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Im Gespräch: AHK-Präsident Hausmann „China hilft auch Deutschland“

07.12.2009 ·  Als Präsident der Außenhandelskammer in China ist Richard Hausmann Vertreter der deutschen Unternehmen in Peking. Im Interview spricht er über Blasenbildung, Patentverletzungen und Städte nur mit Elektroautos.

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Der Vertreter der deutschen Unternehmen in Peking spricht über Blasenbildung, Patentverletzungen und Städte nur mit Elektroautos.

Ist die Wirtschaftskrise in China vorbei?

So weit ist man noch nicht. Chinas Wirtschaft steht und fällt mit dem Export, und der ist nach wie vor nicht kräftig genug. Aber die Zeichen der Wiederbelebung sind deutlich. Das riesige Konjunkturpaket hat die Inlandsnachfrage angefacht. Das voraussichtliche Wachstum des Bruttoinlandsprodukts um 8 Prozent zeigt, dass China wohl mit einem blauen Auge davonkommt.

Also alles eitel Sonnenschein in China?

Die Stimulierungspolitik hat auch Schattenseiten. Es besteht die Gefahr, dass das Staatsgeld Überkapazitäten schafft und die Inflation anheizt. Die laxe Geldpolitik könnte zur Blasenbildung führen. Das sehen die chinesische Führung und die Zentralbank und steuern gegen.

Stimmt es, dass nur Unternehmen mit chinesischen Eigentümern profitieren?

Nein, auch uns ausländischen Unternehmen hilft das Konjunkturpaket. Der Ausbau der Massentransportmittel bringt Aufträge für die deutsche Bahnindustrie. Ähnlich gut geht es der deutschen Medizintechnik, ganz zu schweigen vom Automobilbau: Kein anderer Markt macht den deutschen Autobauern derzeit mehr Freude. Sicher muss man darüber nachdenken, wie nachhaltig diese Nachfrage ist. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass China gestärkt aus der Krise hervorgeht.

Inwiefern?

Die Krise verschärft den Wettbewerb. Die Unternehmen sind gezwungen, effizienter zu produzieren. Hinzu kommt, dass Umwelt- und Energiefragen eine größere Rolle spielen.

Sind diese Gesetze nicht nur Lippenbekenntnisse?

Keinesfalls, das ist nachhaltig. Die Ziele zur Energieeffizienz im laufenden Fünf-Jahres-Plan sind ehrgeizig. Davon profitieren auch deutsche Anbieter in der Windkraft, im Solaranlagenbau, in der Gebäudedämmung oder im modernen Kraftwerksbau.

Was ist mit Elektroautos?

Die sind ganz stark im Kommen. Der Hersteller BYD zählt zu den Vorreitern. Ich kann mir gut vorstellen, dass China als erstes Land der Welt Elektroautos flächendeckend einführen wird.

Wie das?

Ähnlich wie bei Mopeds. Es könnte ein Gebiet ausgewiesen werden, wo nur Elektroautos fahren dürfen, zum Beispiel in der "Null-Emissions-Stadt" Dongtan auf der Insel Chongming bei Schanghai.

Wieso fällt den Chinesen das leichter als den Europäern oder Amerikanern?

Im herrschenden System lassen sich solche Neuerungen leichter durchsetzen als im Westen. Genauso wichtig aber ist, dass die Bereitschaft der Verbraucher viel größer ist, auch unausgereiften Techniken eine Chance zu geben.

Von Elektroautos in China hat die deutsche Industrie wenig.

Es geht nicht nur um die Fahrzeuge, sondern um die verwendeten Teile und um die Infrastruktur. Denken Sie an die Aufladestationen, wo die Fahrzeuge Energie abzapfen oder einspeisen. An solchen intelligenten Netzen, den "Smart Grids", sind deutsche Hersteller beteiligt.

Wie groß sind die Gefahren, dass die Chinesen deutsche Techniken abkupfern?

Wer in den chinesischen Markt will, kann nicht nur liefern, sondern muss hier auch produzieren und entwickeln. Die Gesetze zum Schutz des geistigen Eigentums in China entsprechen dem Weltstandard. Ihre Durchsetzung lässt allerdings zu wünschen übrig. Ich denke aber, die Situation wird sich verbessern, denn die Chinesen wollen auch ihre eigene Innovationskraft schützen. Die meisten Patentstreitigkeiten hierzulande werden zwischen heimischen Unternehmen ausgetragen.

Das Gespräch führte Christian Geinitz

Quelle: F.A.Z.
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