17.08.2008 · Hohe Investitionen nicht immer erforderlich
Von Jens FriedemannEnergieeffizienz bei Großimmobilien bedeutet nicht, dass zwangsläufig aufwendige Nachrüstungen und hohe Investitionen nötig sind: Die Energieeinsparpotentiale durch Nutzung der vorhandenen gebäudetechnischen Infrastruktur werden selten ausgereizt. Darüber berichtet Hans Pitz, geschäftsführender Gesellschafter des Düsseldorfer Unternehmens Energie- und Gebäudetechnik Control (EGC) in einem Gespräch mit dieser Zeitung.
Sein Unternehmen hat sich auf die energetische Steuerung in Gebäuden spezialisiert. Das Thema ist wichtig: Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht ehrgeizige Initiativen angekündigt, Maßnahmenpakete geschnürt und Innovationsförderpreise ausgelobt werden. Doch wird hier auch Zukunftsmusik gespielt.
Keine großen Investitionen erforderlich
Pitz spricht davon, dass die Energieeffizienz von Gebäuden auch ohne große Investitionen und technologische Quantensprünge außerordentlich verbessert werden könne. Die Infrastruktur dazu sei regelmäßig vorhanden. Nur werde sie nicht voll genutzt. Er weist darauf hin, dass neben Konzeption und Qualität in der Planung und im Bau vor allem der Betrieb der Gebäudetechnik entscheidenden Einfluss auf den Energieverbrauch und damit die Energieeffizienz von Gebäuden und den CO2-Ausstoß habe.
Der technische Standard der Gebäudetechnik in deutschen Großimmobilien sei außerordentlich hoch. Gebäudetechnische Anlagen, die in den vergangenen fünf bis zehn Jahren errichtet wurden, verfügten über moderne Mess-, Steuer- und Regelungstechnik (MSR) und eine entsprechende Gebäudeleittechnik. Dies sei so etwas wie das Nervenzentrum der Gebäudetechnik.
Energieverbrauch spielt bisher keine große Rolle
Die meisten Eigentümer von Großimmobilien wissen allerdings nicht, welche Möglichkeiten ihnen die Gebäudeleittechnik bietet, meint Pitz. Ihr Hauptanliegen sei ein reibungsloser Betrieb. Entsprechend legten sie beim Facility Management Wert auf Wartung, Instandhaltung und Störungsbeseitigung. Dadurch werde die Funktionsbereitschaft der gebäudetechnischen Anlagen und die Einhaltung von Richtlinien sichergestellt.
Die großen Effizienzpotentiale im Betrieb dieser modernen Anlagen blieben dabei freilich ungenutzt. „Die Gebäudeleittechnik als hochkomplexes Instrument mit zahlreichen Stellschrauben für einen optimalen Anlagenbetrieb dient als bloßes Tableau für Störmeldungen“, sagt Pitz und vergleicht es mit einem Hochleistungscomputer, der nur als Taschenrechner für Grundrechenarten benutzt wird.
Aktive Betriebsführung
Hier knüpft der Energiespezialist mit seiner aktiven Betriebsführung an. Sie soll die Möglichkeit nutzen, die Wärme-, Kälte- und Klimatechnik rund um die Uhr optimal zu beeinflussen. Dafür wird die Gebäudeleittechnik in der Immobilie über Datenleitung mit der Leitzentrale seines Betriebs in Aachen verbunden. Von dort aus werden die wesentlichen Betriebsparameter fernüberwacht und reguliert.
Bürogebäude, Schulen oder Wohnanlagen mit moderner Anlagetechnik könnten allein durch intelligentes Betreiben der Anlagen zwischen 10 bis 15 Prozent des Energieverbrauchs einsparen, in manchen Fällen sogar bis zu 30 Prozent. Je komplexer die Gebäudetechnik, desto mehr Hebel zur Optimierung gebe es.
Alles unter Kontrolle: Heizkurven, Betriebszeiten, bewegte Luftmengen
Pitz nennt Beispiele für erfolgreiche Einsparungen. So habe sein Unternehmen von der DKB Service GmbH - dem Facility-Management-Dienstleister der Deutschen Kreditbank - den Auftrag erhalten, Optimierungspotentiale im Betrieb der DKB-Zentrale in Berlin aufzuzeigen. Dazu wurde im Oktober 2006 die Gebäudeleittechnik der 10.000 Quadratmeter großen Immobilie auf die Leitzentrale in Aachen aufgeschaltet. Die gebäudetechnischen Anlagen selbst wurden weder verändert noch waren sonstige Investitionen nötig. Über die gesamte Heizperiode 2006/2007 sei der Anlagenbetrieb rund um die Uhr über Datenfernübertragung durch die EGC überwacht und gesteuert worden.
In Zusammenarbeit mit der DKB Service GmbH wurden Heizkurven, Betriebszeiten und bewegte Luftmengen laufend an die jeweils herrschenden Umweltbedingungen und Nutzererfordernisse angepasst. Am Ende der Heizperiode konnte EGC für die DKB eine klimabereinigte Einsparung der Heizenergie von mehr als 20 Prozent erzielen. Mittlerweile betreibt EGC für die Deutsche Kreditbank ein weiteres Bürogebäude in Berlin.