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Im Gespräch: Prinz Max von und zu Liechtenstein „Wir werden von Liechtenstein unabhängig"

Die mutmaßliche Steuerhinterziehung vieler Deutscher hat den Finanzplatz Liechtenstein und die fürstliche LGT-Bank ins Zwielicht gebracht. Prinz Max, der Vorstandsvorsitzende der Gruppe und jüngere Sohn von Fürst Hans-Adam II., sieht sich zu Unrecht an den Pranger gestellt.

© AP Vergrößern

Die Daten, die die Liechtensteiner Steueraffäre auslösten, wurden aus seiner Bank gestohlen. Trotzdem glaubt Prinz Max von und zu Liechtenstein, Vorstandsvorsitzender der fürstlichen LGT-Bank und jüngerer Sohn von Prinz Albrecht, nicht an einen langfristigen Schaden. Das Vertrauen vieler Kunden muss trotzdem zurückgewonnen werden.

Durchlaucht, wie viel Schwarzgeld ist 2007 bei der LGT-Bank gebunkert worden?

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Es ist naiv zu glauben, Leute kämen wie vor Jahrzehnten mit Koffern voller Bargeld über die Grenze. Die Finanzströme können heute gut kontrolliert werden. Das begrüßen wir. Gerade dieses Land hat in dieser Hinsicht große Fortschritte gemacht, so etwa in der Geldwäsche-Bekämpfung, wo wir zu den führenden Staaten der Welt gehören. Aktuell befinden wir uns im Endstadium der Verhandlungen mit der EU über ein Betrugsabkommen bei den direkten Steuern. Dies wird Liechtenstein als Offshore-Standort unattraktiver machen. Daneben haben wir das Schengen-Abkommen unterschrieben mit all den darin notwendigen Voraussetzungen für den freien Grenzverkehr. Und gut organisierte Banken wie die LGT akzeptieren zum Beispiel schon länger keine Kunden mit größeren Bargeldbeträgen mehr. Insgesamt kommen schon mehr als 80 Prozent des Neugelds der LGT aus Geschäftsgebieten, die vom Standort Liechtenstein unabhängig sind.

Woher genau kam das neue Geld im vergangenen Jahr?

2,4 Milliarden Franken vertrauten uns im vergangenen Jahr institutionelle Anleger an, 8,6 Milliarden Franken private Kunden im Rahmen unseres Wealth Managements. Geographisch wächst Asien am stärksten. Zweitwichtigster Markt in puncto Wachstum ist unser lokales, Bafin-reguliertes Geschäft in Deutschland mit insgesamt sieben LGT-Standorten. Danach folgt als ebenfalls dynamischer Wachstumsmarkt Osteuropa.

Der jüngste Steuerstreit zwischen Deutschland und Liechtenstein ist durch den Datendiebstahl in der LGT Treuhand ausgelöst worden. Nimmt Ihr Geschäft dadurch nicht erheblichen Schaden?

Mittelfristig erwarten wir keine substantiellen Auswirkungen auf den Geschäftserfolg. Seit dem Jahresbeginn erhielten wir bis Mitte Februar Neugelder von netto 1,3 Milliarden Franken. Nach dem Bekanntwerden des Datendiebstahls flossen zwischen dem 16. Februar und dem Monatsende netto 100 Millionen ab. Der Saldo ist also weiterhin klar positiv.

Heißt dies, es gibt keinen kurzfristigen Handlungsbedarf?

Es wird darum gehen, das einseitige und teilweise falsche Bild der LGT-Gruppe zu korrigieren. Das betrifft nicht so sehr die bestehenden Kunden. Aber bei denen, die uns nicht so gut kennen, müssen wir daran arbeiten, Vertrauen zurückzugewinnen.

Wie haben die Rating-Agenturen auf die Vorfälle reagiert?

