Home
http://www.faz.net/-gqe-727qz
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Immobilien Berlin, Berlin, wir kaufen in Berlin!

Lange war die Hauptstadt berühmt für niedrige Mieten. Jetzt wird’s richtig teuer. Die Krise treibt die Preise, die Zweitwohnung in Berlin wird zum Statussymbol.

© Gyarmaty, Jens Vergrößern Schnäppchenparadies: Auch die Hinterhöfe des einstigen Problembezirks Neukölln sind neuerdings beliebt. Ins Stadtzentrum ist es nicht weit

Rund dreißig Menschen haben sich an diesem Mittwochmorgen auf den harten Holzbänken des Amtsgerichts in der Neuköllner Karl-Marx-Straße eingefunden. Nicht auf ein mildes Urteil hoffen die Anwesenden, sondern auf einen günstigen Zuschlag. Punkt zehn Uhr eröffnet Rechtspflegerin Elke Wendhausen im holzvertäfelten Saal die Zwangsversteigerung. Das Objekt, auf das es die Anwesenden abgesehen haben, trägt das Geschäftszeichen 70 K 160/11. Dahinter verbirgt sich eine Eigentumswohnung in der Braunschweiger Straße 27, viertes Obergeschoss links. Knapp 40 Quadratmeter ist sie groß, der ermittelte Verkehrswert beträgt 25.000 Euro.

Ralph Bollmann Folgen:     Inge Kloepfer Folgen:  

Jahrzehntelang waren Wohnungen in Neukölln unverkäuflich. Die Gegend galt als dreckig, gefährlich und sozial schwach. Bei Zwangsversteigerungen saß Wendhausen meist vor leeren Sitzreihen. „Früher sind wir die Objekte überhaupt nicht oder weit unter Verkehrswert losgeworden“, sagt sie. Jetzt hat sie ein buntgemischtes Publikum vor sich: Mittfünfziger im Anzug, Geschäftsfrauen mit großer Sonnenbrille, Studenten im Hipster-Look und junge Mütter in Jeans.

Der alte Westen kommt wieder in Mode

In ganz Berlin sind Eigentumswohnungen gefragt wie nie, und auch die Mieten ziehen kräftig an. Lange galt die Stadt als Paradies für Wohnungssuchende - zumindest, solange sie es nicht auf den damaligen Trendbezirk Prenzlauer Berg abgesehen hatten. Dessen Reize sind mittlerweile verblasst, inzwischen kommt der alte Westen wieder sehr in Mode. Die höchsten Preissprünge verzeichnen Charlottenburg und Wilmersdorf mit ihren großbürgerlichen Altbauwohnungen, aber auch Schöneberg und das szenige Kreuzberg (siehe Karte). Weil das Angebot dort langsam knapp wird, weichen Investoren auf benachbarte Stadtviertel aus - wie eben auf Neukölln.

Infografik / Karte / Eigentumswohnungen in Berlin © F.A.Z. Bilderstrecke 

Dort erhält nach einer heißen Bieterschlacht Armin Heindl den Zuschlag, ein 41-jähriger Berliner. 37 700 Euro zahlt er für die Wohnung, knapp 1000 Euro pro Quadratmeter. Dafür bekäme er in seinem heimatlichen Kreuzberg nicht einmal ein Tiefparterre. „Ich habe nach einer Möglichkeit gesucht, mein Geld sicher loszuwerden“, sagt er. „Hohe Renditevorstellungen habe ich nicht.“ Den bisherigen Boom in anderen Teilen der Stadt habe er schon verschlafen. „In Neukölln wollte ich nicht schon wieder zu spät dran sein.“

Vor allem Privatanleger investieren

Großinvestoren sind es meist nicht, die auf dem Berliner Wohnungsmarkt die Preise hochtreiben. Eher Privatanleger, die ihr Geld vor der Euro-Krise in Sicherheit bringen oder es nicht für Niedrigzinsen der Bank überlassen wollen, die eine Unterkunft für den studierenden Nachwuchs suchen oder einen Zweitwohnsitz für sich selbst im hippen Berlin. Früher musste Rechtspflegerin Wendhausen die Wohnungsübergabe oft hinausschieben, bis der Meistbietende einen Kredit aufgetrieben hatte. „Heute wird in der Regel sofort überwiesen. Das Geld liegt auf der Bank.“

