Home
http://www.faz.net/-gqe-77ow4
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Im Gespräch: Der Bankier Ludwig Poullain „Frau Merkel lässt sich nicht abzocken“

Der Ruf der Banker ist nicht ganz zu Unrecht ramponiert. Wer einen echten Bankier kennenlernen will, sollte Ludwig Poullain besuchen. Ein echter Big Player.

© Nedden, Kai Vergrößern Ludwig Poullain in seinem Haus in Münster

Herr Poullain, Sie haben für Ihre Zunft so etwas wie einen hippokratischen Eid gefordert. Wie müsste der lauten?

Sehr einfach: „Ich verspreche, keinen Kunden zu besch...“

Das müsste schöner formuliert werden.

„Ihn redlich zu bedienen, nach bestem Wissen und Gewissen ihm die Produkte zu verkaufen, die mein Gewissen verantworten kann.“

In Ihrer berühmten „ungehaltenen Rede“ mahnten Sie Redlichkeit an, Sie zitierten Kant - und machten einen Unterschied zwischen Bankern und Bankiers. Sie schrieben: „Der Bankier war ein vornehmer Mann, kein Vornehmtuer. Er war kein Mann des schnellen Geldmachens. Ein Banker dagegen ist ein globaler Universeller. Er weiß nicht nur alles, er weiß auch alles besser.“

(Lächelt:) Ja.

Wissen Sie, ich spreche ja oft mit meinen Freunden von der Sparkasse, auch den Herren vom Private Banking. Die fragte ich: „Haben sich die Anforderungen der Kunden verändert?“ Erst Schweigen - dann kam raus, dass die sich diametral gewandelt haben. Wollten die Kunden vor Jahren noch vor allem hohe Rendite, so ist jetzt die erste Forderung: Sicherheit der Anlage.

Die besagte Rede sollte ich 2004 auf Wunsch des ausscheidenden Manfred Bodin halten, Vorstandschef der Norddeutschen Landesbank. Zuvor hatte ich Bodin den Text gemailt, dann stand er um sieben auf der Matte mit Änderungen. „Ich ändere nichts!“, hab ich gesagt, alles Weitere kennen Sie. Der Abdruck in der F.A.Z. rief ein riesiges Leserbrief-Echo hervor. Später wurde mir mal im Vertrauen das Manuskript mit den gestrichenen Passagen gezeigt. Es waren genau die, die Sie eben zitiert haben.

Die über Redlichkeit?

Ja.

Man könnte glauben, die Finanzkrise hätte Sie nicht sonderlich überrascht.

Nein, das hat sie auch nicht. Ich habe ja noch Kontakte zu meiner alten West LB, und da habe ich mal gefragt: „Derivate und so weiter - was ist das denn? Das versteh‘ ich alles nicht mehr.“ Das waren einfach Silberpakete mit Schleifchen, da stand „10 Prozent Rendite“ drauf - und keiner hat geschaut, was drin war.

Aber aktuell lautet nun Ihre Parole „Raus aus dem Euro“.

Ich meine ja, dass weniger Deutschland diesen Schritt vollziehen muss als die die wirtschaftlich schwächeren Staaten. Frankreich ginge es um einiges besser, wenn sie nicht im Euro wären - weil sie abwerten könnten. Die nehmen ja nicht teil an der globalen Welt. Helmut Kohl hat, als er uns Bürgern den Euro nahebringen wollte, zwei wesentliche Gründe genannt. Erstens: Der Euro würde die Politik zwingen, den Schritt zur europäischen Einigung nachzuvollziehen. Der zweite Grund war wirtschaftspolitisch: Den monolithischen Blöcken USA und China sollte Europa ebenbürtig gegenüberstehen. Beides ist gescheitert. Der einzige Staat, der dies wahrnimmt ist die Bundesrepublik. Für die andern Länder hat sich das als Falle erwiesen. Frankreich und Italien konnten sich zuvor noch auf den Weltmärkten behaupten, indem sie Lira und Franc gegenüber den Leitwährungen abwerteten...Wie hieß noch der Chef von Fiat?

Agnelli.

In den siebziger und achtziger Jahren hat Agnelli bei seinen Regierungen oft interveniert und gefordert, die Lira abzuwerten. Ich war ja Mitglied des Aufsichtsrates von VW - da ist mir noch in den Ohren, dass VW an die Vormachtstellung von Fiat auf dem Weltmarkt nicht herankam. Oder auch in Frankreich Renault. Wo ist heute Fiat? Und wo ist Renault? Frankreich exportiert noch auf den Weltmärkten Atomkraft und Flugzeugtechnologie - alles Dinge, die nicht arbeitsintensiv sind, mehr Know-how sind als Produkte.

Aber wenn Staaten solche Inflationierungspolitik betreiben, wird das von vielen sehr kritisch gesehen. Das hat doch seine Schattenseiten!

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Italien und Deutschland Deutschland ist für uns der Bösewicht - zu Unrecht

Die Beziehung zwischen Italien und Deutschland ist zentral für Europa. Doch zur Zeit steckt der Dialog zwischen beiden Ländern in einer tiefen Krise. Der römische Philosoph und Deutschland-Kenner Angelo Bolaffi weiß warum. Mehr Von Sandra Kegel

12.12.2014, 14:48 Uhr | Feuilleton
Entsetzen über Mord an französischer Geisel

Frankreichs Staatschef François Hollande und US-Präsident Barack Obama haben die Ermordung des in Algerien entführten Franzosen durch Islamisten verurteilt. Eine Gruppe, die der Dschihadisten-Organisation Islamischer Staat (IS) nahesteht, hatte den Bergführer verschleppt und mit seiner Tötung gedroht, falls Paris nicht seine Luftangriffe auf den IS im Irak einstellt. Mehr

25.09.2014, 15:12 Uhr | Politik
Was Sie heute erwartet Bundestag stimmt über neuen Afghanistan-Einsatz ab

<p> Der <strong>Bundestag </strong>stimmt am Donnerstag über einen neuen <strong>Ausbildungseinsatz </strong>der <strong>Bundeswehr </strong>in <strong>Afghanistan </strong>ab. Die Mission Resolute Support... Mehr

18.12.2014, 07:27 Uhr | Wirtschaft
Angela Merkel wird sechzig

Jeder vierte Bundesbürger wünscht sich die gebürtige Hamburgerin auch in zehn Jahren noch als Bundeskanzlerin. Angela Merkel entschied sich trotz erfolgreichen Physikstudiums für eine politische Karriere. Mehr

17.07.2014, 09:35 Uhr | Politik
Unmut in Frankreich Maul zu, Frau Merkel!

Die Bundeskanzlerin fordert mehr Reformeifer von den Franzosen und erntet heftige Kritik. Der Wortführer der Linkspartei, Jean-Luc Mélenchon, verbittet sich in harschen Worten jegliche Einmischung, auch Finanzminister Sapin legt nach. Mehr Von Michaela Wiegel, Paris

08.12.2014, 14:59 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 15.03.2013, 15:46 Uhr

Bescherung im Bundesrat

Von Heike Göbel

Die jüngsten Beschlüsse im Bundesrat bringen den Ländern mehr Geld. Für den Bund ist das nicht so gut. Mehr 1


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --