22.02.2010 · Der Ökonom Eberhard Wille leitet den Sachverständigenrat Gesundheit, will die Rabattverträge ausdehnen und wirbt für mehr Wettbewerb bei Arzneimittelpreisen. Trotz des größeren Zeitaufwands plädiert er für Verhandlungslösungen.
Der Ökonom Eberhard Wille leitet den Sachverständigenrat Gesundheit, will die Rabattverträge ausdehnen und wirbt für mehr Wettbewerb bei Arzneimittelpreisen. Trotz des größeren Zeitaufwands plädiert er für Verhandlungslösungen.
Herr Professor Wille, die Kassen zahlen 30 Milliarden Euro für Arzneimittel und Impfstoffe, fast so viel wie für ärztliche Behandlung. Geben wir zu viel Geld für Pillen und Pasten aus?
Das ist ein hoher Betrag. Im Vergleich zu den anderen europäischen Staaten liegen wir damit allerdings nur im Mittelfeld. Es besteht noch ein Effizienz- und Effektivitätspotential. Bei den Preisen gibt es Spielraum nach unten, auch könnten Arzneimittel gezielter eingesetzt werden.
Sollten die Ärzte kostenbewusster verschreiben?
Manchmal helfen einfache Informationen, etwa der Austausch untereinander in pharmakologischen Zirkeln. Listen mit Empfehlungen für bestimmte Arzneimittel können Ärzte zu einem effektiveren Verschreiben anhalten. Das sind sehr hilfreiche Instrumente.
Wo liegen Spielräume bei der Preisgestaltung? Soll der Gesundheitsminister auf die Kostenbremse steigen?
Wenn er unmittelbar Spareffekte erzielen möchte, dann müsste er, wie in den vergangenen Jahren immer wieder praktiziert, den Herstellerabschlag erhöhen, Preismoratorien erlassen, den Apothekenabschlag kürzen. Ich hielte das für eine unbefriedigende Notlösung. Eine ordnungspolitisch konforme Maßnahme bestünde darin, den Krankenkassen mehr Spielraum für Rabatt- und Preisverhandlungen zu gewähren. Ich würde immer für Verhandlungslösungen plädieren, auch wenn diese zeitintensiver ausfallen.
Brauchen wir mehr Rabattverträge?
Ja. Wir sollten die Rabattverträge ausdehnen. Der Gesetzgeber sollte Kassen das Recht gewähren, eigene Arzneimittellisten aufzustellen. In deren Rahmen darf eine Auswahl jedoch nur dort stattfinden, wo es vergleichbare Arzneien für eine Therapie gibt. Um die Belieferung der Sortimente können sich Pharmahersteller bewerben.
Die Pharmaindustrie will die Rabattverträge wieder abschaffen. Der Wettbewerbsdruck sei zu hoch, die Nachfragemacht der Kassen zu groß. Was halten Sie von den Argumenten?
Selektivverträge und Wettbewerb fördern Konzentrationsprozesse. Das ist nicht nur in der Pharmaindustrie der Fall, sondern auch bei den Kassen. Sie schließen lieber mit einem großen Hersteller einen Vertrag ab, pharmazeutische Hersteller verhandeln lieber mit einer großen Kasse. Diese Konzentrationsprozesse laufen bereits seit Jahren ab und werden allenfalls verstärkt.
Deutschland ist eines von wenigen Ländern, das die Preise neuartiger Arzneien nicht reguliert, sondern die Höhe allein vom Hersteller festlegen und den Kassen bezahlen lässt. Ein Modell mit Zukunft?
Ich glaube nicht. Es gibt Länder, die schon eine vierte Hürde praktizieren, indem sie für die gesetzliche Krankenversicherung nur bestimmte Arzneimittel zulassen. In Ländern wie Frankreich wird der Preis für neuartige patentgeschützte Arzneimittel mit den Herstellern von staatlicher Seite ausgehandelt. Ich könnte mir in Deutschland ein abgestuftes Verfahren vorstellen, das sowohl den Interessen der Kassen entspricht, Geld zu sparen, als auch den Pharmastandort Deutschland nicht allzu stark beeinträchtigt.
Nämlich wie?
Man könnte Herstellern neuartiger Arzneimittel, die der bisherigen Standardtherapie vermutlich überlegen sind, erlauben, den Preis für die ersten zwei oder drei Jahre nach Ermessen festzulegen. Die spätere Erstattung würde an die Ergebnisse einer Kosten-Nutzen-Bewertung gekoppelt. Eine zusätzliche Restriktion würde es bedeuten, auch für diesen Übergangszeitraum einen Preis auszuhandeln.
Was sollte der Gesundheitsminister als Erstes tun?
Ein schneller Einsparerfolg lässt sich mit ordnungspolitisch konformen Mitteln nicht erreichen. Er sollte in jedem Falle für mehr Wettbewerb sorgen, Verhandlungen ermöglichen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.788,80 | +0,59% |
| FAZ-INDEX | 1.515,08 | +0,60% |
| TecDAX | 773,23 | −0,05% |
| MDAX | 10.356,30 | +0,39% |
| SDAX | 5.020,58 | +1,11% |
| REX | 421,13 | +0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.522,34 | +0,37% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 81,31 | +0,42% |
| Dow Jones | 12.890,50 | +0,05% |
| Nasdaq 100 | 2.563,93 | +0,72% |
| S&P500 | 1.351,95 | +0,15% |
| Nikkei225 | 9.002,24 | −0,15% |
| EUR/USD | 1,3286 | +0,02% |
| Rohöl Brent Crude | 118,37 $ | −0,27% |
| Gold | 1.748,00 $ | +0,11% |
| Bund Future | 137,23 € | −0,37% |