Weniger erfreulich ist der Trend für Neuberliner, die kurzfristig auf eine Bleibe in der Hauptstadt angewiesen sind. Eigentlich hat Christian Demand schon seit acht Monaten einen Job in Berlin. Der 52-Jährige ist der neue Herausgeber des kleinen, aber feinen Intellektuellenblattes „Merkur“. In seinem Leben hat er schon ziemlich viel erlebt. Er war Journalist, Musiker, Professor an einer Kunsthochschule. Aber die Wohnungssuche hat noch das Zeug dazu, ihn zu schockieren. „Inzwischen betrachte ich das als ethnologische Feldforschung“, sagt er.

Die Berliner Notare haben gut zu tun

Demand sucht, wo neuerdings alle hinwollen: in der westlichen Innenstadt. Oft war es schon schwer genug, überhaupt einen Besichtigungstermin für eine Mietwohnung zu bekommen. Zu sehen bekam er meist nur, was vom großen Kaufrausch übrig blieb - Wohnungen im dunklen Erdgeschoss, mit schlechtem Grundriss oder an extrem lauten Straßen. Ein Makler, erfuhr er, hilft auch nicht weiter. Längst reihen sich die professionellen Vermittler in die Schlange derjenigen ein, die händeringend nach Objekten suchen. Ein Bekannter Demands, der voriges Jahr eine Wohnung kaufte, hatte den Makler neulich wieder am Telefon: ob er seine Bleibe nicht wieder abgeben wolle, mit einem Preisaufschlag von 20 Prozent.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Frankfurt - die wachsende Stadt Jede Menge los

Die Stadt ist voll, mitunter proppenvoll. Ob auf der Zeil, am Mainufer oder im Waldstadion: Es wimmelt von Menschen. Wohl dem, der sich auskennt und das Gebot des antizyklischen Handelns beherzigt. Mehr Von Matthias Trautsch, Rainer Schulze und Petra Kirchhoff

24.09.2014, 13:24 Uhr | Rhein-Main
Altkleider-Mode auf der Pariser Fashion Week

T-Shirts und Hosen für ein paar Euro? Massenware, die man schnell kauft und schnell wieder wegwirft. Die Leidtragenden sind Näherinnen in Billiglohnländern. Dem will das Modelabel Schmidttakahashi etwas entgegensetzen. Zwei Designerinnen aus Berlin sammeln Alttextilien und machen daraus neue Kleidung. Mehr

12.05.2014, 17:08 Uhr | Lebensstil
Kardinal Woelki Der vermeintliche Hardliner

Der Kardinal kehrt heim. Rainer Maria Woelki ist am Samstag als neuer Erzbischof von Köln eingeführt worden. Dort werden sich viele wundern. Berlin hat den Rheinländer verändert. Mehr Von Daniel Deckers, Berlin

18.09.2014, 17:47 Uhr | Politik
Berliner Polizei twittert über Einsätze

Trauriges und Skurriles liegt für die Polizei manchmal dicht beieinander - erst recht in einer Metropole wie Berlin. Die Polizei in der Hauptstadt hat jetzt fast jeden ihrer Einsätze über Twitter veröffentlicht. Darunter war auch eine kleine Panne. Mehr

07.06.2014, 20:51 Uhr | Aktuell
Die Vermögensfrage Was werfen Immobilien eigentlich genau ab?

Privatleute haben in der Regel wenig Interesse, sich vor dem Kauf vermieteter Wohnungen mit deren Verzinsung zu beschäftigen und stürzen sich Hals über Kopf in fragwürdige Geschäfte. Mehr Von Volker Looman, Stuttgart

20.09.2014, 10:27 Uhr | Finanzen
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 18.08.2012, 19:23 Uhr

Wen die Portoerhöhung am meisten kostet

Von Helmut Bünder

Die Deutschen schreiben immer weniger Briefe, daher regt sie die verbraucherunfreundliche Portoerhöhung kaum auf. Aber für manche kostet sie auch Millionen. Mehr 14 9


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Wo die Milliardäre wohnen

In den Vereinigten Staaten wohnen mit Abstand die meisten Superreichen der Welt. Deutschland ist unter ihnen aber auch beliebt - in Europa liegt nur ein Land vor der Bundesrepublik. Mehr 2