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Alternativer Baustoff : Mit Holz geht’s aufwärts

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Im Atrium des geplanten „River Beach Tower“ sorgen Brücken und rautenförmige Verbindungen aus Holz für Stabilität - und Aufmerksamkeit. Bild: Perkins+Will

Im Wohnungsbau gilt der Baustoff längst als ökologischer Hoffnungsträger. Jetzt sollen Wolkenkratzer folgen. Sind Holzhochhäuser die Gebäude der Zukunft?

          Ob als knisternder Scheit im Ofen, duftendes Möbelstück oder knarzender Fußbodenbelag, kaum ein Haushalt möchte auf Holz verzichten, und wenn es nur der Kochlöffel im Suppentopf ist. Schließlich beherrscht Holz vom rustikalen Alpencharme bis zum modernen Architektenhaus jede Spielart beliebter Wohnkulturen. Doch wie wäre es, auf der Aussichtsplattform eines Hochhausdaches in 300 Meter Höhe zu stehen, Balken knacken zu hören, und alles, was einen da oben sichert, ist eine Holzkonstruktion? Genau so könnte die Zukunft der Architektur aussehen.

          Der Blick von oben faszinierte schon die Renaissance-Maler. Die Industrialisierung sorgte Ende des 19. Jahrhunderts dann für den realen Höhenrausch. Amerikanische Metropolen wie Chicago oder New York avancierten zu den Vorreitern moderner Hochhausarchitektur, elektrische Aufzüge und die Entwicklung des Stahlskelettbaus machten das möglich. Heute wird der Wettbewerb um die höchsten Wolkenkratzer, mächtige Statussymbole, eher in China und auf der Arabischen Halbinsel ausgetragen. Doch es bewegt sich etwas, ehrgeizige Projekte beeindrucken jetzt nicht nur mit Höhe, sondern mit ihrer Holzkonstruktion. Die Ambitioniertesten existieren bisher zwar nur auf Papier, sollen aber durchaus Realität werden.

          Zurück zu den Ursprüngen : Moderne Architektur aus Holz

          Da ist der „Oakwood Tower“, der aus Londons Barbican Centre emporwachsen soll und mit seinen 300 Metern nicht nur das höchste Holzhaus, sondern auch das zweithöchste Gebäude Londons wäre. Und dann verspricht der Entwurf des „River Beech Tower“ in Chicago ein ebenso beachtliches Vorhaben, auf 244 Metern sollen sich 80 Stockwerke in den Himmel türmen. Im vergangenen Jahr landete letzterer Entwurf für ein Ufergrundstück am Chicago River auf der Shortlist des World Architecture Festival in Berlin. Zwei separate Türme mit schmalem Profil, verbunden durch riesige Streben aus Furnierschichtholz, die sich wie Brücken durch das offene Atrium spannen. Die rautenförmigen Strukturen der tragenden Holzkonstruktion sehen nicht nur spektakulär aus, sie sorgen auch für die nötige Stabilität, die Zwischenräume bleiben durch Glas transparent. Kein unterkühltes Stahlgerippe, das Hochhaus strahlt tatsächlich so etwas wie Wärme aus.

          Holz liegt im Trend

          Beide Entwürfe, für London und Chicago, entstanden in interdisziplinären Forschungsprojekten mit der University of Cambridge. Der Direktor des Lehrstuhls für „Natural Material Innovation“, Michael Ramage, sei vor gut eineinhalb Jahren auf das Architekturbüro Perkins + Will zugekommen, berichtet Todd Snapp, Leitender Architekt des Chicagoer River Beech Tower. Sein Ziel sei es gewesen, die akademischen Sphären zu verlassen, um zu ergründen, wie hoch man den Holzbau in Wirklichkeit treiben kann. Neben den Architekten und Wissenschaftlern ist auch das Ingenieurbüro Thornton Tomasetti in den Prozess eingebunden.

          244 Meter hoch soll sich das Holzhochhaus in den Himmel von Chicago strecken.
          244 Meter hoch soll sich das Holzhochhaus in den Himmel von Chicago strecken. : Bild: Perkins+Will

          Der Trend, den Holzbau in die Metropolen zu tragen, zeichnet sich schon länger ab. Zudem boomt die Baubranche, gerade in den Städten wird dringend Wohnraum benötigt. In Deutschland wächst die Zahl der Baugenehmigungen rasant, gut 16 Prozent der Wohngebäude bestehen vorwiegend aus Holz – mit steigender Tendenz. Holzbau könnte dank seiner naturgemäß guten Umweltbilanz die Lösung des Dilemmas sein, dass einerseits mehr gebaut werden muss, um die Nachfrage zu decken, das Bauwesen aber gleichzeitig für etwa 40 Prozent des Energieverbrauchs und mehr als ein Drittel der gesamten Kohlendioxidemissionen verantwortlich ist.

          In Biomasse und Böden der nachhaltig bewirtschafteten deutschen Wälder sind hingegen 1,2 Milliarden Tonnen Kohlenstoff gespeichert, das ist Spitzenwert in Europa. Durch eine weitere Verbreitung des Materials würden die Kapazitäten noch größer – und Hauswände zu langlebigen Kohlenstoffspeichern.

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