27.08.2009 · Aus blau mach grün: Die Deutsche Bank setzt in der Verwaltung ihrer Fläche ganz auf Energieeffizienz. Nicht nur der Zwillingsturm in Frankfurt soll ein „Green Tower“ werden. Auch energieeffiziente Mietflächen sollen den Vorzug erhalten.
Von Steffen UttichDie Auswirkungen der im vergangenen Herbst von der Deutschen Bank vorgestellten Strategie zur Kohlendioxidreduzierung bekommen nun auch deren Vermieter zu spüren. Die Bank werde Nachhaltigkeitskriterien künftig deutlich stärker als bisher bei Neuanmietungen und Vertragsverlängerungen in die Entscheidungsfindung einfließen lassen, kündigt Matthias Leube, verantwortlich für das Flächenmanagement der Deutschen Bank, an.
In den vergangenen Monaten sei ein entsprechender Katalog erarbeitet worden, in dem die Anforderungen an die Ausstattung der Gebäude zusammengefasst sind und der inzwischen auch angewendet wird. „Bei vergleichbaren Objekten wird das grünere genommen“, sagt Leube.
Ehrgeizige Ziele
Die größte deutsche Privatbank hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis 2012 ihren globalen Kohlendioxidausstoß um jährlich 20 Prozentpunkte gegenüber dem Basisjahr 2007 zu verringern und ihre globalen Geschäftsaktivitäten vollständig klimaneutral zu betreiben. Da die Deutsche Bank insgesamt nur etwa 10 Prozent der von ihr genutzten Fläche selbst besitzt, leisten die angestrebten „grünen Mietverträge“ einen bedeutenden Beitrag zur Umsetzung dieses Vorhabens.
Die Initiatoren des Programms versprechen sich durch den Fokus auf Energieoptimierung und den schonenden Umgang mit Ressourcen handfeste wirtschaftliche Vorteile. „Ein geringerer Ressourcenverbrauch ist immer auch mit einer Kostenersparnis verbunden“, sagt Leube.
Klimatisierung und Heizung im Zentrum
Im Nachhaltigkeitskatalog der Bank stellen zunächst Klimatisierung und Heizung eines angemieteten Objektes einen wesentlichen Aspekt dar. Daneben werden Angaben zur Dämmung des Gebäudes und zu den verwendeten Fenstern eingeholt. Der Energiepass wird einer genauen Betrachtung wegen energetischer Schwachstellen unterzogen. „Aus dem Ansatz der grünen Mietverträge ist ein strukturiertes Programm geworden, das sich schließlich einmal durch unser gesamtes Flächenportfolio ziehen wird“, sagt der Flächenmanager der Deutschen Bank.
Bei anstehenden Mietvertragsverlängerungen werden Investitionen, die nach Ansicht der Bank nach der Prüfung notwendig sind, direkt angesprochen. „Eigentlich sind das ganz normale Lebenszyklusinvestitionen, die ohnehin anstehen“, sagt Leube. In einem Fall in Nordrhein-Westfalen sei die Einigung mit dem Vermieter immerhin so weit gegangen, dass dieser schließlich sogar eine Zertifizierung seines Gebäudes nach dem amerikanischen LEED-Standard angekündigt habe.
Keine vollendeten Tatsachen
Die Bank will ihre Vermieter allerdings nicht vor vollendete Tatsachen stellen, sondern versucht Überzeugungsarbeit zu leisten. Ihnen wird nicht nur eine Wert- und Attraktivitätssteigerung ihres Objektes in Aussicht gestellt, sondern auch vorgerechnet. Dazu ist von Leube und seiner Mannschaft eine Übersicht erarbeitet worden, in der sich unter dem Strich nicht nur die eigenen möglichen Einsparungen durch angestoßene Investitionen in der Nebenkostenabrechnung finden, sondern gleichzeitig auch der positive Werteffekt für den Vermieter in jedem speziellen Fall ermittelt wird.
„Die Motivation für den Vermieter, in Energieeffizienz zu investieren, besteht in der höheren Nominalmiete, die danach durch die wiederum sinkenden Nebenkosten für den Mieter möglich wird“, sagt Leube. Dieser Effekt schlage sich wiederum in der Bewertung des Objekts nieder. Die Modellrechnung wird seit März in der Praxis erprobt. „Das ist ganz neu“, sagt Leube. Nach einem Jahr soll dann die endgültige Form gefunden sein.
Im Idealfall soll aus dem System der „grünen Mietverträge“ ein ähnliches Vorzeigeprojekt mit Beispielcharakter werden, wie dies der Deutschen Bank schon mit der Modernisierung ihrer Unternehmenszentrale in Frankfurt gelungen ist. Die markanten Doppeltürme werden unter der Bezeichnung „Greentowers“ geführt und sollen nach dem geplanten Abschluss der Arbeiten im kommenden Jahr zu den umweltfreundlichsten Hochhäusern der Welt zählen.
Steffen Uttich Jahrgang 1970, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Immobilienteil.
Jüngste Beiträge