Home
http://www.faz.net/-gqe-11e6x
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Im Gespräch: „Die Ärzte“-Gründer Farin Urlaub „Wir müssen keinen bescheißen“

Farin Urlaub hat die Punkrockband „Die Ärzte“ gegründet und ist reich geworden. Georg Meck traf den Sänger auf seiner Tournee und sprach mit ihm über Millionengehälter von Bankern, Moral und Selbstlosigkeit sowie seine Liebe zu Staatsanleihen.

© dpa Vergrößern Sänger Farin Urlaub

Farin Urlaub hat die Punkrockband „Die Ärzte“ gegründet und ist reich geworden. Georg Meck traf den Sänger auf seiner Tournee und sprach mit ihm über Geld, Moral und Staatsanleihen.

Herr Urlaub, wollen wir über Geld und Moral reden?

Mehr zum Thema

Gerne. Auch wenn ich nicht weiß, ob ich in Sachen Moral der richtige Ansprechpartner bin. Für Geld sicher nicht. Geld ist für mich kein Ziel. Das ist nur insofern wichtig, als dass man sich damit Freiheit leisten kann.

Geld ist für den Musiker die einzige Möglichkeit, die Gunst des Publikums zu messen, würde Stones-Gitarrist Keith Richards jetzt einwenden.

Das ist nicht so meins. Ich freue mich auch darüber, wenn wir CDs und Konzerttickets verkaufen. Aber ich bin nicht stolz darauf, wenn ich 100.000 Euro mehr auf dem Konto habe. Die goldenen Platten stehen bei mir im Keller.

Wie viele CDs haben Sie mit den „Ärzten“ verkauft in 25 Jahren?

Keine Ahnung.

Im Ernst?

Ja, ehrlich. Wieso soll mich das interessieren? Es waren sehr viele.

Geld ist nicht mehr wichtig, weil genug davon da ist?

Geld spielt für uns keine Rolle. Auch deshalb, weil wir nicht verrückt geworden sind. Keiner von uns hat sich einen Öltanker gekauft oder ein Schloss in Frankreich. Unsere Wünsche sind nicht so schnell gewachsen wie unser Einkommen, was ganz gut ist.

Dann zur Moral: Was ist die Antwort des Punkrocks auf die Finanzkrise?

Ich bin doch nicht das Sprachrohr von Punkrock, dem sind wir seit den achtziger Jahren entwachsen.

Wie denkt dann der Popstar über die gefallenen Star-Banker?

Mir fehlt das Verständnis für manche Gehälter. Wenn der Hedge-Fonds-Boss John Paulson über eine Milliarde Dollar verdient, finde ich das bizarr: Wie viele Häuser, Yachten, Bedienstete bekommt man dafür? Sorry, ich kann nicht begreifen, was an dieser Arbeit so unfassbar wichtig sein soll, dass es diese Summen rechtfertigt. Da wird ja kein Wert geschaffen. Man handelt mit Träumen und Hoffnungen von Leuten, die gierig sind.

Ein toller Pop-Song ist auch kein materieller Wert, und man wird reich damit.

Halt, wir liefern etwas ab. Wir sind kreativ. Mein moralisches Problem ist, dass die Leute, die Autos zusammenschweißen, viel weniger verdienen als diejenigen, die in diese Fabrik investieren. Deswegen bin ich auch kein Freund von Aktien.

Wie haben Sie Ihr Geld angelegt?

Ganz stumpf: Termingeld, Staatsanleihen, keine Aktien. Ich glaube nicht an Aktien. Ich verstehe das System: Firmen, die wachsen wollen, brauchen Geld. Das holen sie sich von Leuten, die daran glauben, dass die Firma erfolgreich ist. So weit, so gut. Doch den Spekulationswillen, der nicht mit irgendeiner langfristigen Planung zu vereinbaren ist, den kann ich nicht nach- vollziehen. Wir würden als AG niemals funktionieren.

Warum nicht?

Weil wir keine Vierteljahresziele haben, sondern 20-Jahres-Ziele. Ansonsten kann ich mich über den Kapitalismus als solchen nicht beschweren, denn ich profitiere ja davon. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass wir als Band nie jemanden bescheißen mussten, um Geld zu verdienen. Wir haben etwas angeboten, und erstaunlich viele Leute haben das nachgefragt. Ich habe das Gefühl, dass dies nicht für alle Berufe gilt, ohne dass ich alle Mechanismen durchdringe. Im „Economist“, meinem Lieblingsblatt, lese ich hauptsächlich Politik, Wissenschaft, Kultur. Die Wirtschaft blättere ich fassungslos durch. Das ist nicht meine Welt.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
McKinsey im Kloster Ich bin froh, dass ich nicht mehr Chef bin

Pater Martin Werlen war 13 Jahre lang Abt von Kloster Einsiedeln in der Schweiz. Er brachte das unrentable Stift wirtschaftlich auf einen neuen Kurs. Denn er weiß um den Wert von Karriere und McKinsey auch im Kloster. Mehr

18.12.2014, 06:00 Uhr | Beruf-Chance
Quiz Was wissen Sie von 2014?

Der Jahresrückblick als großes Quiz: Was haben Sie sich gemerkt zu Managern und Marken, Politik und Pleiten? Testen Sie Ihr Wirtschaftswissen, gewinnen Sie eine Kreuzfahrt durchs Mittelmeer und noch vieles mehr. Mehr Von Georg Meck

02.12.2014, 11:04 Uhr | Wirtschaft
Doping-Kronzeugin Stepanowa Doper lassen sich besser vermarkten

Julia Stepanowa ist Kronzeugin des Doping-Skandals in Russland. Warum aber reagiert kaum jemand auf ihre Vorwürfe und Beweise? Im F.A.Z.-Interview spricht die Läuferin über ihre Flucht aus Russland, Angst und weitere Beweise. Mehr

17.12.2014, 13:01 Uhr | Sport
Tiere in Bangkok Bitte ein Steak mit Reis für meinen Hund

Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer, diesen Satz hört man oft. Doch selten sind damit Hunde gemeint. In Bangkok gilt dieser Satz aber stärker als anderswo, dort haben Hunde eigene Restaurants oder aber leben in bitterer Armut. Mehr

09.12.2014, 17:07 Uhr | Gesellschaft
Film-Bösewicht Ray Liotta Insgeheim hoffe ich, dass das ganze System bald zusammenbricht

Er war der berüchtigtste Mafioso in Martin Scorseses legendärem Film Good Fellas, eine Rolle dieses Kalibers hätte er gern mal wieder. Ein Gespräch mit dem Schauspieler Ray Liotta. Mehr

18.12.2014, 16:56 Uhr | Feuilleton
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 07.12.2008, 11:23 Uhr

Bescherung im Bundesrat

Von Heike Göbel

Die jüngsten Beschlüsse im Bundesrat bringen den Ländern mehr Geld. Für den Bund ist das nicht so gut. Mehr 2


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Weniger Geld für Startups

Software-Startups finden in Amerika leichter Investoren als andere Firmengründer. Mehr