29.05.2009 · Rund um den Globus verlieren gewerblich genutzte Immobilien an Wert - und zwar in einer bisher nicht gekannten Dimension. In Westeuropa steht Deutschland noch am besten da.
Die schwere Rezession hat die internationalen Immobilienmärkte erfasst. Rund um den Globus verlieren gewerblich genutzte Immobilien an Wert - und zwar in einer bisher nicht gekannten Dimension. Nur wenige Länder haben sich dem Desaster entziehen können, darunter Deutschland, Brasilien und Saudi-Arabien. Das meldet die Royal Institution of Chartered Surveyors (RICS) in London, eine mehr als 200 Jahre alte Berufsorganisation von Immobilienspezialisten, deren Mitglieder in 146 Ländern vertreten sind. In ihrem „Global Commercial Property Survey“ für das erste Quartal 2009 wird auf eine extreme Zurückhaltung der Mieter hingewiesen.
So sind die Banken in den Investmentmetropolen als wichtigste Interessenten für Büroräume nahezu ausgefallen. Auf dem europäischen Immobilienmarkt haben sie im ersten Quartal dieses Jahres 80 Prozent weniger Flächen gemietet als im Quartalsdurchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Darauf weist die international tätige Immobiliengruppe Cushman & Wakefield in ihrem „Business Briefing: Banking - Opportunities in a difficult Market“ hin.
Kaum noch neue Anmietungen
Besonders habe es London, Moskau und Warschau erwischt. In London hatten die Banken im letzten Quartal 2008 noch eine knappe Viertelmillion Quadratmeter gemietet - im ersten Quartal 2009 nur noch 849 Quadratmeter. Mit gut 10.000 Quadratmetern sieht die Nachfrage der Banken in Frankfurt dagegen vorteilhaft aus. Banken würden nun verstärkt eigene Gebäude verkaufen und zurückmieten (Sale and Lease Back), um sich zusätzliche Liquidität zu verschaffen.
Die Mieten für Bürogebäude in Europa sind in den vergangenen zwölf Monaten um 6,8 Prozent gesunken - allerdings mit Rekordeinbrüchen von 34 Prozent in Moskaus Hauptgeschäftsviertel und von 20 Prozent in der Londoner City, wie Cushman & Wakefield mitteilt. Überall gebe es Verhandlungsbedarf bei bestehenden Mietverträgen. Auch hier wirkt Deutschland wie ein Fels in der Brandung.
Deutschland steht gut da
„In Westeuropa steht Deutschland am besten da“, teilt die Londonder RICS mit. Schlimm habe es Irland, Spanien, Frankreich und Großbritannien erwischt - mit schlechten Aussichten für das zweite Quartal nun auch in den Niederlanden. Angst unter Immobilieneigentümern geht auch in Japan und Amerika um, aber auch in Hongkong, Singapur, Russland der Ukraine und Ungarn.
Doch gibt es erste Lichtblicke. Zum einen sind die Büromärkte immer das Schlusslicht in Konjunkturkrisen gewesen; zum anderen sehen führende Ökonomen Zeichen für ein Ende des Absturzes. Die international tätige Immobiliengruppe Jones Lang LaSalle weist in ihrer „Global Market Perspective“ jetzt auf eine deutliche Zunahme von Immobilieninvestitionen kapitalstarker Anlageinstitute.
Auch seien diverse Credit-Default Swaps - die die Kosten für Ausfallrisiken von Firmenkrediten und Anleihen darstellen - zum 7. Mai auf den niedrigsten Stand seit dem 18. August 2008 gefallen. Und es hätten die Kurse internationaler Immobilienaktien (REITs) seit Ende Februar um 60 Prozent zugelegt, nachdem sie zuvor 80 Prozent an Wert verloren hatten. Selbst in London steige offenbar wieder die Bereitschaft der Banken zur Kreditvergabe.