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Veröffentlicht: 15.10.2011, 15:51 Uhr

China Wohnen im Schatten der Großen Mauer

Am Fuße von Chinas bekanntestem Wahrzeichen verwandelt ein Amerikaner Bauernhäuser in schmucke Feriendomizile. Die Basis für den Erfolg bildet ein 400-Seelen-Dorf.

von , Mutianyu
© dpa Exklusive Lage: Die historische Grenzbefestigung zieht Tausende Touristen an

Viel exklusiver kann man in China nicht wohnen. Wenn James H. Spear, den alle nur Jim nennen, auf der Terrasse seines Backsteinhauses Kaffee trinkt, wachsen ihm die Birnen sprichwörtlich in den Mund. Ein Baum mit Esskastanien lehnt sich über die Mauer. Die runden Stachelhüllen sind aufgeplatzt, es ist Erntezeit. Das Spektakulärste aber ist der Blick auf das Umland. Auf dem Bergkamm im Norden des Anwesens thront die Große Mauer, Chinas bekanntestes Wahrzeichen. Um dorthin zu gelangen, muss Spear nur den Pfad hinter seinem Haus hinaufsteigen - an Maronenpflanzungen, Findlingen und spielenden Eichhörnchen vorbei.

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„Es ist ein Privileg, hier leben zu dürfen“, sagt der 56 Jahre alte Amerikaner, dessen kompakte graubärtige Gestalt ein wenig an Ernest Hemingway erinnert. Es ist aber eines, das er sich selbst erarbeitet hat. Mit Geld, guten Ideen, einer verlässlichen Mannschaft und viel Ausdauer hat Spear ein kleines Immobilienimperium geschaffen, das im chinesischen Fremdenverkehr seinesgleichen sucht. Am Fuße der Mauer verwandelte er mehr als 30 Bauernhäuser, eine alte Glasziegelfabrik und eine ausrangierte Dorfschule in erstklassige Wochenendunterkünfte und Restaurants. Der Amerikaner und die Bauherren haben dafür 15 Millionen Dollar investiert.

Damals war der Preis überaus moderat

Die Basis für den Erfolg bildet das Dorf Mutianyu im Landdistrikt Huairou, der wiederum noch zur nahe gelegenen Hauptstadt Peking gehört. Mutianyu zählt nur 400 Einwohner. Tagsüber tummeln sich aber in dem Ort Tausende Touristen. Glücklicherweise erklimmen fast alle die Große Mauer über ausgebaute Wege, per Seilbahn oder Sessellift. Viele verlassen sie später über eine Sommerrodelbahn. Dadurch bleiben die malerischen Waldpfade und die schwerer zugänglichen Abschnitte des Bauwerks weitgehend unberührt.

Gästehäuser in China © Christian Geinitz Vergrößern Erfolgreich: Jim Spear fühlt sich in Mutianyu ausgesprochen wohl

Spear, Sohn eines Offiziers aus Iowa, verdient schon seit 26 Jahren in und mit China Geld. Die Sprache lernte er bei der Auslandsaufklärung der Army, das Geschäft als Projektingenieur und Investmentberater in China. Zur Immobilienwirtschaft kam Spear aus Leidenschaft - und doch zufällig. Ursprünglich lebte er in einem traditionellen Hofhaus in einer von Pekings engen Wohngassen, den Hutongs. In dem maroden Gebäude konnte er sich als Architekt, Innenausstatter und Handwerker ausprobieren. Bei einem Spaziergang auf der Großen Mauer lernte er dann einen Andenkenverkäufer aus Mutianyu kennen, der ihm das Dorf und die einfachen, einstöckigen Bauernhäuser auf den Hängen zeigte. „Ich war sofort fasziniert von der Idee, mir ein Wochenendhaus einzurichten“, erinnert sich der Unternehmer. Sein neuer Bekannter fädelte den Kauf ein.

Der Preis war damals - vor 16 Jahren - überaus moderat. Für die achtjährige Nutzung des ursprünglich 75 Quadratmeter großen Hauses zahlte Spear 10000 Yuan, nach heutigem Kurs nicht einmal 1200 Euro. Anschließend musste er für einen 30-Jahres-Vertrag schon 150.000 Yuan aufbringen, also 5000 Yuan im Jahr, statt zuvor 1250 Yuan. Besonders stark ist der Wert der Berghäuser in den vergangenen fünf Jahren gestiegen. Heute müsste Spear für die Anlage mindestens 23000 Yuan im Jahr bezahlen.

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