. „Das ist Familienbesitz, den wir nur gemeinsam aufgeben können“, erläutert er. Dreimal im Jahr kommt die Großfamilie auf alle Fälle in der Eifel zusammen: Weihnachten, Ostern und Pfingsten. Dazwischen sprechen sie sich ab. Für die Ferien haben sie einen Turnus festgelegt, nachdem die Familien im Wechsel die erste Wahl haben.

Die Flexibilität soll auch die Ausstattung der Zimmer unterstützen: Die beiden Erwachsenenschlafzimmer sind identisch geschnitten und eingerichtet. Unter anderem mit offenen Schränken. Damit jeder seine Sachen wieder ausräumt und sich nicht dauerhaft ausbreitet. „Denn in diesem Haus hat keiner Vorrechte“, stellt Stefan Hermes klar.

Quelle: F.A.S.

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