06.12.2007 · Die Phorms AG betreibt derzeit vier private Schulen. In spätestens sieben Jahren will das Unternehmen mit Bildung Geld verdienen. Phorms-Vorstandschefin Béa Beste spricht im Interview über Beiträge, Faltenröcke und Eigenkapital.
Von Bettina WeigunySie betreiben mit der Phorms AG derzeit vier private Schulen. Ist es legitim, mit Kindern Geld zu verdienen?
Natürlich ist es legitim, effizient zu wirtschaften. Wir sind Social Entrepreneurs. Leider wird dieser Ansatz im Bereich Bildung noch misstrauisch beäugt.
Aus Sicht des Lehrerverbands bereichern Sie sich auf dem Rücken der Kinder.
Da hat jemand unser Geschäftsmodell nicht verstanden.
Wer bei Ihnen lernen will, muss dafür zahlen. Privilegierte Kinder haben bessere Chancen.
Wir sind keine Snobschule. Deshalb staffeln wir die Beiträge. Eltern mit mehr als 200 000 Euro Jahreseinkommen zahlen den Höchstsatz von 900 Euro im Monat. Eltern, die 20 000 Euro im Jahr verdienen, bezahlen nur 200 Euro. Uns ist wichtig, dass der soziale Mix von ganz unten bis ganz oben stimmt.
Wenn so viele Privatschulen entstehen, blutet das Schulsystem aus.
Ganz im Gegenteil. Jede Schule, die wir gründen, entspannt die Situation an den überfüllten Schulen in der Nähe. Die Privatschulen fördern den Wettbewerb unter den Schulen. Das belebt, das hebt das Niveau und fördert die Kreativität der Lehrer und Schulleiter. Im Übrigen wollen wir mittelfristig auch staatliche Schulen managen. Und wenn diese in Problemvierteln wie Berlin-Neukölln liegen - bitte, die Herausforderung nehme ich an.
Wie soll das funktionieren?
Schauen Sie sich die Niederlande an. Dort lässt der Staat den Großteil seiner Schulen - genau wie Krankenhäuser und Altenheime - privat betreiben. Deshalb liegt der Anteil der Privatschüler dort bei 70 Prozent. Derzeit ist das in Deutschland so nicht möglich. Noch nicht. Da wird sich viel ändern.
Sie wollen an Ihre vier bestehenden Grundschulen nach und nach Gymnasien anschließen. Wie viele Phorms-Schulen planen Sie?
Es gibt etwa 40 geeignete Standorte in Ballungszentren. Zudem möchten wir international wachsen. Unsere erste Auslandsfiliale planen wir in zwei bis drei Jahren in Boston. Wir gucken uns aber auch Paris und Madrid an.
Wollen Sie einen internationalen Schul-McDonald's aufziehen?
McDonald's ist ein Franchise-System, wir nicht. Wir betreiben alle Schulen selber, nur so können wir überall die Qualität kontrollieren. Wir wollen Standards setzen, eine richtige Bildungsmarke kreieren.
Was meinen Sie damit?
In ein paar Jahren soll jeder, der den Namen Phorms hört, an Bildung denken - wie bei Cambridge, Eton oder dem Klett Verlag. Die Schulen sind nur ein Teil davon. Wir bieten Dienstleistungen rund um das Thema Bildung. Von IT-Services bis zu Lehrerfortbildungen. Wir betreiben eine Bildungsplattform im Internet und entwerfen Schuluniformen.
Sie führen Schuluniformen ein?
Ja, ab kommendem Schuljahr. Aber keine Sorge, das sind keine grauen Faltenröcke mit strengen Blusen. Die Kinder können aus einer Kollektion auswählen, die preislich und stilistisch zwischen H&M und Esprit liegt. Auch andere Schulen können Uniformen bei uns ordern - wir haben eine junge Berliner Designerin und lassen in China produzieren. Mit diesen und weiteren Angeboten wird die Phorms AG langfristig ihr Geld verdienen.
Die Schulen selbst müssen ihre Gewinne nicht an Ihre Aktionäre ausschütten?
Nein. Jede Schule ist eine eigenständige Tochtergesellschaft, die gemeinnützig ihre Gewinne, sobald sie denn welche erwirtschaftet, reinvestiert.
Und irgendwann gehen Sie an die Börse?
Das planen wir nicht konkret, aber wir träumen davon.
Wie finanzieren Sie die Expansion?
Bisher haben wir 6,4 Millionen Euro Eigenkapital bei Privatinvestoren eingesammelt. Zur weiteren Finanzierung haben wir einen Fonds über 14 Millionen Euro aufgelegt, der auch sofort Zinsen zahlt. Etwa ein Drittel der Summe haben wir bereits zusammen.
Können wir noch zeichnen?
Wenn Sie 200 000 Euro haben, gerne. Kleinere Tranchen sind aus rechtlicher Sicht leider nicht möglich. Die Rendite ist aber auch nicht schlecht - dafür nimmt man auch das Risiko eines in Deutschland neuen Geschäftsmodells in Kauf. Bisher ist keine unserer Schulen profitabel. Uns fehlen die staatlichen Zuschüsse, die in ein bis zwei Jahren aber etwa 60 Prozent der Betriebskosten decken werden.
Wie hoch ist Ihre Rendite?
Für unsere Eigenkapitalgeber können wir frühestens in fünf bis sieben Jahren eine Rendite erzielen. Die Fondsinvestoren erhalten 7 Prozent und nach acht Jahren nochmals 35 Prozent.
Können die Investoren ihre Anteile verkaufen?
Sie müssen ähnlich wie bei einem geschlossenen Immobilienfonds jemanden finden, der ihnen die Anteile abkauft.
Keine Rendite, kein Verkauf. Warum machen Investoren so etwas?
Weil sie vermögend sind, sozial engagiert und keine Lust mehr haben auf schnöde Charity.
Bettina Weiguny Jahrgang 1970, freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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