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Im Gespräch: Jean-Claude Trichet : „Wir sind eine Schicksalsgemeinschaft“

  • Aktualisiert am

Vor dem Abschied: der scheidende EZB-Präsident Jean-Claude Trichet Bild: Claus Setzer

Rückschritte im Integrationsprozess Europas seien gefährlich, warnt der scheidende Präsident der Europäischen Zentralbank. Trotz der eskalierenden Krise glaubt er an eine stabile Zukunft der Währungsunion. Ein Auszug aus dem F.A.Z.-Gespräch.

          Herr Trichet, glauben Sie an das Schicksal?

          Ich habe diesen Begriff gelegentlich verwendet und dabei Konrad Adenauer zitiert. Er sagte einmal, dass Europa eine Schicksalsgemeinschaft sei. „Dieses Schicksal zu gestalten ist uns übergeben.“ Diesen Worten kann ich mich nur anschließen.

          Mancher Politiker hat den Euro als eine Frage von Krieg und Frieden bezeichnet.

          Der Integrationsprozess hat Europa über mehr als ein halbes Jahrhundert Frieden, Wohlstand und Stabilität beschert. Würden wir anfangen, Rückschritte zu machen, würden wir diese Stabilität aufs Spiel setzen. Aus wirtschaftlicher Sicht haben wir heute gewichtigere Gründe, die Einigung voranzutreiben, als unmittelbar nach dem Krieg. Damals waren China, Indien oder Lateinamerika noch nicht von so großer Bedeutung wie heute. Wären wir Europäer in unseren jeweiligen Ländern auf uns allein gestellt, würden wir zunehmend wie Zwerge wirken.

          Inflation ist nicht der einzige Albtraum der Deutschen. Sie fürchten, dass sie für die Schulden anderer zahlen sollen.

          Zunächst einmal mag ich die Unterteilung in „die Deutschen“, „die Italiener“ oder „die Franzosen“ nicht. Wir leben in Demokratien. Der Auftrag der EZB ist die Gewährleistung von Preisstabilität. Die Frage nach Schulden und wer für sie zahlt, muss man den Regierungen stellen. Zum einen denen, die zu viele Schulden angehäuft haben, und zum anderen den Regierungen, die das Fehlverhalten ihrer Nachbarn hingenommen haben. Wir, das Direktorium und der Rat der EZB, haben öffentlich und über Jahre Verstöße gegen den Stabilitäts- und Wachstumspakt angeprangert und vor den Gefahren gewarnt.

          Wird die europäische Integration ohne mehr Transferzahlungen auskommen?

          Wir sollten in diesem Zusammenhang zwischen Hilfe, Transfer und Kredit unterscheiden. Die Verträge verbieten Kredite zwischen den Mitgliedsländern nicht. Das ist auf keinem Kontinent denkbar, dass sich Länder nicht mit verzinslichen Krediten helfen. Der Vertrag verbietet Subventionen und Transferzahlungen. Außerdem sollte es künftig möglich sein, Ländern, die sich weiterhin nicht an die Vorgaben des Stabilitätspakts halten und so die Stabilität der Währungsunion gefährden, Entscheidungen aufzuerlegen. Dafür müssten meiner Meinung nach die Verträge geändert werden.

          Wird es den Euro auch in zehn Jahren noch geben?

          Nicht nur wird es den Euro in zehn Jahren noch geben, sondern den Informationen zufolge, die wir aus Anleger- und Sparerkreisen erhalten, wird er mit einem Wert von unter, aber nahe 2 Prozent auch Preisstabilität gemäß unserer Definition liefern. Den Erwartungen zufolge wird die durchschnittliche jährliche Teuerungsrate von Jahr 6 bis Jahr 10 bei 1,8 Prozent liegen.

          Das Gespräch führten Gerald Braunberger und Stefan Ruhkamp.

          Das vollständige Interview lesen Sie in der Mittwochsausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Quelle: F.A.Z.

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