Wir haben sowohl mit Moody's als auch mit Standard & Poor's gesprochen und ihnen die Lage geschildert. Beide Agenturen haben im Anschluss daran die seit 1996 unveränderten, sehr guten Ratings von Aa3 beziehungsweise AA- bestätigt.

Müssen Sie sich nicht auf einen schwächeren Zufluss an Neugeld in diesem Jahr einstellen?

Eine Prognose zum jetzigen Zeitpunkt Anfang März abzugeben ist sehr schwierig. Aber es ist - auch aufgrund des schwierigeren konjunkturellen Umfelds - sicher unwahrscheinlich, dass wir die elf Milliarden Franken des vergangenen Jahres übertreffen.

Wie haltbar ist die Behauptung, dass die Konkurrenz der „Steueroasen" rund um Liechtenstein zunimmt?

Man vergisst gerne, dass der Finanzsektor an der Spitze der Globalisierung steht. Hinzu kommt der internationale Steuerwettbewerb. Gewinner in der laufenden Debatte könnten daher die Schweiz, EU-Mitglieder wie Österreich, Luxemburg und Großbritannien, aber auch Singapur sein. Aber nicht nur das Kapital ist beweglicher geworden, sondern auch die Menschen.

Deutschlands Botschafter in Bern sagte vor wenigen Tagen, das Schweizer Bankgeheimnis sei nicht mehr zeitgemäß. Dies gilt sinngemäß auch für Liechtenstein. Sie leben zum Teil in Deutschland und zahlen dort Steuern. Hat der Botschafter recht?

Nach meiner Wahrnehmung polarisiert der Steuerstaat die Menschen in Deutschland. Dies hat offensichtlich erhebliche Auswirkungen auf die Leistungsträger, wie sich an den Auswanderungszahlen in Staaten wie die Schweiz, Österreich, Großbritannien und Spanien zeigt. Wenn diese Leute wegziehen, fehlen nicht nur die Steuern, sondern zum Beispiel auch ihre Konsumausgaben in Deutschland.

Noch einmal zu dem Datendiebstahl und dem Ankauf der Ware durch den Bundesnachrichtendienst: Warum klagen Sie nicht gegen den deutschen Staat wegen mutmaßlicher Hehlerei?

Die LGT-Gruppe und ich persönlich sind an guten Beziehungen zu Deutschland interessiert. Ich denke, unsere Regierung hat bisher klar, aber auch konstruktiv reagiert. Sie hat auf unseren Rechtspositionen beharrt und zugleich ihre Gesprächsbereitschaft erklärt. Dies unterstützen wir als Bank.

Die gestohlenen Datensätze enthalten Kundenadressen aus verschiedenen Ländern. Befürchten Sie auch von daher Druck?

Die bei der LGT Treuhand gestohlenen Daten betreffen rund 1400 Kunden. Davon sind knapp 600 in Deutschland domiziliert. Der Rest ist breit gestreut. Ich glaube daher nicht, dass andere Länder eine ähnlich öffentlichkeitswirksame Steuerfahndung in die Wege leiten werden wie Deutschland.

Kann das Betrugsabkommen von Liechtenstein mit den Vereinigten Staaten ein Vorbild für das künftige Verhältnis sein?

Das Abkommen mit den Vereinigten Staaten enthält eine ganze Reihe von Besonderheiten, die für die Europäische Union weder interessant noch relevant sind. Sie wird sich wohl mehr an innereuropäischen Vorbildern ausrichten.

Von den aktuellen Ereignissen einmal abgesehen. Welche Bedeutung hat die LGT-Bank eigentlich für das Fürstenhaus als Eigentümer?

Die Gruppe stellt ein wichtiges Asset des Fürstenhauses dar - so wichtig, dass man sich genau darum kümmert. Sie erwirtschaftet momentan unter all unseren Vermögenswerten den höchsten Cash-flow.

Das Gespräch führte Jürgen Dunsch.

Quelle: F.A.Z.

 
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