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Backstein Der Stein, der Wind und Regen trotzt

28.05.2008 ·  Ziegelarchitektur liegt im Trend. Der Backstein gilt als robust und wetterfest. Bei Architekten und Bauherren ist der gebrannte Baustoff jedoch nicht nur aus pragmatischen Gründen beliebt. Er kann ein Gebäude auch gut aussehen lassen.

Von Birgit Ochs
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Was tun, wenn das Haus eine Kruste bekommen soll, eine harte noch dazu? Als die Architekten Peter Strobel und Gunther Bayer den Planungsauftrag für ein Haus in Homburg erhielten, drängte sich nach einem intensiveren Blick auf die Umgebung des Grundstücks diese Frage auf.

Der Bauplatz lag am Ortsrand. „Das ist eine Bruchlandschaft, rauh, naturnah“, erinnert sich Strobel. Das Planerteam aus Kaiserslautern suchte daher nach einem Baustoff für die Fassade, der zu den benachbarten Feldern passt - und wählten für das Haus in der Saarpfalz Backstein.

Rote Klinkerfassaden dominieren das Bild der Städte vor allem zwischen Nord- und Ostseeküste bis hin zum Ruhrgebiet. Doch auch in anderen Regionen ist der Baustoff kein Fremder: Ehemaligen Industriehallen, Fabriken und Straßenbahndepots verleiht er ebenso wie alten Arbeitersiedlungen und Kirchen einen ganz eigenen Charme. Diesen suchen auch zeitgenössische Architekten wie der Berliner Hans Kollhoff mit ihren Entwürfen immer wieder. Kollhoffs Daimler-Chrysler-Gebäude am Potsdamer Platz und der Main Plaza Turm in Frankfurt sind Liebeserklärungen an die New Yorker Hochhäuser der dreißiger Jahre und prominente Beispiele dafür, dass der Klinkerstein für Außergewöhnliches gut ist.

Der Stein, der Wind und Regen trotzt

Neben der Ästhetik überzeugt die Langlebigkeit

Das gilt auch im Einfamilienhausbau. Anders als Kollhoff haben die Architekten Bayer und Strobel indes nicht an Amerika gedacht. Vielmehr schlagen sie mit ihrem Einfamilienhaus in Homburg den Bogen zur Heimatregion des Auftraggebers, dem Münsterland. Das Material holten die Planer allerdings in Ostfriesland. Ihre Wahl fiel auf einen blau-violetten Stein mit fast glasartiger Oberfläche.

Nicht nur die ästhetische Qualität des Materials überzeugte Architekten wie Bauherren, sondern auch dessen Langlebigkeit. Der gebrannte Stein gilt quasi als unverwüstlich. „Das ist eine der bestechenden Eigenschaften“, preist Martin Roth, Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Ziegelindustrie, den Vorzug des Klinkerwerks. Unempfindlich ist es, geeignet, Wind und Regen zu trotzen. Ein Grund dafür, warum es vor allem in der Küstenregion so beliebt ist. „Da kann der Wind dagegenpeitschen, Backstein hält das aus“, schwärmt Ziegellobbyist Roth.

Anders als bei einer verputzten Wand mit Wärme-Verbund-System ziehe die Feuchtigkeit nicht in die Wand. Der Vorteil: keine braunen, grünen oder schwarzen Flecken, keine Algen, die sich an der nassen Hauswand entwickeln. Im Schnitt ist eine Backsteinwand zunächst teurer als eine Putzfassade, wie Roth sagt. Kostentreiber ist vor allem die Verarbeitung. Stein auf Stein zu mauern dauert eben seine Zeit. „Dafür entfällt die Sanierung“, argumentiert Roth und verspricht: „Mit dem Dampfstrahler bearbeitet, sieht eine hundert Jahre alte Villa aus wie neu.“

Die Energieeffizienz gilt als gut

Die Robustheit des Mauerwerks ist der eine, die gute Energieeffizienz der andere Vorteil, den die Backstein-Freunde hervorheben. Die Wärmedämmung steckt im Innern der Ziegelmauer - in der Regel zwischen der Fassade und der Innenraumwand.

Und nicht ohne eine gewisse Genugtuung verweist man beim Verband der Ziegelindustrie darauf, dass die Klimabilanz der Backsteinbauten deutlich besser ausfalle als bei Glas-Stahl-Gebäuden, gegen die die Klinkeroptik eine Zeitlang etwas hausbacken wirkte.

Doch das war gestern. Wie bei allen Moden ist auch die Begeisterung für Glasfassaden vergänglich. Zur Zeit ist Naturstein gefragt. Und auch der Ziegel erlebt eine Renaissance. Mit dem ästhetischen Reiz der gebrannten Steine spielen wieder zahlreiche Architekten - im In- und Ausland. Zu den jüngsten Beispielen zählt die „Gartenstadt“ in Münster nach einem Entwurf der Wiener Architekten Ortner und Ortner. Für Aufsehen sorgte auch das bereits 2003 fertiggestellte „Haus Morcote“ am Luganer See, für das das Schweizer Architektenteam Markus Wespi und Jerome de Meuron in diesem Jahr den „Brick Award“ erhielten.

In der Schweiz gebaut, an Italien gedacht

Die Planer wählten für das Einfamilienhaus mit Seeblick einen hellen Ziegel, den sie eigens in einer Winterthurer Ziegelei brennen ließen. „Zwar dominiert im Südtessin der Naturstein, doch Ziegel sind ebenso wie in der nahen Lombardei keineswegs untypisch“, erläutert Planer Wespi die Materialwahl. „Haus Morcote“ mit seiner gemauerten Fassade ist für die in Caviano und Zürich ansässigen Architekten die ästhetische Antwort auf die Häuser im italienischen Hafenstädtchen auf der gegenüber liegenden Seeseite.

Für die Architekten liegt der Reiz des Steins aus Wasser und Erde in seiner lebendigen Optik. Nie wirkt eine Ziegelmauer wie eine monochrome Fläche. Maßgeblichen Anteil daran hat nicht zuletzt das Fugenbild. Wespi und de Meuron etwa entschieden sich für etwas breitere Fugen, die mit den Steinen bündig sind. „Das ist eine grundsätzliche Entscheidung: Entweder wählt man die Fuge als starken Kontrast oder entscheidet sich für Homogenität“, sagt Architekt Peter Strobel.

Für „Haus Wichert“ in Homburg hatte sein Büro auf einen etwas stärkeren Effekt gesetzt und ein Fugenbild gewählt, das einem Strickstrumpfmuster gleicht. Die individuelle Optik der einzelnen Ziegeln aber mindert die Wirkung. „Es sieht nicht ganz so aus wie gewünscht“, räumt Strobel ein. Den guten Eindruck hat das nicht offenbar nicht gemindert. 2004 gewann das Haus mit der Kruste den Architekturpreis Saarland.

Bücher zum Thema

„Brick '08. Die beste Ziegelarchitektur“, Callwey Verlag München, gebunden, 56,90 Euro.

„Alte Backsteinbauten in Ostfriesland: Backsteinbauten des 15. bis 19. Jahrhunderts“ von Eberhard Pühl, broschiert, Isensee Verlag, 19,90 Euro.

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Jahrgang 1966, Redakteurin für „Immobilien“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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