01.11.2011 · Der Handel mit Gewerbeimmobilien hat in den zurückliegenden Wochen allenfalls einen leichten Dämpfer abbekommen.
Von Steffen UttichAufziehende Konjunktursorgen und die sich zuspitzende Schuldenkrise im Euroraum haben hierzulande in den zurückliegenden Monaten noch keinen größeren Einfluss auf das Transaktionsgeschäft mit gewerblich genutzten Immobilien gehabt. Nach der Markterhebung des internationalen Maklerhauses Colliers wechselten in den ersten neun Monaten dieses Jahres Objekte für 16,8 Milliarden Euro den Besitzer. Das sind 27 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. „Das Interesse nationaler und internationaler Investoren an deutschen Gewerbeimmobilien ist nach wie vor ungebrochen hoch“, kommentierte Colliers-Chefanalyst Andreas Trumpp die Statistik.
Tatsächlich genießt der hiesige Markt unverändert den Ruf als „sicherer Hafen“ mit vergleichsweise niedrigen Preisschwankungen und wirtschaftlicher Stabilität. Das wurde kürzlich erst wieder auf dem Branchentreffen Expo Real in München deutlich. In den Sommermonaten hatte sich zwar auch hierzulande größere Verunsicherung nach dem Absturz der Kurse an den Aktienmärkten breitgemacht. Inzwischen wird das Geschehen aber wieder etwas gelassener betrachtet. „Wir spüren das im Tagesgeschäft nicht“, sagt Rüdiger Mrotzek, Vorstand der Hamborner Reit AG.
Ausländische Investoren sorgen für stabile Nachfrage
Nicht zuletzt das Interesse ausländischer Investoren an deutschen Gewerbeimmobilien sorgt für eine stabile Nachfrage auf dem Investmentmarkt. Nach der Markterhebung von Colliers entfielen auf sie seit Jahresbeginn rund 40 Prozent des Transaktionsvolumens. So trat zum Beispiel beim bisher größten Abschluss des Jahres, der im dritten Quartal zustande kam, die kanadische Immobiliengesellschaft Dundee als Käufer auf. Sie erwarb für 736 Millionen Euro einen Teil der Postimmobilien aus dem Bestand des Finanzinvestors Lone Star.
Dundee steht für einen Wandel, der in der Gruppe der ausländischen Investoren über die vergangenen fünf Jahre stattgefunden hat. Dominierten vor dem Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise kurzfristig agierende Käufer, die mit einem hohen Kredithebel arbeiteten und den Ausstieg unmittelbar im Blick hatten, so wird jetzt eher eine langfristige und an laufenden Erträgen orientierte Strategie verfolgt.
Zu den bemerkenswerten Transaktionen aus jüngster Zeit gehört auch der Kauf eines 80-Prozent-Anteils am Frankfurter Shoppingcenter Skyline Plaza durch Allianz Real Estate. Mit rund 38 000 Quadratmetern Einkaufsfläche ist es eines der größten derzeit geplanten Einkaufszentren in Deutschland. Das vorgesehene Investitionsvolumen beträgt rund 360 Millionen Euro. Einzelhandelsflächen sind in diesem Jahr am stärksten nachgefragt und machen rund die Hälfte des Gesamttransaktionsvolumens aus. Das Vorgehen der Allianz macht deutlich, dass Großinvestoren angesichts der gestiegenen Preise für hochwertige Shoppingcenter zunehmend bereit sind, auch schon in einer frühen Projektphase Geld zu investieren. Die Fertigstellung von Skyline Plaza ist für Herbst 2013 vorgesehen.
Ein Abbruch der Dynamik ist nicht zu sehen
Ein Abbruch der Dynamik im Handel mit Gewerbeimmobilien ist angesichts der weiterhin einlaufenden Transaktionsmeldungen nicht zu sehen. Allerdings gehen Marktbeobachter wie Colliers-Chefanalyst Trumpp davon aus, dass das Jahresendgeschäft etwas geringer als im vergangenen Jahr ausfallen könnte. Im vierten Quartal des vergangenen Jahres wechselten Objekte für rund 6 Milliarden Euro den Besitzer. Würde man diese Größenordnung auf 2011 übertragen, käme für das Gesamtjahr ein Transaktionsvolumen von knapp 23 Milliarden Euro zusammen. Trumpp geht in seiner Jahresprognose von bis zu 22 Milliarden Euro aus.
Immerhin sieht er keinen Anlass diese schon zu Jahresbeginn abgegebene Schätzung für den deutschen Immobilienmarkt nach unten zu korrigieren. Für den globalen Markt hat Jones Lang LaSalle diesen Schritt jetzt vollzogen. „Vor dem Hintergrund der Staatsschuldenkrise und der Sorgen um das Wirtschaftswachstum gehen wir für das Gesamtjahr 2011 von einem Transaktionsvolumen aus, das bis zu 10 Prozent unter unserer ursprünglichen Prognose von 440 Milliarden Dollar liegen könnte“, teilte das Maklerhaus Mitte Oktober mit. Die derzeit vorherrschende vorsichtige Stimmung führe zu Verzögerungen bei Abschlüssen.
Steffen Uttich Jahrgang 1970, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Immobilienteil.
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