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Luxushotel : Befreiungsschlag in Heiligendamm

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Das Schild vor dem Hotel in Heiligendamm muss wohl bald ausgewechselt werden: Kempinski zieht sich zurück Bild: ddp

Die Erinnerung an den G-8-Gipfel am Ostseestrand verblasst - der Alltag macht dem Luxushotel zu schaffen. Die Verluste häufen sich. Eine Notoperation soll nun endlich die Wende bringen.

          Die Wiedergeburt von Heiligendamm als Ostsee-Badewanne der Schönen und Reichen nahm vor sechs Jahren unter denkbar günstigen Voraussetzungen ihren Anfang. Investitionen von mehr als 200 Millionen Euro ließen den DDR-Grauputz verschwinden und ein Luxushotel der Extraklasse entstehen. Die „Weiße Stadt am Meer“ strahlt seither in neuem Glanz. So geschmackvoll wie von außen präsentiert sich das Grandhotel von innen - die Ausstattung überzeugt bis ins kleinste Detail.

          Der Ort hat Geschichte. Die Besucher stehen auf dem Grund des ersten deutschen Seebades - ins Leben gerufen vom mecklenburgischen Herzog Friedrich Franz im Jahre 1793. Der Leitspruch steht in goldenen Buchstaben an der Front des Kurhauses, in dem sich heute das Hotelrestaurant befindet: „Heic te laetitia invitat post balnea sanum“ - „Hier erwartet Dich Freude, entsteigest Du gesundet dem Bade“. Die Kunde vom wiederauferstandenen Luxus-Seebad wurde im Juni 2007 schließlich durch den G-8-Gipfel in die weite Welt getragen. Die Staatschefs der großen Industrieländer flanierten durch die einzigartige Kulisse - der Bekanntheitsgrad des Hotels ist seither nicht mehr zu steigern.

          Ein Traum mit Macken

          Trotz all dieser günstigen Voraussetzungen ist das Grandhotel Heiligendamm bis heute ein Traum mit Macken geblieben. Auch im sechsten Jahr nach der Eröffnung lassen Gewinne auf sich warten. Sehr zum Ärger der 1850 Eigner des Areals, die in den Heiligendamm-Immobilienfonds der Dürener Fundus-Gruppe mindestens 25.000 Euro eingezahlt und damit den wesentlichen Beitrag zur Finanzierung geleistet haben.

          Stolzer Investor: Anno August Jagdfeld zeigt im Jahr 2004 einen Immobilienpreis, den er für die Entwicklung des Projektes Heiligendamm gewonnen hatte
          Stolzer Investor: Anno August Jagdfeld zeigt im Jahr 2004 einen Immobilienpreis, den er für die Entwicklung des Projektes Heiligendamm gewonnen hatte : Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

          Zwar dürften sie gewusst haben, auf was sie sich einlassen - schließlich wurde von ihnen im Verkaufsprospekt „Herz und Verstand“ verlangt, die Vision vom besten deutschen Seebad-Ferien-Resort mitzutragen. Aber inzwischen ist offenbar der Punkt erreicht, an dem ihre Geduld erschöpft ist.

          Anno August Jagdfeld, die treibende Kraft hinter dem Heiligendamm-Projekt, hat von ihnen inzwischen freie Hand bekommen, die Flucht nach vorn anzutreten. Bei dem 62 Jahre alten Chef der Fundus-Gruppe laufen alle Fäden zusammen. Er steht nicht nur an der Spitze des Projektentwicklers, der den Ausbau des Badeortes vorantreibt.

          Er ist gleichzeitig Geschäftsführer der Grand Hotel Heiligendamm GmbH & Co. KG und vertritt damit auch die Interessen der Anteilseigner. Mit einem Doppelschlag, der in diesen Tagen konkrete Formen annimmt, soll nun der Durchbruch zum wirtschaftlichen Erfolg gelingen: Eine Kapitalerhöhung soll die Finanzierung sichern; gleichzeitig wird das Konzept eines inhabergeführten gehobenen Ferienhotels vorangetrieben, um die Kinderkrankheiten im Hotelbetrieb endlich zu überwinden. Als „Befreiungsschlag durch Notoperation“ bezeichnet Jagdfeld sein Vorgehen.

          Mindestens 250.000 Euro

          Vor allem die Zustimmung zur Kapitalerhöhung dürfte den Alteigentümern Schmerzen bereitet haben. 41 Millionen Euro will Jagdfeld auf dem Wege der Privatplazierung in den kommenden Wochen einsammeln - Mindestanlagesumme 250.000 Euro. So etwas verlangt gerade in Zeiten einer heftigen Finanzkrise ungewöhnliches Entgegenkommen. Zeichner werden nicht nur mit einer bevorzugten Behandlung bei der Ausschüttung angelockt: 7 Prozent Ausschüttung aus der jährlichen Liquidität stehen zunächst den Neuzeichnern zu, erst jenseits dieser Schwelle kommen die Alteigentümer zum Zuge.

          Sie haben auch eine privilegierte Stellung, wenn die Wiedergeburt von Heiligendamm letztlich schiefgehen sollte - dann werden sie bei der Verteilung des Vermögens als Erste bedient. Angesichts eines Investitionsvolumens von mehr als 200 Millionen Euro ist das Verlustrisiko überschaubar. Als zusätzlichen Appetithappen bekommen vermögende Privatanleger zudem den Effekt eines Verschiebebahnhofs für die Erbschaftsteuer angeboten (siehe Kasten).

          Ein großer Schuldenberg

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