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Einzelhandel Neue Ideen für alte Warenhäuser gesucht

07.05.2009 ·  Karstadt, Hertie, Woolworth: Der Rückzug der klassischen Kaufhäuser aus den Einkaufsstraßen beschleunigt sich. Manche füllen die Ladenfläche mit Fachgeschäften auf - und sogar mit Arztpraxen. Ein Patentrezept gibt es nicht.

Von Steffen Uttich
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Der angekündigte Rückzug der Warenhauskonzerne Karstadt und Galeria Kaufhof aus mehreren Innenstädten und Stadtteillagen hat die Ideensuche nach einer sinnvollen Nachnutzung in den vergangenen Wochen intensiviert. „Die einstigen Flaggschiffe des innerstädtischen Handels verlieren weiter an Bedeutung“, sagt Atisreal-Consult-Geschäftsführer Andreas Völker.

Die Makler- und Beratungsgesellschaft hat die jüngsten Vorgänge als lukratives Geschäftsfeld für sich entdeckt und inzwischen den neuen Geschäftsbereich „Retail Solutions“ ins Leben gerufen. Es werde zunehmend wichtiger, wirtschaftlich tragfähige Konzepte für Standorte zu entwickeln, die auf lange Sicht nicht mehr als Warenhaus genutzt werden könnten, beschreibt Völker seinen Ansatz. Dabei sei immer von Einzellösungen auszugehen.

Was geht in der Lage noch?

„Man kommt nicht drum herum, sich um jeden Standort einzeln Gedanken zu machen“, bestätigt Manfred Schalk von der auf Einzelhandelsimmobilien spezialisierten Maklergesellschaft Comfort. Dabei müsse abgewogen werden, was für einen Umbau, einen Neubau oder einen Abriss spreche - oder ob gar nichts passiert. „Was geht in der Lage noch?“, lautet für Atisreal-Consult-Geschäftsführer Völker die entscheidende Frage. Manchmal sei Einzelhandel über vier Etagen weiterhin möglich, wenn die Fassade aufgeteilt und Wege versetzt werden. Diese Vorhaben seien jedoch mit enormen Kosten verbunden. Manchmal gehe es deshalb über ein bis zwei Ebenen nicht hinaus, so dass in den höheren Geschossen eine alternative Nutzung angeboten werden müsse. Klassische Lückenfüller sind Fitnesscenter, aber auch Büroetagen.

So unterschiedlich die Nutzungskonzepte für die einzelnen Standorte sein können - ein Trend zeichnet sich in der gegenwärtigen Diskussion immerhin ab. Leergezogene Warenhäuser mit einer guten Lage in Oberzentren dürften als Shopping-Center revitalisiert beziehungsweise neu gebaut werden, womit sich der Siegeszug der Filialisierung fortsetzt. Ansonsten lautet die Formel: Je schlechter die Lage und je kleiner die Fläche, umso weniger passiert. In diesen Häusern ist dann auch mit Leerständen in den oberen Etagen zu rechnen.

Ärzte ins Kaufhaus

Dass letztere Entwicklung aber nicht zwangsläufig ist, will der Düsseldorfer Projektentwickler Development Partner mit seinen zwei erworbenen Hertie-Kaufhäusern in den Münchener Stadtteilen Laim und Giesing beweisen. Der Einzelhandel konzentriert sich nach den Vorstellungen von Vorstand Winfried Siebers auf das Erdgeschoss und maximal zwei weitere Ebenen. Von zwei bis vier Facheinzelhandelsgeschäften auf dieser Fläche ist normalerweise die Rede. „Der Rest muss dann mit Dienstleistungsangeboten mit hoher Zentralfunktion gefüllt werden.“ Als Beispiele nennt er Arztpraxen, Anwaltskanzleien und Krankenkassenvertretungen - „nicht das klassische Büro“. Bedeutsam sei bei diesen Projekten aber auch eine gute Zusammenarbeit mit den Kommunen.

In der vergangenen Woche hatte Karstadt die Häuser in Hanau, Kaiserslautern, Hamburg-Billstedt, Bottrop, Leipzig, Ludwigsburg sowie Kiel Alter Markt, München Am Dom und die Sports-Filiale in Recklinghausen aussortiert. Vom Verkauf bis zur Schließung hält sich der Einzelhandelskonzern zunächst alle Optionen offen. Galeria Kaufhof will im kommenden Jahr die Standorte Ludwigshafen, Mülheim/Ruhr, Krefeld am Ostwall sowie Leipzig-Paunsdorf aufgeben und stellt die Filialen in Coburg, Gießen, Wesel und Worms auf den Prüfstand. Auch etliche Filialen der angeschlagenen Einzelhändler Hertie und Woolworth dürften mit neuen Nutzungskonzepten auf den Markt kommen.

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Jahrgang 1970, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Immobilienteil.

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