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Veröffentlicht: 09.06.2017, 10:29 Uhr

Fertigkeller Schneller zum Keller

Fertigkeller liegen im Trend. Gebaut sind sie schnell. Arbeit macht etwas anderes.

von Jörg Niendorf
© Jörg Niendorf Im Nu ist der Fertigkeller hochgezogen.

Wieso das halbe Haus in den Boden eingraben, wenn’s auch überirdisch geht? Wieso im Keller bügeln, wenn ich dabei in den Garten schauen kann?“ Das hat in einer Leserdiskussion dieser Zeitung mal ein Herr gefragt, als es um die Unterkellerung von Eigenheimen ging. Im Internet tauschten nach einem Artikel die Fachleute ihre Meinungen aus: Früher habe es kaum ein Haus ohne gegeben – der Keller sei ein Muss! Fanden die einen. Die alten Keller seien doch alle muffig, hielten andere Bauexperten dagegen. Außerdem sei jeder Keller ohnehin ein Kostentreiber beim Hausbau und für weniger als 60.000 Euro kaum zu haben.

Tatsache ist, dass Keller längst kein Standard mehr sind. In Deutschland bekommt nur jedes fünfte neu errichtete Eigenheim ein Untergeschoss. Eine genaue Erfassung gibt es nicht. Aber von einer steigenden Nachfrage berichten gerade jene Hersteller, die nach dem Fertighausprinzip Betonelemente für Keller produzieren. Aus dem Katalog bieten gleich mehrere Firmen ihre Module für Fertigkeller an: in einer Basisversion, wenn es nur Wirtschaftsräume werden sollen, oder voll ausgestattet mit allen notwendigen Installationen für eine Fußbodenheizung. Um den kellermüden Deutschen die Entscheidung möglichst leichtzumachen, haben einige Betonwerke mittlerweile sogar neuartige und kostengünstige Mikrogeschosse im Programm. Es gibt sie als reine Technikboxen, die am oder unterm Haus angedockt werden und zumindest den Heizungsraum aufnehmen, oder als vorgefertigten Ein- und Zweizimmerkeller. „In nur zwei Stunden ist so etwas vor Ort zusammengeschraubt“, verspricht Dirk Wetzel von der Glatthaar Fertigkeller GmbH aus dem Schwarzwald.

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Für ein vollständiges Kellergeschoss, das zum Wohnen und Arbeiten ausgebaut wird, muss man hingegen mit zwei, drei Wochen Bauzeit rechnen, berichtet Anja Deuter. Die Berlinerin, die ihren richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen will, und ihre Familie bauen auf einem Grundstück direkt an der Havel. Nur ein öffentlicher Fußgängerweg trennt das Flussufer von der Baustelle, auf der ein Holzhaus entsteht. Die Bauherren setzen an diesem ufernahen Standort auf Natürlichkeit. Beim Keller hingegen haben sie sich pragmatisch für eine reine Betonkonstruktion entschieden. Dass sie mit einem Untergeschoss planen, habe außer Frage gestanden, berichtet Anja Deuter. Sie brauchten den Platz als fünfköpfige Familie, und zudem steigere der Keller den Wert des Gebäudes. „Wir hatten ihn eingepreist, keine Diskussion“, erzählt die Bauherrin. Die Hausbaufirma, die für die Familie tätig ist, empfahl einen Kellerbauer.

Prinzip der „weißen Wanne“

Der hat inzwischen das Untergeschoss per Lastwagen aus dem Werk in Dessau nach Berlin geliefert. Wo eben noch eine leere Baugrube war, steht nun ein grauer Kasten in der Erde. „Wir haben hier schon die ersten vier Zimmer, obwohl das eigentliche Haus ja noch gar nicht steht“, sagt Anja Deuter. Eine Woche zuvor erst war der Boden ausgehoben worden, eine spezielle Kiesschicht wurde eingebracht und die Bodenplatte aus Stahlbeton gegossen. Die vorgefertigten Wandteile zusammenzubauen dauerte dann gerade mal einen Arbeitstag. Im nächsten Schritt werden dann alle Außenwand-Elemente, die zunächst noch hohl sind, mit Fließbeton ausgefüllt, außerdem wird die Kellerdecke verstärkt.

Der Betonkasten misst zehn mal vierzehn Meter. Es werden große Zimmer. Je eines zum Spielen, zum Arbeiten, für Gäste und für die Haustechnik. Gebaut ist der Keller nach dem Prinzip der „weißen Wanne“: Der Beton ist wasserfest, und alle Fugen müssen so abgedichtet werden, dass keine Feuchtigkeit durch Grundwasser oder versickerndes Regenwasser eindringen kann. Ferner erhalten die äußeren Wände eine Dämmschicht. Damit erfüllt der Keller die energetischen Vorgaben für Wohnräume.

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