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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 15.03.2013, 15:46 Uhr

Im Gespräch: Der Bankier Ludwig Poullain „Frau Merkel lässt sich nicht abzocken“

Der Ruf der Banker ist nicht ganz zu Unrecht ramponiert. Wer einen echten Bankier kennenlernen will, sollte Ludwig Poullain besuchen. Ein echter Big Player.

© Nedden, Kai Ludwig Poullain in seinem Haus in Münster

Herr Poullain, Sie haben für Ihre Zunft so etwas wie einen hippokratischen Eid gefordert. Wie müsste der lauten?

Sehr einfach: „Ich verspreche, keinen Kunden zu besch...“

Das müsste schöner formuliert werden.

„Ihn redlich zu bedienen, nach bestem Wissen und Gewissen ihm die Produkte zu verkaufen, die mein Gewissen verantworten kann.“

In Ihrer berühmten „ungehaltenen Rede“ mahnten Sie Redlichkeit an, Sie zitierten Kant - und machten einen Unterschied zwischen Bankern und Bankiers. Sie schrieben: „Der Bankier war ein vornehmer Mann, kein Vornehmtuer. Er war kein Mann des schnellen Geldmachens. Ein Banker dagegen ist ein globaler Universeller. Er weiß nicht nur alles, er weiß auch alles besser.“

(Lächelt:) Ja.

Wissen Sie, ich spreche ja oft mit meinen Freunden von der Sparkasse, auch den Herren vom Private Banking. Die fragte ich: „Haben sich die Anforderungen der Kunden verändert?“ Erst Schweigen - dann kam raus, dass die sich diametral gewandelt haben. Wollten die Kunden vor Jahren noch vor allem hohe Rendite, so ist jetzt die erste Forderung: Sicherheit der Anlage.

Die besagte Rede sollte ich 2004 auf Wunsch des ausscheidenden Manfred Bodin halten, Vorstandschef der Norddeutschen Landesbank. Zuvor hatte ich Bodin den Text gemailt, dann stand er um sieben auf der Matte mit Änderungen. „Ich ändere nichts!“, hab ich gesagt, alles Weitere kennen Sie. Der Abdruck in der F.A.Z. rief ein riesiges Leserbrief-Echo hervor. Später wurde mir mal im Vertrauen das Manuskript mit den gestrichenen Passagen gezeigt. Es waren genau die, die Sie eben zitiert haben.

Die über Redlichkeit?

Ja.

Man könnte glauben, die Finanzkrise hätte Sie nicht sonderlich überrascht.

Nein, das hat sie auch nicht. Ich habe ja noch Kontakte zu meiner alten West LB, und da habe ich mal gefragt: „Derivate und so weiter - was ist das denn? Das versteh‘ ich alles nicht mehr.“ Das waren einfach Silberpakete mit Schleifchen, da stand „10 Prozent Rendite“ drauf - und keiner hat geschaut, was drin war.

Aber aktuell lautet nun Ihre Parole „Raus aus dem Euro“.

Ich meine ja, dass weniger Deutschland diesen Schritt vollziehen muss als die die wirtschaftlich schwächeren Staaten. Frankreich ginge es um einiges besser, wenn sie nicht im Euro wären - weil sie abwerten könnten. Die nehmen ja nicht teil an der globalen Welt. Helmut Kohl hat, als er uns Bürgern den Euro nahebringen wollte, zwei wesentliche Gründe genannt. Erstens: Der Euro würde die Politik zwingen, den Schritt zur europäischen Einigung nachzuvollziehen. Der zweite Grund war wirtschaftspolitisch: Den monolithischen Blöcken USA und China sollte Europa ebenbürtig gegenüberstehen. Beides ist gescheitert. Der einzige Staat, der dies wahrnimmt ist die Bundesrepublik. Für die andern Länder hat sich das als Falle erwiesen. Frankreich und Italien konnten sich zuvor noch auf den Weltmärkten behaupten, indem sie Lira und Franc gegenüber den Leitwährungen abwerteten...Wie hieß noch der Chef von Fiat?

Agnelli.

In den siebziger und achtziger Jahren hat Agnelli bei seinen Regierungen oft interveniert und gefordert, die Lira abzuwerten. Ich war ja Mitglied des Aufsichtsrates von VW - da ist mir noch in den Ohren, dass VW an die Vormachtstellung von Fiat auf dem Weltmarkt nicht herankam. Oder auch in Frankreich Renault. Wo ist heute Fiat? Und wo ist Renault? Frankreich exportiert noch auf den Weltmärkten Atomkraft und Flugzeugtechnologie - alles Dinge, die nicht arbeitsintensiv sind, mehr Know-how sind als Produkte.

Aber wenn Staaten solche Inflationierungspolitik betreiben, wird das von vielen sehr kritisch gesehen. Das hat doch seine Schattenseiten!

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