07.08.2012 · Es gilt als ein Motiv für die Manipulationen im Organspendeskandal, dass Krankenhäuser Chefärzte auch nach der Zahl der operierten Fälle bezahlen. Läuft da etwas grundsätzlich falsch? „Eindeutig ja“, sagt der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses, Josef Hecken.
Von Andreas MihmRichtlinien für Lesermeinungen
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Die beiden Sparten haben tatsächlich etwas gemeinsam: Beide
produzieren (systembedingt) Leistungen, die im Ansatz richtig und
notwendig sind aber unterm Strich zu massiven Schäden und horrenden
Kosten führen.
Immer weniger Ärzte und Krankenhäuser interessieren sich auch
nur einen Dreck für die Gesundheit ihrer Patienten:
-Zähne ziehen und kaputt bohren statt erhalten (gibt ja Implantate)
-Masseneinsatz von Herzschrittmachern wie Herzkathetern quasi am Fließband
-Bandscheiben- und Knie- OPs statt konservativer Therapie
-Gebärmutterentfernungen am Fließband
-ultra teure "Krebsmedikamente", die die statistisch
gesicherte Verlängerung des Lebens oft nicht nachweisen können
(außer in der Studien des Pharmakonzerns selbst, natürlich)
-Behandlung von "neu erfundenen" Krankheiten (z.B.
Blutdhochdruck bei >140/80, egal wie alt der Pat.), Cholesterinsenker
für praktisch die gesamte Bev., wenns denn nach den
"neuen" Grenzwerten ginge
-dazu noch: IGEL, "legale Bestechung", etc. pp
Widerspruch
ihr Beitrag ist durch die freie Meinungsäußerung gedeckt. Inhaltlich sind das ziemlich krude und falsche Behauptungen.
Herr Hecken ist der Ansicht, daß manche Operationen nur
durchgeführt werden dürfen, wenn eine Mindestanzahl dieses
Eingriffs erreicht wird: glaubt er, daß so die Eingriffe reduziert
werden? Er will doch Anreize für hohe Fallzahlen setzen!
Einfache Lösungen für das Problem der überflüssigen
Eingriffe gibt es nicht. Staatliche Steuerungen führen aber eher zu
überflüssigen Eingriffen, wie man unschwer aus den
Äußerungen Herrn Heckers ablesen kann.
Lasst die Ärzte doch unabhängiger arbeiten, bestraft nicht die
ehrlichen Ärzte, und beteiligt Patienten mehr an den Kosten, die
sie auslösen.
Zu viel Medizin in Deutschland ?
Ein dümmeres Statement zu einem medizinischen Thema habe ich noch selten gelesen. Dass sich Herr Hecken anmasst, ich nehme an als medizinischer Laie, aus dem hohlen Bauch heraus zu behaupten in Deutschland werde zu viel operiert (aufgrund welcher relevanten Fakten oder Statistiken ?), ist mehr als nur einfältig und einfach eine Behauptung ohne Belege. Dass in Italien oder Frankreich weniger operiert werde und die Lebenserwartung in Deutschland trotz mehr Operationen nicht höher sei, ist als Argument völlig irrelevant, schon einfach deshalb, weil die meisten Operationen ja nicht lebensverlängernd wirken (zB orthopädische, ophthalmologische und viele andere Eingriffe), sondern funktionserhaltend sind. Man könnte sich ja auch umgekehrt fragen, ob nicht in Italien oder Frankreich zu wenig operiert und diagnostiziert werde. Ich würde Herr Hecken sehr empfehlen sich z.B. einmal in Süditalien medizinisch behandeln zu lassen, dann würde er sehr schnell auf den Boden der Realität zurückkehren.
Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 08.08.2012 13:47 UhrMedizin und Funktionäre
Das kann ich Ihnen aus eigener Erfahrung nur bestätigen, ich war auch selbst jahrelang in verschiedenen Spitälern tätig. Gerade bei Politikern und Gesundheitsfunktionären, die ja so oft gegen unnötige Behandlungen und das Tun der Mediziner wettern, habe ich wiederholt erlebt, dass wenn diese Damen und Herren als Patienten im Spital lagen, nur das Beste gut genug war, gelegentlich wurde ihnen sogar, statt Spitalkost, das Essen aus dem 5*-Hotel gebracht, auf eigene Rechnung allerdings.
Richtig bemerkt!
