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Babelsberg : Vom Pflegefall zur gefragten Adresse

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Zug ins Zentrum: Dank der guten Infrastruktur zieht Babelsberg auch Berliner an. Bild: Gyarmaty, Jens

Potsdam wächst, besonders im Stadtteil Babelsberg. Das historische Weberviertel ist ein Magnet, der auch Berliner anzieht.

          Der Schuster arbeitet gerade nicht mit Schuhen, sondern mit Steinen und Balken. Seine kleine Kate ist entkernt. Das 250 Jahre alte Baudenkmal wird von Grund auf saniert. Die Maurer rotieren, und der Schuhmacher packt beim Um- und Ausbau seiner Werkstatt mit an. Wohnen wird er nebenan.

          Er, ein quirliger Mann in den Vierzigern, ist von Geburt an in Babelsberg zu Hause. Offiziell ist Babelsberg ein Stadtteil der brandenburgischen Landeshauptstadt Potsdam, bekannt für seine Filmstudios, doch in Wahrheit ist es ein Fall für sich. „Der Stadtteil ist wie eine Insel“, sagt Stefan Pinkernell, ein Nachbar. „Ideal für Familien.“

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          Dicht bebaut, doch überschaubar. Dörflich und doch mit guter Infrastruktur: In Babelsberg liegen Kindertagesstätten, Schulen und der Schlosspark vor der Haustür. Pinkernell und seine Frau haben das Anwesen neben dem Schuhmacher restauriert; auch ein geduckter Bau mit kleinen Fenstern. Zuvor war es völlig verrottet, erzählt Pinkernell. Seine Familie hat sich im Gartenhaus eingerichtet, im knallroten Vorderhaus liegt das Büro.

          Pinkernell und der Schuster sind nicht die Einzigen, die ihre Häuser in Schuss bringen. Überall in den Gassen und Wohnstraßen sieht man Häuser, die mit viel Aufwand hergerichtet wurden. In bald jedem zweiten Haus wohnt mittlerweile eine Familie. Auf den Bürgersteigen herrschen oft Kinderwagenstau und ein dichtes Gewusel von kleinen Radfahrern.

          Jede Baulücke wird genutzt

          Potsdam zählt laut Statistik 160 000 Einwohner, Tendenz steigend. Die Stadt hat auch an ihren Rändern Bauland ausgewiesen. Doch im Moment übertrifft Babelsbergs Zentrum alles: Die Nachfrage nach Wohnraum im historischen Viertel aus der Zeit Friedrichs des Großen und in den benachbarten Gründerzeitquartieren entlang der S-Bahn-Strecke Berlin-Potsdam ist riesig. Der Stadtteil wächst im Innern, in den Höfen, hinter den Zäunen. Jede Baulücke wird genutzt. Schon um die 10 000 Menschen leben hier. Ende der 1990er Jahre waren es nur 5800, das Gebiet war ein Pflegefall. Jetzt dominieren die Jungen das Bild. Das Durchschnittsalter der Einwohner liegt bei 35 Jahren - damit sind sie sieben Jahre jünger als der Durchschnittspotsdamer.

          Ausgelöst wurde der Boom vor acht Jahren durch eine neue Wohngasse. Die Häuschen sind gelb geklinkert und stehen sich dicht gegenüber, vom nahen S-Bahnhof hallen Zuggeräusche herüber. Es ist eine urbane, gleichzeitig gemütliche Atmosphäre. Damals zogen 17 Familien ein, erzählt Rainer Baatz von der Sanierungsgesellschaft Stadtkontor.

          Baatz steuert im Auftrag der Stadt die Entwicklung Babelsbergs. Hier trommelte er eine Baugemeinschaft zusammen, nach dem Vorbild, wie in Universitätsstädten wie Tübingen oder Freiburg oft gebaut wird. Die Familien organisierten alles selbst, ohne Bauträger. Baatz und seine Kollegen assistierten. Das war wichtig, weil das Vorhaben im Denkmalbereich liegt. „Sie konnten hochwertig bauen, und die Kosten blieben tragbar“, sagt Baatz. Das Vorhaben war die Initialzündung für drei weitere Baugemeinschaften, die die Stadtkontor-Gesellschaft auf den Weg brachte. Mit einem Mal konnte es gar nicht schnell genug gehen. Mittlerweile haben sich an die 50 Bau-Ehepaare oder -Familien über solche Gemeinschaftsprojekte Wohneigentum geschaffen.

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