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Im Gespräch: George Soros „Deutschland muss in der Krise mehr tun“

 ·  Der freie Fall der Wirtschaft ist gestoppt, sagt der legendäre Investor George Soros. Er warnt, die deutsche Wirtschaft werde später als Amerika voll von der Krise getroffen. Soros über Probleme im Kapitalismus, radikale Wirtschaftspolitik und seine politische Philanthropie - F.A.Z.-Interview.

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George Soros ist ein legendärer Investor. 1992 katapultierte er das britische Pfund aus dem europäischen Währungssystem. Der heute fast 79 Jahre alte Soros gründete 1969 mit dem Quantum Fonds den ersten Hedge-Fonds. Obgleich sich der gebürtige Ungar aus der operativen Führung zurückgezogen hat, treiben ihn instabile Märkte nach wie vor um. Soros, seit 1961 Amerikaner, geißelte die Kreditblase schon vor Ausbruch der Krise. Große Teile seines Vermögens spendet er, um in Osteuropa „offene Gesellschaften“ zu fördern.

Herr Soros, haben wir das Schlimmste in der Finanzkrise hinter uns?

Ja, der freie Fall der Wirtschaft ist gestoppt, der Kollaps des Finanzsystems abgewendet. Die staatlichen Konjunkturstimuli beginnen zu wirken. Die Abwärtsdynamik lässt nach. Die allgemeine Panik, in der alle nur Geld gehortet haben, ist vorbei. Ein Teil des Geldes, das an der Seitenlinie geparkt war, kommt auf die Finanzmärkte zurück.

Ist die Besserung nachhaltig?

Ich erwarte, dass die Erholung etwa die Hälfte des vorherigen Abschwungs wettmacht und dann in eine Stagnation übergeht. Asien wird als Erstes aus der Krise finden, aber auch Amerika ist gerade dabei. Gleichwohl wird China die Vereinigten Staaten als Motor der Weltwirtschaft ablösen.

Was heißt das für die ökonomische und politische Dominanz Amerikas?

Die amerikanische Wirtschaft ist immer noch größer als die chinesische. Doch die Volksrepublik wird einen größeren Beitrag zum Wirtschaftswachstum in der Welt leisten. Damit werden sich die politischen Gewichte von Amerika zu China verschieben.

Wird der Dollar seine Rolle als Leitwährung verlieren und abwerten?

Die Chinesen besitzen eine Menge amerikanischer Staatsanleihen. Damit sind sie in einer sehr starken Position. Sie haben auch schon erste Angriffe auf den Dollar gestartet. Sie wollen ihn als Leitwährung ablösen. Tatsächlich ist der Dollar schon eine schwache Währung – abgesehen von allen anderen. Wogegen sollte denn der Dollar abwerten? Der Euro hat seine eigenen Schwierigkeiten, Chinas Renminbi eröffnet keine Alternative. Ich sehe nicht, dass der Dollar gegen den Euro groß an Wert verliert, im Gegenteil.

Müsste man mit dieser Einstellung nicht gegen den Euro spekulieren?

Ich bin kein Spekulant mehr. Die strukturellen Schwächen des europäischen Währungsraums sind bekannt: Es gibt eine Zentralbank, aber keine zentrale europäische Schuldenverwaltung.

Glauben Sie, dass der Euro Bestand haben wird?

Ja, das Euro-System wird überleben. Es zeigt sich in dieser Krise, dass es für schwache Länder ein großer Vorteil ist, den Euro zu haben. Es gibt also keinen Grund für sie, den Euro-Raum zu verlassen. Doch müsste die Krise Deutschland als stärkstes Land motivieren, Vorschläge für ein effizienteres Euro-System zu machen. Ich vermisse hier von der Bundesregierung Führung.

Was schlagen Sie konkret vor?

Deutschland sollte sich nicht länger gegen die Emission von Anleihen der Europäischen Union sträuben.

Finanzminister Steinbrück befürchtet, dass eine Mischung aus griechischen, spanischen und deutschen Anleihen seine Zinskosten erhöht. Hat er nicht recht?

Ganz und gar nicht. Der Markt für EU-Anleihen wäre viel liquider als der heutige Markt für Bundesanleihen. Deshalb würden die Zinskosten zurückgehen. Deutschland sollte den Partnerländern die Emission von EU-Anleihen anbieten, aber auf größere Mitsprache in der dafür notwendigen Schuldenverwaltung dringen. Wenn die anderen darauf nicht eingehen, kann Deutschland das Angebot der EU-Anleihe immer noch zurückziehen. Mir geht es darum, dass Deutschland Initiative zeigt und vorangeht.

Was sollte die Bundesregierung sonst noch tun?

Deutschland muss mehr tun, um die Konjunktur anzukurbeln. Die deutsche Wirtschaft wird später als Amerika voll von der Krise getroffen. Auf den Nachfrageeinbruch bei Konsumgütern folgt der Nachfrageeinbruch im Maschinenbau, da ist die deutsche Wirtschaft besonders stark. Damit wird die Arbeitslosigkeit bis zum Herbst in Deutschland deutlich steigen. Deshalb muss Deutschland mehr tun – für das Euro-System und innerhalb des Internationalen Währungsfonds.

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Das Gespräch führten Hanno Mußler und Manfred Schäfers

Quelle: F.A.Z.
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11.05.2009, 12:32 Uhr

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