Herr Hecken ist Funktionär. Sein Bonus ist davon abhängig, wie viele Leistungen für Kassenpatienten er kürzt. Er selbst ist sicher privat versichert und legt großen Wert auf eine Maximalversorgung im Krankheitsfall.
Fehlanreize und Überkapazitäten
Neben den genannten Fehlanreizen in der Ärztebezahlung sind auch die immer noch gravierenden Überkapazitäten der Krankenhäuser die treibende Kraft für viele Missstände und Fehlentwicklungen. Ob 'Kopfprämien' an niedergelassene Ärzte, oder Druck auf die Mediziner die Fallzahlen (und Fallpauschalen von den GKK) zu erhöhen, es würde dies nicht geben, wenn Krankenhäuser immer oberhalb von 90% ausgelastet sein müssten, oder eben fusionieren oder schliessen (teilschliessen) müssten.
Wenn man nur noch 30 Knieoperationen pro Krankenhaus machen darf, werden
halt nur 30 Privatpatienten operiert. Für die bekommt man ja das
1,7-fache als für den Kassenpatienten.
Nette Aussichten.
Zum $-Augenprinzip ist zu sagen:
Der Chef eines Krankenhauses ist Arzt. Das Krankenhaus muß Gewinn machen.
Der Chefarzt hat einen Akortbonus + Chefarztprovision für Privat-Patienten.
Der Stationsarzt, Arzt derKrankenhaus-Aufnahme will noch befördert
werden und trifft die Vorauswahl.
Man hat also Heute schon das Sechs-Augenprinzip.
Sicher gibt es unnötige Operationen,
aber das bestimmt bitte nicht Herr Hecken, was nötig ist und was nicht. Allerdings sagen auch die Ärzte selber, natürlich hinter vorgehaltener Hand im privaten Kreis, dass oft unnötig operiert wird, sei es, weil die Kasse zahlt, sei es, weil man eine bestimmte Anzahl Operationen vorweisen muss, um als kompetent zu gelten, sei es, um Krankenbetten auszulasten. Oft seien konservative Therapien mindestens genau so wirksam wie die Operation, gerade im orthopädischen Bereich. Es hilft also nix, der Patient muss sich sachkundig machen, verantwortungsvolle Ärzte finden und selbst entscheiden.
wann sind Operationen unnötig und zu häufig?
Herr Hecken,
nach ihrer Argumentation werden in Deutschland zu viele Kniegelenke und
Hüften operiert, weil die Menschen in Deutschland dadurch keine
längere Lebenserwartung haben. Herr Vorsitzender des Gemeinsamen
Bundesausschuss es ist Ihnen doch bekannt, dass Hüftoperationen
keine lebensverlängernde Wirkung haben, sondern die Schmerzen und
Bewegungseinschränkungen einer Hüftarthrose bessern oder
heilen sollen. Wird in Zukunft nur noch das bezahlt, was länger
leben lässt?
Länger lebender Patient
Je älter jemand wird, desto öfter muss die Krankenkasse
für Medikamente zahlen.
Da bleibt also weniger Geld für die Ärzte.
Willkommen in der Staatsmedizin
Herr Hecken als Funktionär des GKV Spitzenverbandes behauptet, dass in D Menschen unnötiger Weise operiert werden, weil in Frankreich weniger vergleichbare Ops erfolgen und argumentiert (wörtlich!!!) dass die höhere Zahl an Knie und Hüftoperationen nicht zu einer höheren Lebenserwartung in D führt. Als Nicht-Jurist würde ich sagen, wenn Menschen ohne Indikation operiert werden oder Herzkatheteruntersuchungen bekommen, ist das Körperverletzung und ein Fall für den Staatanwalt. Das ist aber nicht sein Thema. Hier geht es aber nur darum, mit pauschalen Behauptungen weiter an der Staatsmedizin für Kassenpatienten zu feilen. Umverteilung von Kassensitzen, Vergünstigungen im staatsmedizinischen Apparat für Landärzte. Die wirklichen Probleme werden so nicht gelöst. Sie lauten Wirtschaftlichkeitsgebot und Wettbewerb in einem System, in dem Fürsorge und Menschlichkeit einer zunehmenden Ökonomisierung gewichen sind. Da können die Kranken nur die Verlierer sein.
Ärzte sind Unternehmer/Selbständige und somit steht
Geldverdienen steht auch bei den "Göttern in Weiß"
an erster Stelle!
Glück auf!
Sollen Ein- und Zwei-Cent-Münzen abgeschafft werden?
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Soll die Selbstanzeige für Steuerhinterzieher abgeschafft werden?