25.08.2009 · Opel-Beschäftigte haben entsetzt auf Mutmaßungen reagiert, GM könne einen Verkauf von Opel doch noch stoppen. Sie befürchten einen eklatanten Stellenabbau - aus Protest haben die Mitarbeiter den Verzicht auf ihr Urlaubsgeld wieder kassiert.
Die Opel-Beschäftigten haben empört auf Berichte reagiert, dass General Motors Alternativen zum Verkauf des angeschlagenen Autobauers prüft. Der IG-Metall-Bezirksleiter und Opel-Aufsichtsrat Armin Schild sagte am Dienstag im ZDF, die Mitarbeiter hätten die Nachrichten mit Wut und Empörung aufgenommen. Er sprach sich klar gegen den Verbleib des Rüsselsheimer Autobauers im GM-Konzern aus: „Unter dieser Mutter hat die Tochter keine Zukunft.“ Falls über die Zukunft von Opel weiterhin in Detroit entschieden würde, seien etliche Arbeitsplätze in Deutschland gefährdet.
Aus Protest gegen die Hinhaltetaktik des bisherigen Mutterkonzerns General Motors (GM) haben die 25.000 Beschäftigten bei Opel ihren Verzicht auf das Urlaubsgeld zurückgenommen. Die entsprechende Betriebsvereinbarung sei gekündigt, das Urlaubsgeld müsse mit der nächsten Monatsabrechnung ausgezahlt werden, heißt es in einem internen Schreiben des Betriebsrates, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. „Für ein „Zurück zu General Motors“ gibt es keinen Cent Beitrag der Beschäftigten“, schreibt der Betriebsrat darin. In diesem Fall werde auch der Vertrag über die noch ausgesetzte Tariferhöhung und Einmalzahlung von der IG Metall umgehend gekündigt.
Medienberichten zufolge erwägt der amerikanische Konzern, Opel und die britische Schwestermarke Vauxhall zu behalten (siehe Hängepartie: Erwägt General Motors, Opel doch zu behalten?). Dazu gehöre ein Finanzierungsplan im Volumen von 4,3 Milliarden Dollar, um Opel und die britische Schwestermarke Vauxhall als GM-Tochter wieder auf Trab zu bringen. Zunächst will GM zwar nach wie vor offene Fragen mit dem von der Bundesregierung bevorzugten Bieter Magna klären, sagten mehrere Personen mit Kenntnissen der GM-Überlegungen am Montag. GM erörtere jedoch auch andere Optionen.
Bürgermeister: Merkel muss Opel zur Chefsache machen
Auf Druck der Bundesregierung wurde bereits am Dienstag der GM-Vize-Chef in Berlin erwartet. Topmanager John Smith, der für GM seit Monaten die Opel-Verhandlungen führt, sprach mit Staatssekretären von Bund und Ländern der Opel-Task-Force. Die deutsche Seite wollte von Smith erfahren, ob GM tatsächlich prüft, den Opel-Verkauf komplett abzublasen.
Das Treffen ging nachmittags zu Ende, ohne dass greifbare Ergebnisse bekanntwurden. Aus Kreisen der Regierung hieß es, GM habe deutlich gemacht, weiterhin an einem Verkauf von Opel interessiert zu sein. Wie ernst es GM damit ist, blieb aber undurchsichtig.
Verbleib bei GM ist unter etlichen Politikern unpopulär
Etliche Politiker reagierten wenig begeistert auf die Aussicht, dass Opel bei GM verbleiben könnte. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck sagte der ARD: „Wir haben kein Interesse daran, dass General Motors einfach wieder weitermacht. Die haben das Unternehmen in die Katastrophe geführt“.
Die vier Oberbürgermeister der deutschen Opel-Standorte haben Angela Merkel aufgefordert, Opel zur Chefsache zu machen. Die Kanzlerin Angela müsse jetzt auf eine Entscheidung zugunsten des favorisierten österreichisch-kanadischen Zulieferers Magna drängen, verlangten Stefan Gieltowski (Rüsselsheim), Ottilie Scholz (Bochum), Klaus Weichel (Kaiserslautern) und Matthias Doht (Eisenach). Ein Katz-und- Maus-Spiel von General Motors sei aus deutscher Sicht nicht akzeptabel.
„Die Bundesregierung kann Druck machen, weil General Motors über eine Treuhand zu 60 Prozent dem amerikanischen Staat gehört. Damit ist ein politischer Einfluss auf die Verhandlungen möglich“, erklärte Eisenachs SPD-Oberbürgermeister Doht am Dienstag. Merkel müsse das vorantreiben.
Trittin gibt Bundesregierung Mitschuld an Opel-Krise
Der Spitzenkandidat der Grünen, Jürgen Trittin, hat der Bundesregierung eine Mitschuld an der gegenwärtigen Krise um die Zukunft von Opel gegeben. Statt nur auf staatliche Bürgschaften zu setzen, hätte die Große Koalition nach amerikanischem Vorbild als Teilhaber bei dem Autobauer einsteigen sollen, sagte der Politiker am Dienstag dem SWR. Hätte die Bundesregierung auf den Vorschlag der Opel-Belegschaft gehört, dann wäre sie „nicht den Überlegungen des Managements in Detroit vollständig ausgeliefert“.
Trittin vermutete, General Motors wolle „mit Opel so weiter machen wie bisher“ und sich diesen Kurs dann ohne jede Form von Mitbestimmung durch den deutschen Steuerzahlen finanzieren lassen. Die Regierung habe bislang kein tragfähiges Konzept durchgesetzt, sondern die Opelaner „zappeln lassen“.
SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier rechnet weiterhin mit einem Verkauf von Opel an einen Investor. Scheinbar gebe es bei GM zwar derzeit auch „eine Linie, dass man sich unter Umständen doch vorstellen kann, Opel im Konzern zu behalten“, sagte Steinmeier am Rande eines Besuchs bei ThyssenKrupp-Betriebsräten in Essen. Er gehe aber davon aus, dass GM nach wie vor das Ziel verfolge, einen internationalen Investor zu suchen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3214 | −0,18% |
| Rohöl Brent Crude | 117,81 $ | −0,08% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |