Home
http://www.faz.net/-gza-6vjuu
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Coworking Spaces Geteilt und vernetzt

Betahaus und Oberholz: In Berlin entstehen besonders viele Coworking Spaces. Sie sind mehr als Gemeinschaftsbüros - und wecken das Interesse großer Konzerne.

© Florian Schuh Vergrößern Welchen Stecker hätten’s denn gern? Konferenzraum im Berliner Oberholz-Workspace

Rund zwanzig Leute scharen sich an der Theke, die zugleich Rezeption ist. Dahinter eine wandfüllende Tafel mit dem gesamten Sortiment an Kaffeesorten, Bio-Limos und Snacks sowie ganz oben und unübersehbar der Gästezugang mit dem Passwort fürs WLAN. Erst kommt das Netz, dann der Magen. Schließlich sind wir hier im Entree und Café eines Coworking Space, dem Betahaus in Berlin-Kreuzberg, einem der bekanntesten Büros für Digital Natives, wie die Medien gern jene nennen, denen das Internet scheinbar als sechster Sinn mit in die Wiege gelegt wurde.

Sogenannte Coworking Spaces entstehen allenthalben, vor allem in den Großstädten. Rund um den Erdball gibt es mehr als tausend, in Berlin sind es zurzeit 25 bis 30. Der Zuwachs ist enorm, jährliche Verdoppelungsraten durchaus üblich. Offizielle Zahlen gibt es zwar keine, diese hier kommen von Deskmag, einem Onlinemagazin, das ausschließlich übers Coworken berichtet und Studien zum Thema erstellt.

Die neuen Orte der Arbeit lassen sich allerdings nicht leicht zählen, da sie schwer abzugrenzen sind - zur einen Seite zu gewöhnlichen Gemeinschaftsbüros, auf der anderen gegenüber klassischen Mietbüros oder Business Centern. Coworking Spaces sind die typischen Arbeitsplätze für Freiberufler, Kreative und Start-ups. Orte fern des heimischen Schreibtischs, aber eben nicht zu vergleichen mit traditionellen Büros. Sie definieren sich vor allem durch ein flexibles Netzwerk an Menschen und Ideen - und durch schnelles Internet.

Monatsbeitrag, Teilzeit oder Tagesticket

Zurück zum Beispiel Betahaus: Gleich soll die Führung durchs Haus losgehen. „Wir machen das jetzt schon seit zwei Jahren zwei Mal die Woche“, seufzt Madeleine Gummer von Mohl, eine der Gründerinnen, ungläubig und ein bisschen stolz. „Und es gibt immer noch Leute, die das Betahaus nicht gesehen haben.“ Mit nur einem Raum für Schreibtische in einem alten Industriegebäude hat das Betahaus vor zweieinhalb Jahren angefangen. Heute bespielt das sechsköpfige Gründungsteam mit den 200 Mitgliedern drei Etagen, und es streckt seine Fühler schon nach einem weiteren Stockwerk aus. Unsere Besuchergruppe muss wie alle Betahaus-Nutzer über den Hof und durchs Treppenhaus hinauf in die Arbeitsräume. Überall weiß getünchte Backsteinwände, an den Mauern des Hinterhofs prangt ein magentafarbener Anstrich als Kulisse für Bürogrillpartys.

Coworking Spaces in Berlin © Florian Schuh Vergrößern Ansgar Oberholz vor den Telefonkapseln in seinem Coworking Space

Industriestil allenthalben, die Raumgestalter haben bevorzugt einfache Lösungen gewählt - offene Holzwaben dienen als Postablage, Schnüre mit Klammern als Schwarzes Brett. Der „Meeting Space“ besteht schlicht aus mit Teppich bezogenen Stufen. Was man hier nicht findet: alles, was es für die Bürowelt von der Stange gibt. Die Arbeitsräume sind groß und werden durch das bestimmt, worum es geht. Viele Schreibtische nach dem simplen Prinzip: zwei Böcke, obendrauf eine Platte.

Tische mit rotem Punkt sind fest von einer Person gemietet, die mit grünem Punkt sind sogenannte Flexdesks, an denen jeden Tag jemand anderes sitzt. Man kann einen Monatsbeitrag zahlen, Teilzeit arbeiten oder sich ein Tagesticket ziehen, dass in der Coworking-Welt Dayticket heißt. Extras wie ein Spind (Locker), um abends seine Sachen wegzuschließen, eine Postbox, 24-Stunden-Zugang zum Büro, Konferenzraumnutzung, Voice over IP oder eine Kaffee-Flatrate kosten extra. Nur 40 Prozent seines Umsatzes erzielt das Betahaus mit den Arbeitsplätzen, 40 Prozent mit Events und Konferenzen und 20 Prozent mit dem Café, das auch öffentlich ist.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Pharrell Williams im Gespräch Der neue Mann

Kaum jemand bestimmt die Popmusik gerade so sehr wie Pharrell Williams. Ob er über seine Musik, sein Männerbild oder seine Mode für Adidas spricht – stets geht es ihm ums Ganze. Mehr Von Alfons Kaiser

19.10.2014, 14:35 Uhr | Stil
Filmstars auf Samtpfoten

Menschliche Filmstars sind in Los Angeles keine Seltenheit - zum Katzen-Filmfestival haben sich nun die tierischen Darsteller unweit von Hollywood ihren Fans gezeigt. Auch für einen guten Zweck. Mehr

22.09.2014, 21:35 Uhr | Gesellschaft
Kochbuchkolumne Esspapier So kocht Berlin - und so schmeckt es dort

Ob versteckt in irgendeinem Hinterhof oder gut sichtbar in großen Hotels – ein neuer Kochführer stellt die kreativsten und besten Köche der deutschen Hauptstadt vor. Mehr Von Jürgen Dollase

17.10.2014, 09:55 Uhr | Feuilleton
Wie viel wissen Sie, auch wenn Sie nichts wissen?

Sie sitzen im Multiple-Choice-Test und haben keine Ahnung, was die richtige Antwort auf die Fragen ist? Dann gibt es trotzdem ein paar Strategien, mit denen Sie experimentieren können. Kennen Sie sie? Mehr

06.05.2014, 20:16 Uhr | Beruf-Chance
Castingshow für Unternehmer Gut gegründet, Löwe?

In der Fernsehsendung Die Höhle der Löwen buhlten Jungunternehmer um ein Startkapital von privaten Investoren. Wir haben die Sieger der ersten Staffel besucht und uns gefragt: Ist die Show der Weg zum Erfolg? Mehr Von Lena Schipper

08.10.2014, 15:54 Uhr | Beruf-Chance
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 04.12.2011, 14:40 Uhr

Zombie-Union

Von Holger Steltzner

Wenn Banken, die eigentlich tot sind, künstlich am Leben gehalten werden, kann das langfristig erhebliche Schäden anrichten. Was jetzt in Geheimprotokollen über die Zypern-Rettung bekannt geworden ist, offenbart die Zweifel auch innerhalb der EZB. Mehr 14 77


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --